Der scheue Einzelgänger und sein einziger Freund

Diesmal geht es in „History & Crime“ um den Mord an dem tschechischen Arbeiter Jakob Prouza 1918 auf der Schmelz. War er ein zufälliges Opfer der berüchtigten Plattenbrüder oder kannte er seinen Mörder? Lesen Sie mehr …

Barbara Büchner recherchiert unermüdlich in Archiven, durchforstet dutzende Zeitungsartikel und trägt für Sie die spektakulärsten Fälle zusammen, die sich auf dem Gebiet des heutigen 15. Bezirks zugetragen haben oder von Personen handeln, die im heutigen Rudolfsheim-Fünfhaus wohnhaft oder beruflich (oder sonst wie) tätig waren.

History & Crime
1918-02-28 Illustrirte Kronen-Zeitung, ANNO

24. Februar 1918, im letzten Jahr des Ersten Weltkrieges: Dr. Schiller, Oberarzt im Spital der Radetzky-Kaserne, steht am Bett eines Sterbenden. In den frühen Morgenstunden des Sonntag war ein junger Mann mit grässlichen Kopfverletzungen eingeliefert worden. Er hatte zahlreiche Verletzungen am Kopf und im Gesicht, Risswunden an den Fingern und an den Händen. Die Augen waren verschwollen und blutunterlaufen.

Die Wunden waren hauptsächlich mit einem stumpfen Werkzeug beigebracht worden, am rechten Ohr zeigte sich zusätzlich eine Stichwunde. Schädel und Gesicht des Mannes waren mit einer Kruste geronnenen Blutes bedeckt. Sein(e) Mörder hatte(n) mit unfassbarer Brutalität wieder und wieder zugeschlagen, als der Junge längst wehrlos am Boden gelegen sein musste.

CT-Aufnahme von Schädelbruch. Bildquelle: Alamy Stock Photo,
Privatbesitz Barbara Büchner

Gefunden wurde er vom  Zugsführer Eduard Prokesch, der spät nachts seine übliche Torinspektion im Reservespital Nr. 21 auf dem Schmelzer Exerzierfeld durchgeführt hatte. Dabei hörte er ein schwaches Stöhnen wie das eines Sterbenden. Eilig forschte er nach und fand etwa 400 Schritte von der Kaserne entfernt auf dem verwilderten Gelände einen Mann, der Kleidung nach ein Arbeiter, in einer Blutlache liegend auf. Der Mann stöhnte  im Todeskampf. Seine Glieder waren verkrümmt, Kopf und Hände blutverschmiert.

Zugsführer Prokesch rief in aller Eile andere Soldaten zu Hilfe, man trug den Verwundeten auf einer Bahre in nahegelegene Militärspital.

Exerzierende Soldaten, Zuschauer, Spaziergänger (um 1900). Blick nach Norden zur Graf-Radetzky-Kaserne, Bild: Wikipedia gemeinfrei

Obwohl sich die Ärzte nach Kräften um den Verletzten bemühten, sah Oberarzt Dr. Schiller sofort, dass dem Unglücklichen nicht mehr zu helfen und seine Zeit nur noch kurz bemessen war. Also versuchte er wenigstens, dessen Namen zu erfahren.

Ob er deutsch oder tschechisch spreche? Bei „tschechisch“ nickte der Mann, versuchte auch offenbar, die folgenden Fragen zu beantworten, aber sein Zustand war schon so elend, dass er nur noch den Namen „Jaroslav“ oder „Jakob“ und den Namen der tschechischen Stadt „Nachod“ stammeln konnte, dann starb er.

Papiere hatte er keine bei sich, an Geld nur eine Krone (damalige Kaufkraft: 0,50 Euro). Darüber hinaus gab es nur einen einzigen Anhaltspunkt für eine Identifizierung: Sein rechter Arm war offenbar von Geburt an verkrüppelt. Eines konnte man also mit Sicherheit ausschließen: Er war kein aktiver Soldat gewesen.

Als Zugsführer Prokesch und weitere Soldaten mit Laternen die Umgebung absuchten, fanden sie auf dem Tatort keinen Hinweis auf die Person des Opfers, keine Ausweispapiere, kein Gepäck, und auch nicht die geringsten Anhaltspunkte dafür, wer der oder die Täter gewesen sein mochte(n), nicht einmal Fußspuren. Dazu muss gesagt werden, dass die Fußwege über die Schmelz damals oft quer durch raues Gras und dichtes Unkraut führten.

Der Arzt hatte seine eigene Meinung dazu, dazu was geschehen war.

„Nachts auf der Schmelz hat man ihn aufgefunden? Na, dann wett´ ich hundert zu eins, das war´n wieder die Gfraster, die Plattenbrüder!“

Der junge Tscheche war stark betrunken gewesen, wie man im Laufe der ärztlichen Untersuchung festgestellt hatte; leichte Beute für Räuber, und er wäre nicht das erste Opfer einer Gewalttat dieser Banden auf der Schmelz gewesen.

Blick nach Osten (Ausschnitte aus einer Ölskizze von M.Neubauer), Bild: Wikipedia, gemeinfrei

Bei Tag sah es auf der Schmelz ja recht idyllisch aus, aber nachts …

Die nächtlich unbeleuchtete Schmelz, der einsame Friedhof boten allerlei lichtscheuem Gesindel Unterschlupf. Das Treiben dieser „Platten“ nahm derartigen Umfang an, dass die Polizei bei einer nächtlichen Großrazzia im August 1908 mehr als 60 verdächtige Individuen festnahm.“ Zitat: Wiener Kronenzeitung, 26. Februar 1943.

Das riesige, halb verwilderte Gebiet war das „Herrschaftsgebiet“ der Plattenbrüder, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dort ihr Unwesen trieben.

Sie waren in ganz Wien berüchtigt, aber speziell Fünfhaus mit seinem riesigen Exerziergelände und dem unmittelbar nebenan gelegenen, aufgelassenen und verwilderten Schmelzer Friedhof war ihre „Zentrale“. 

Möglicherweise war der junge Mann in einem der zahlreichen Gasthäuser am Rande der Schmelz eingekehrt und dort beobachtet worden, dass er Geld in der Tasche hatte. Raubüberfälle auf dem finsteren, wilden Gelände waren an der Tagesordnung.

Bandenmitglieder hätten auch keine Skrupel gehabt, jemand einfach nur „aus Lust am Töten“ zu erschlagen. Immerhin hatten sie schon einmal zwei ihnen völlig unbekannte Arbeiter so gezielt mit Steinen beworfen, dass diese schwere Kopfverletzungen davontrugen.

Illustrierte Kronen-Zeitung, 28. August 1908, Seite 10.

Transkript (Auszug)    

Der 25jährige Schuhmachergehilfe Friedrich Odradovsky und sein Arbeitskollege, der 32jährige Mathias Nowak, die gemeinsam im 14. Bezirks, Schweglerstraße 12, wohnten, wurden Mittwoch abends auf der Schmelz, wo sie sich während eines Spaziergangs in der Nähe der Reitschule von der Rettungsgesellschaft in das Elisabethspital gebracht. (…)

Transkript Ende

Die Anführer dieser Gruppen waren Berufsverbrecher wie der wohl berühmteste aller Plattenbrüder, Johann Breitwieser (1891-1919), oder auch Psychopathen wie der erst 19jährige Johann Marzelli, über den die Kronen-Zeitung vom 4. September 1906 berichtete:

Transkript

Der 19jährige Pflasterergehilfe Johann Marzelli war ein berüchtigter Plattenbruder und in Ottakring und Umgebung ebenso bekannt als gefürchtet. Er kam am 20. März d. I. zu einem Ringelspiel- und Schaukelbesitzer auf der Schmelz und gab aus einem Revolver mehrere scharfe Schüsse ab. Bei der Polizei meinte er gleichgültig, er habe geschossen, »weil es ihm Freude machte.“(…) Aus dem Strafprotokoll ging hervor, dass Marzelli schon als zwölfjähriger Junge einen Burschen durch Messerstiche in den Bauch verletzt hatte; einmal brachte er sich selbst im Grimm darüber, dass seine Mutter ihm ein paar Kreuzer verweigerte, mit einem Messer Kopfwunden bei.

Transkript Ende

War es da nicht naheliegend, dass auch Jakob (oder Jaroslav) aus Nadoch Opfer solcher Strolche geworden war? Eine entmutigende Situation für die Polizei, die kaum Hoffnung haben konnte, den Täter zu fassen, denn unter den Plattenbrüdern herrschte das “Gesetz des Schweigens”; wer “niederlegte” und die anderen “verpfiff”, hatte sein Leben verspielt.

Eine weitere schwierige Frage war: Wie sollte man den jungen Tschechen identifizieren? Sein einziges hervorstechendes körperliches Merkmal war der verkrüppelte rechte Arm. Erst eine genaue Durchsuchung seiner Kleider ergab einen ersten Hinweis. 

Der/die Mörder hatten zwar alle Taschen des Sterbenden durchwühlt, aber eine unauffällige Kleinigkeit übersehen: Eine Marke, die den Ermordeten als Mitarbeiter der Munitionsfabrik Wöllersdorf auswies. Das kleine Stück Metall sollte dem(n) Täter(n) zum Verhängnis werden, denn es führte geradewegs auf die richtige Spur.

Munitionsfabrik Wöllersdorf, Bildquelle: bmi.gv.at

Hier sind ein paar Worte zu Wöllersdorf angebracht:

Im selben Jahr 1918 war diese größte Munitionsfabrik der Monarchie Schauplatz einer der schrecklichsten Brandkatastrophen in Österreich.

In der riesigen  Munitionsproduktionstätte arbeiteten mehr als 40.000 Menschen, viele aus den Kronländern, überwiegend Frauen, da Hunderttausende Männer an der Front kämpften oder gefallen waren.

Auch der zum Dienst mit der Waffe untaugliche junge Tscheche hatte hier Arbeit gefunden. Die Arbeiter*innen hausten unter elenden Bedingungen in Baracken auf dem Fabriksgelände. Auf Sicherheit wurde kaum geachtet. Immer wieder ereigneten sich Unfälle mit Toten und Verletzten, die man kurzerhand vertuschte – bis es zur Katastrophe kam.

Am 18. September 1918 explodierten auf dem Gelände drei Pulvermagazine. Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt, da von den Behörden ständig falsche Angaben gemacht wurden, doch wurden am 21. September 1918 allein auf dem Friedhof Wiener Neustadt 180 Leichen in fünf Massengräbern beerdigt und auf dem Friedhof Steinabrückl in einem Massengrab 42 Opfer.

Dazu kamen viele Tote, die auf anderen Friedhöfen beigesetzt wurden, etwa in Piesting, Winzendorf, Maiersdorf und Fischau. Zahlreiche Verletzte starben nach Tagen im Krankenhaus. Insgesamt rechnet man mit zumindest 423 Toten, wenn nicht 500 (Quelle: www.pdf-files.bmi.gv.at, Marktgemeinde Winzendorf-Muthmannsdorf)

Zurück zu dem ermordeten Tschechen. Jetzt war es nicht mehr schwer, ihn zu identifizieren. Das Sicherheitsbüro wandte sich nach Wöllersdorf mit der Anfrage, ob dort seit dem 23. Februar ein Mann vermisst werde. Tatsächlich:  Ein Artilleriemeister der Munitionsfabrik identifizierte den Toten als den Landsturmarbeiter Jakob Prouza.

Die Neue Zeitung, 28. Februar 1918, Seite 4, berichtete:

Transkript

Der Erschlagene von der Schmelz.

Ein Raubmord?

Wie berichtet, wurde in der ersten Morgenstunde des verflossenen Sonntags etwa 400 Schritte von der Radetzkykaserne ein junger Mann mit furchtbaren Wunden am Schädel, die ihm mit einem stumpfen Werkzeug beigebracht worden sind, sterbend aufgefunden. Man hatte den Verletzten in das Spital der Kaserne gebracht und dort war er trotz aller Hilfe kurz vor halb 1 Uhr morgens gestorben. Der Arzt hatte ihn nach seinem Namen gefragt und der Sterbende nannte mit lallender Stimme den Namen „Jaroslav“ und sprach den Namen der Stadt „Nachod“ aus. Als man ihn gefragt hatte, ob er deutsch oder tschechisch spreche, hatte er bei dem Wort „tschechisch“ zustimmend mit dem Kopfe genickt. Man hatte bei dem Toten nur eine Marke der Wöllersdorfer Munitionsfabrik gefunden und sie war der einzige Behelf für die weiteren Nachforschungen. Sie hatten den Erfolg, dass festgestellt werden konnte, dass der Erschlagene ein Landsturmarbeiter aus Wöllersdorf ist.

Das Sicherheitsbüro hatte sich gleich am Sonntag mit der Anfrage nach Wöllersdorf gewendet, ob ein Mann dort vermisst werde. Nun wurde mitgeteilt, dass tatsächlich ein beeideter Landsturmarbeiter seit Samstag aus dem Ort abgängig ist. Der Artilleriemeister, unter dessen Kommando der Vermisste gestanden war, ist nach Wien gekommen und hat in dem Toten den Landsturmarbeiter Jakob Prouza, am 25. Jänner 1889 zu Waclawicze in Böhmen geboren, nach Dobiot zuständig, unverheiratet, erkannt. Prouzas Mutter ist in Nachod ansässig und deshalb hat der Sterbende wohl den Namen der böhmischen Stadt ausgesprochen. Das Wort „Jaroslav“ hat man am Sterbebett nur undeutlich gehört. Es ist nicht unmöglich, dass der Mann, der kaum zu reden vermochte, „Jakob Prouza“ wirklich gesagt und dass man den Namen wie „Jaroslav“ verstanden hat.

Transkript Ende


Üblicherweise nimmt sich die Polizei nach einem Gewaltverbrechen erst einmal das nähere Umfeld des Opfers vor, denn die meisten dieser Taten sind Beziehungstaten. Verdächtig sind vor allem Familie, Freunde und Arbeitskollegen. Man musste aber bald feststellen, dass der geistig leicht beschränkte Prouza – vielleicht auch wegen seiner körperlichen Behinderung – ein menschenscheuer Einzelgänger gewesen war, der weder Kontakt zu den Kollegen hielt noch persönliche Freunde hatte; seine einzige Verwandte war die alte Mutter in Nachod.

Das Sicherheitsbüro setzte sich daher mit seiner Heimatgemeinde Nachod und namentlich auch mit der Wöllersdorfer Behörde in Verbindung, um zu ermitteln, mit wem der einsam lebende Mann doch hie und da Umgang gehabt hätte. Irgendjemand musste ihn doch näher gekannt haben? Und tatsächlich, man fand eine vielversprechende Spur!

Hier betritt ein “Privatdetektiv” die Szene, nämlich der Wöllersdorfer Artilleriewaffenmeister Karl Merker, dessen Abteilung Prouza zugeteilt gewesen war. Ihm ließ es keine Ruhe, herauszufinden, wer den jungen Arbeiter auf dem Gewissen hatte.

Wenn Jakob Prouza, so sagte er sich, überhaupt nähere Beziehungen gehabt hatte, dann höchstwahrscheinlich zu Menschen an seinem Arbeitsplatz. Er forschte also unauffällig nach – und brachte in Erfahrung, dass Prouza hie und da auch in Gesellschaft des Webergehilfen Franz Kochanek gesehen worden war. Kochanek war als Infanterist beim Infanterieregiment 74 eingerückt und zur Munitionsfabrik in Wöllersdorf kommandiert. Diese Erkenntnis teilte Waffenmeister Merker auf der Stelle dem Sicherheitsbüro mit, und der offizielle Behördenapparat begann zu laufen.

Franz Kochanek, ebenfalls ein Tscheche, am 30. Marz 1888 in Haraditza im Bezirke Semil geboren und dahin zuständig,  war indessen am 3. Jänner d.J. schon von Wöllersdorf abkommandiert worden, war aber, wie erhoben wurde, seither noch einige Male nach Wöllersdorf gekommen, offenbar, um Prouza zu besuchen, in dessen Gesellschaft er häufig gesehen wurde.

Die späteren Ereignisse lassen vermuten, dass Kochanek sich deshalb so anhänglich zeigte, weil Prouza, der einen guten Lohn bezog, immer “flüssig” war, während er selber immer ein Loch im Sack hatte.

Am 11. Mai 1918 konnte die Kronen-Zeitung berichten:

Kronen-Zeitung 11. Mai 1918, ANNO

Transkript

Aufklärung des Mordes auf der Schmelz. Verhaftung des Täters.

In einer Mordangelegenheit, die zweieinhalb Monate zurückliegt, die gleich am Anfang schwer lösbar schien, da es Mühe kostete, den Namen des Opfers zu ergründen, hat jetzt das Sicherheitsbüro volle Klarheit geschaffen und durch Verhaftung des Täters die Möglichkeit gegeben, dass dem vergossenen Blut Sühne werde. Es handelt sich um die Mordtat, die sich am 24. Februar d.J. auf der Schmelz ereignet hat. Der Sachverhalt ist folgender (Hier werden die bereits zitierten Berichte noch einmal wiederholt, Anm.d.V.):

(…)

Der einzige Freund.

Das Sicherheitsbüro suchte nun Kochanek, von dem man wenigstens Aufschlüsse erwarten konnte. Der Mann hatte sich in der Zwischenzeit bei verschiedenen militärischen Stellen befunden. Schließlich wurde erhoben, dass er sich derzeit im Kriegsspital Nr. 1 befinde. Das Sicherheitsbüro  veranlasste sofort seine Überstellung. Kochanek, der bloß tschechisch spricht, wurde über Prouza befragt und leugnete rundweg, von ihm etwas zu wissen. Nach längerem Verhöre gab er immer mehr zu und schließlich legte er das Geständnis ab, dass er es war, der den Mann getötet hat.

Nach seiner Angabe hat er Prouza am 23. Februar Nachmittag zufällig in einem Gasthaus des 10. Bezirkes getroffen. Die beiden alten Bekannten schlossen sich aneinander und besuchten gemeinsam mehrere Schanklokale. Da Kochanek ganz ohne Geld war, war bei der Runde Prouza der Gastgeber, der immer die Zeche bezahlte. Schließlich wurde es 1 Uhr und das letzte Lokal wurde gesperrt. Nun wanderten die beiden planlos durch mehrere Bezirke und unterwegs stellte Kochanek an Prouza die Bitte, ihm zwei Kronen zu borgen.

Prouza soll diese Bitte abgeschlagen hoben. Das brachte Kochanek sehr in Harnisch und er las in seiner Wut heimlich von der Straße einen Stein auf und steckte ihn zu sich. So kamen sie auf die Schmelz und dort hat Kochanek mit dem Stein drei wuchtige Schläge gegen den Kopf Prouzas geführt, sodass der Mann bewusstlos zusammensank. Nun beugte sich der Mörder über ihn und nahm dem Sterbenden noch vier Kronen. Mit dieser Beute, die ein Menschenleben kostete, hatte sich Kochanek entfernt.

Nach dem Geständnis war der Mörder ganz gebrochen. Er bleibt vorläufig in der Verwahrungshaft des Sicherheitsbüros und wird nach Abschluss der Erhebungen der Militäranwaltschaft angezeigt und dem Garnisonsarrest eingeliefert werden.

Transkript Ende

Zusatzinformation aus dem Wiener Pitaval (Auszug)

„Menschliche Verrohung, durch Krieg und Not begünstigt, trieb zu Ende des Ersten Weltkrieges in der Großstadt Wien schreckliche Blüten, wie es der gegenständliche Fall zeigt.“ (…) „Mit der Beute von vier Kronen tauchte der Mörder seines Freundes in der Großstadt unter. Franz Kochanek erfreute sich jedoch nicht lange des Geldes und der Freiheit, er konnte bald von einer Militärstreife gestellt werden. In einem Militärgerichtsverfahren vor dem Wiener Heeresdivisionsgericht wurde er des Raubmordes an seinem Kameraden schuldig befunden und der damaligen Gesetzeslage entsprechend zur Höchststrafe verurteilt. Zum „Tod durch den Strang.““

Quellen:

meine meinung

Man fürchtet sich (und sicher nicht zu Unrecht) vor Berufsverbrechern und gewalttätigen Irren, die im Dunkel einsamer Orte ihr Unwesen treiben. Gewiss ging es auch Jakob Prouza so. Aber er hatte ja seinen guten Freund bei sich, als er den gefährlichen Weg über die nächtliche Schmelz antrat – den Freund, der ihn dann für umgerechnet zwei Euro auf bestialische Weise ermordete. So zynisch es klingt: Am meisten gefährdet ist man laut Kriminalstatistik im Kreise seiner Nächsten und Liebsten. Damals und heute …

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