Volksschule 1920 Schweglerstraße – Felberstraße – Benedikt Schellinger-Gasse (Bild des Monats)

Unser Bild des Monats zeigt diesmal eine Knaben-Volkschulklasse um 1920 im Schulkomplex Schweglerstraße – Felberstraße – Benedikt Schellinger-Gasse. Errichtet wurde die Schule 1912-1913.

Bild des Monats
Unterricht um 1920 in der heutigen Sir Karl Popper Schule (seit 1996), Knaben-Volksschule

Kurze Schul-Geschichte

1774 wurde unter Maria Theresia (1717-1780) die Allgemeine Schulpflicht für Knaben und Mädchen vom 6. bis zum 12. Lebensjahr eingeführt.

Im letzten Drittel des 18. Jhdts. wurden auf dem Gebiet des heutigen 15. Bezirks die beiden ersten Schulen eröffnet. Eine in Reindorf (heutige Kellingg. 8), die andere in Fünfhaus (heute Clementineng. 27).

1788 wurde, um die Schulbesuchsquote zu heben, beschlossen, die Allerärmsten von der Bezahlung des Schulgeldes zu befreien. In den Gemeinden des 15. Bezirks gehörten etwa 60 Prozent der Familien zu dieser Kategorie.

1789 wurde dem Ansuchen der fünf Gemeinden (Reindorf, Rustendorf, Braunhirschen, Fünfhaus, Sechshaus) nach einer gemeinsamen Pfarrschule entsprochen. Sie wurde in einem Privathaus neben dem Reindorfer Pfarrhof in der Reindorfgasse eingerichtet. Gleichzeitig wurde die Fünfhauser Schule geschlossen.

1822 hatte die Schule schon ein eigenes Gebäude, das um 1790 in der jetzigen Oelweingasse 1 (jetzt Gasthaus Quell) errichtet worden war. 1826 wurde auf Oelweingasse 7 ein Neubau errichtet, der bis 1894 in Verwendung stand. Danach übersiedelten die Mädchen in die Dadlergasse 16, die Knaben in die Dadlergasse 9.

Aufgrund der Schulgesetze von 1867 und 1869 wurden aus den primitiven Trivialschulen die Volksschulen. Die Pflicht zum Schulbesuch bis zum 14. Lebensjahr wurde durchgesetzt. Es wurden nun Bürgerschulen für Knaben und Mädchen errichtet.

Die räumlichen Voraussetzungen blieben allerdings noch unzureichend, mehr als hundert Kinder in einer Klasse waren die Regel. Der Umschwung kam erst nach der Eingemeindung der Vororte nach Wien (1890/92).

Weitere Volksschulen

  • 1826 Pfarrschule in Sechshaus / Pillergasse >> 1828 Neubau in der Storchengasse 21 >> 1870 größerer Neubau Kellinggasse 7
  • 1826 Pfarrschule Fünfhaus / Privathaus in der Turnergasse >> 1827 einstöckiger Neubau Herklotzgasse 21 >> 1869 zwei Stockwerke aufgesetzt >> Mädchen blieben bis 1906 >> übersiedelten 1907 in den Neubau Friesgasse 10  (heutige Oskar-  Spiel-Schule) >> Buben übersiedelten 1881 in die Talgasse 2
  • 1852 1. Schule in Rustendorf / Lehnergasse 4 >> 1903 geschlossen >> neue Schule Kauergasse 3 und 5
  • 1853 Viktoriagasse 2 >> 1906 neue Gebäude Sperrgasse 8-10 und Viktoriagasse 4
  • 1870 Neu-Fünfhaus (nördlich der Westbahn) Notschule im Privathaus Zinckgasse 3  >> 1872 Schulgebäude Hackengasse 13
  • 1875 Östliche Schmelzgründe / Stättermayergasse 27 und 29 >> 1884 drittes Stockwerk, da zu klein >> 1890, weil abermals zu klein, Selzergasse 19
  • 1880 2. Schule in Rustendorf / Goldschlagstraße 108 >> 1901 Knaben in den Neubau Goldschlagstraße 113, während die Mädchen in der alten Schule blieben
  • 1881 Hackengasse 11
  • 1894 Zinckgasse 12-14 >> 1895 wurde die erste Taubstummenschule Wiens angegliedert
  • 1898 Ortnergasse 4
  • 1899 Märzstraße 70 und 72
  • 1908 Knabenvolksschule / Meiselstraße 19 und Mädchenvolksschule / Johnstraße 40
  • 1909 Goldschlagstraße 14-16

Schulkomplex Schweglerstraße – Felberstraße – Benedikt Schellinger-Gasse

Schulkomplex Schweglerstraße – Felberstraße – Benedikt Schellinger-Gasse

Abschluss und Höhepunkt der Schulbautätigkeit vor dem Ersten Weltkrieg war der imposante Block der „Allgemeinen Volks- und Bürgerschule der Stadt Wien“  Schweglerstraße – Felberstraße – Benedikt Schellinger-Gasse, der 1913 nach Entwürfen von Julius Fröhlich fertiggestellt wurde. Das Gebäude bot damals zwei Bürgerschulen und drei Volksschulen Raum.

Im Jahr 1914 gab es in den Bezirken Rudolfsheim und Fünfhaus 23 Volksschulen und 6 Bürgerschulen mit insgesamt fast 18.000 Schüler*innen.

1914-04-29 Reichspost, ANNO

Transkript:

Eine Million für eine Schule

Donnerstag findet die feierliche Einweihung des neuen Schulhauses der Stadt Wien, 14. Bezirk, Schweglerstraße 2 und 4, Felberstraße 42 bis 46 und Benedikt=Schellingergasse 1 und 3 statt. In dem neuen Gebäude sind je eine Volksschule für Knaben und und für Mädchen, sowie je eine Volks= und Bürgerschule für Knaben und für Mädchen untergebracht. Das Erdgeschoß und die drei Stockwerke enthalten zusammen 39 Lehrzimmer, 1 Physiksaal, 3 Zeichensäle, Handarbeitssaal, 2 Turnsäle, eigene Kleiderablagen für die Überkleider der Schulkinder, 3 Kanzleien, 3 Beratungszimmer, 12 Lehrmittelzimmer und 2 Schuldienerwohnungen. Überdies sind im Erdgeschoß mehrere Räumlichkeiten für die Errichtung einer Schulzahnklinik bestimmt. Im Untergeschoß des Schulhauses befinden sich Räume für die Ausspeisung arme Schulkinder, 2 Schulküchen, 1 Schulwerkstätte und 1 kleinerer Turnsaal, die Kesselräume und die erforderlichen Holz= und Kohlenkeller. Ueber das ganze Gebäude erstreckt sich eine Dachterrasse, welche der Erholung der Schulkinder während der Unterrichtspausen dient. Die Bauweise und Einrichtung ist ähnlich aller neueren städtischen Schulgebäude: Stiegen, Decken und Fensterpfeiler aus Eisenbeton, Linoleumbelag in den Räumen, Terrazzopflaster in Gängen und Aborten, Wasserleitung und Waschgelegenheit in sämtlichen Lehrräumen, elektrische Beleuchtung, Niederdruckdampfheizung, Lüftungsanlage usw. Der Entwurf für den Bau dieses Schulhauses wurde unter der Leitung des Oberbaurat Ingenieur Karl Haubfleisch und des Baurates Ingenieur Max Fiebiger vom Wiener Stadtbauamte (Architekt Julius Fröhlich) verfaßt. Mit dem Bau wurde im September 1912 begonnen. Am 15. Oktober 1913 wurde das Schulhaus in Benutzung genommen. Die Baukosten betragen rund 1,040.000 Kronen. Die städtische Bauleitung bestand aus dem Baurate Ingenieur Max Fiebiger, sowie den Bauinspektoren Ingenieur Heinrich Kautz und Ing. Josef Schacher.

Schweglerstraße 2-4 Knabenschule, 1920er-Jahre
Am 4.10. 1949 wurde die kriegsbeschädigte Hauptschule Schweglerstraße 2-4 von Bürgermeister Theodor Körner (1873-1957; 1945-1951 Wiener Bürgermeister; 1951-1957 Bundespräsident) wiedereröffnet
1949-10-04 Die Weltpresse, ANNO
Sir Karl Popper Schule 2008

Der Architekt

Julius Fröhlich (1853-1923) wurde 1853 als Sohn des Architekten Franz Fröhlich (1823-1889) in Wien geboren. Er besuchte zunächst die Technische Hochschule in Wien und anschließend die Akademie der bildenden Künste, wo unter anderen Theophil Hansen zu seinen Lehrern zählte.

Seine Praxisjahre verbrachte er im Atelier seines Vaters und machte sich anschließend selbständig. Ab 1903 war er im Wiener Stadtbauamt beschäftigt. Unter anderem war er am Bau der Zweiten Wiener Hochquellenleitung beteiligt. Für die Errichtung einiger Schulen der Gemeinde Wien verfasste er zum Teil die Fassadenpläne.

Julius Fröhlich starb 1923 im 70. Lebensjahr in Perchtoldsdorf und wurde auch am dortigen Friedhof bestattet.

Der Namensgeber

1996 wurde der Schulkomplex nach Sir Karl Raimund Popper (1902-1994) benannt, der von 1930-1935 als Hauptschullehrer in der Schweglerstraße 2-6 tätig war.

1998 wurde eine weitere Schule in 4., Wiedner Gürtel 68 nach dem Philosophen benannt. Die Sir Karl Popper Schule (Popperschule – Wiedner Gymnasium) kann als Gymnasium oder als Realgymnasium abgeschlossen werden.

Quellen

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Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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2 Kommentare zu „Volksschule 1920 Schweglerstraße – Felberstraße – Benedikt Schellinger-Gasse (Bild des Monats)

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