Der resolute Wirt der Alten Hühnersteige

Wie gewohnt finden Sie hier am 4. Montag des Monats das „Zitat des Monats“. Diesmal geht es um Johann Langauer, der nicht nur Hausbesitzer und Wirt, sondern auch Gemeinderat, stv. Bürgermeister und Ehrenbürger von Fünfhaus war. Mit seinen Gästen ging er nicht immer zimperlich um. Lesen Sie mehr …

Zitat des Monats

Unser Zitat des Monats stammt diesmal von Johann Langauer.

„Hausknecht, zag dem Herrn unser‘ Tür!“ (Johann Langauer)

Johann Langauer (1808-1881)

Leider haben in unserer Sammlung kein Bild von Johann Langauer, daher sehen Sie hier das Gasthaus „Zur Alten Hühnersteige“, dessen Wirt Langauer von 1839-1881 war.

1839 übernahm Johann Langauer das Lokal und führte es zum „Gipfelpunkt seiner Popularität“. Am 26. Oktober 1848 (Märzrevolution) wurde das Haus „behufs besserer Vertheidigung der Mariahilfer=Linie gegen den Ansturm des Militärs von der Mobilgarde eingeäschert“. Das Haus wurde neu errichtet und erlangte bald wieder „den früheren Zuspruch“.

Das Gasthaus „zur Alten Hühnersteige“ befand sich nahe der einstigen Mariahilfer Linie beim 1704 errichteten Linienwall. Würde das Haus heute noch bestehen, stünde es quer zum Gürtel mitten auf der Fahrbahn.

Johann Langauer war nicht nur Hausbesitzer und Wirt, sondern auch Gemeinderat, stv. Bürgermeister und Ehrenbürger von Fünfhaus. Außerdem war er der Onkel von Georg Röhrl. Eines der Geschäfte von Röhrl war ebenfalls in dem Gebäude Fünfhaus 118 untergebracht.

Langauer soll sehr speziell und äußerst resolut gegen seine Gäste vorgegangen sein. Wer ihm nicht passte, wurde eigenhändig vor die Tür gesetzt.

Das NeuigkeitsWeltBlatt berichtet am 4.5.1906 vom populären und teils gefürchteten Wirt und Politiker Johann Langauer.

Aus dem Artikel stammt auch unser „Zitat des Monats“ (ab Minute 2:11 Audiotranskript).

1906-05-04 (Neuigkeits)Welt Blatt, ANNO
Audiotranskript „Der Wirt der „alten Hühnersteige“

Transkript (Minute 2:11-4:47)

Urpatriarchalisch ging es dabei zu; ehrsame, wohlhabende Bürgerfamilien kamen an die jahrzehntelang innegehabten Stammtische und brachte sich für sich und Kind und Kegel das Nachtmahl mit; denn beim alten Langauer gab’s wenig warmes Essen, damit gab er sich nicht ab. Seine Spezialität war der Wein, der echte, beste Tropfen von den Geländen des Kahlenberges oder von der Marchebene. Er war sein Stolz, der gute Wein, seine Lebensaufgabe und wer seinen Wein lobte, war sein Freund, wer darüber schimpfte, sein Todfeind. Er duldete einfach keine abfällige Kritik über seine Marken und gebrauchte einem diesbezüglichen Stänkerer gegenüber sein Hausrecht. Ueberall hatte er seine Aufmerksamkeit und hörte jedes Wort, das an einem Tisch, wo Fremde saßen, über das Gebotene gesprochen wurde. Bloß eine kleine Bemerkung genügte und er spitzte die Ohren. Dann kam er langsam den Platz näher, an dem der Krakeeler saß. Die vorgebeugte, hagere Gestalt mit dem interessanten Charakterkopf entsprach nicht im traditionellen Wirthstypus, aber ein echter rechter Wienerthypus war er trotzdem mit seinem grünen Hauskäppchen und dem gemütlichen Gehaben. Da, dort wurden ein Gruß, ein Handschlag, ein paar Worte getauscht mit einem alten Freund und Gast, dabei behielt er aber immer den Tisch im Auge, wo der Verächter seines Tropfen saß. Noch ein Wort durfte er hören, dann hielt es aber: „Hausknecht, zag dem Herrn unser‘ Tür!“ Dann in verstärkter Tonart: „Hausknecht, zag dem Herrn unser‘ Tür!!“ — „Bitte schön,“ wagte der Epigone des berühmten Rubiers eine Einrede, „er muss erst zahl’n.“ — „Wem mei‘ Wein net schmeckt, der braucht’n a net zahl’n, aber g’schwind soll er schau’n, daß er aussi kummt.“ Und wirklich nahm er in solchen Fällen kein Geld von dem Betreffenden.

Selbstredend gab es niedere Seelen genug, die einen Hinauswurf in den Kauf nahmen, um von dem berühmten guten Wein des alten Langauer eine Gratisprobe zu machen. Das genierte ihn aber wenig, selbst wenn er es erfahren hätte; er blieb seinem Prinzip treu
.

1879 wurde die Langauergasse nach Johann Langauer benannt.

Johann Langauer starb am 12. Februar 1881 mit 72 Jahren. Mehr zu Johann Langauer finden Sie hier.

1881-02-13 Wiener Zeitung, ANNO

Damit genug für heute:
Gehaben Sie sich wohl!
Ihre Brigitte Neichl

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