#FAQ15/059 Wo fuhr denn die Linie L im 15. Bezirk?

Was Sie schon immer über Rudolfsheim-Fünfhaus wissen wollten …

Die Straßenbahnlinie L bestand von 1907-1959 und ermöglichte es – ohne Umsteigen – von Rudolfsheim-Fünfhaus bis in den Prater zu gelangen. Erfahren Sie mehr über eine Linie, die nicht mehr verbindet …

Sie interessieren sich für interessante Details aus Vergangenheit & Gegenwart von Rudolfsheim-Fünfhaus, dem 15. Wiener Gemeindebezirk? Dann sind Sie hier richtig beim Blog WIENfünfzehn!

Haben Sie auch eine Frage? Dann schreiben Sie uns unter faq15@bm15.at

FAQ=Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)

Von den Hieroglyphenzeichen zu Buchstaben und Ziffern

Im Jahre 1907 wurden die hieroglyphenartigen Linienkennzeichen durch ein neues System von Buchstaben und Ziffern ersetzt, welche sofort eine eindeutige Orientierungshilfe gab:

Zahlen 1 – 20: Rundlinien, welche rund bzw. tangential um den Stadtkern verliefen.

Zahlen 21 – 99: Radiallinien, welche von der Stadtmitte strahlenförmig auswärts führten.

Buchstaben bzw. Buchstaben u. Ziffern: Durchgangslinien, welche sowohl über Rund- als auch Radiallinie führten, wobei reine Buchstabenlinien ursprünglich immer über Ring oder Kai führten.

Linie L

Die Linie L war vom 27.4.1907-11.10.1959 in Betrieb und führte von Schönbrunn über die Mariahilferstraße – Ring – Kai bis in die Prater Hauptallee) 

Altes Liniensignal der Linie L

Strecke im 15. Bezirk: Winckelmannstraße – Mariahilferstraße (bis Westbahnhof)

Die Geburtsstunde der Linie L war am 24. Juli 1907. Anfangs führte sie von Weigl’s Dreherpark, einem beliebten Vergnügungsetablissement gegenüber dem Eingang nach Schönbrunn, Schönbrunnerstraße 307 – das von 1884 bis in die späten 1950er Jahre bestand) über Rudolfsheim (Remise) durch die Mariahilfer Straße – Ring – Kai bis zur Prater Hauptallee/Rotundenbrücke.

Plan 1953: Verlauf der Linie L von Schönbrunn über die Mariahilferstraße bis zum Gürtel (Westbahnhof) und dann weiter in der Mariahilferstraße bis zum Ring

Dies war eine Strecke, die vorher mit verschiedenen Varianten bereits von der Pferdetramway befahren wurde.

Remise/Bahnhof Rudolfsheim um 1900. Gut sichtbar die bis 1907 üblichen „Hieroglyphen-Signale“.
Pferdetramway beim Schwendermarkt um 1880. Rechts „Schwarzer Adler“.
Schwenders Colosseum um 1900 (mit Pferdestraßenbahn)
„Elektrische“ auf der Mariahilfer Straße rechts Hotel Holzwarth um 1905 (ab 1907 verkehrten die Züge mit Signalen: Anm. von Karl H. – Vielen Dank!)

Eine Garnitur der Linie „L“ im Bahnhof Rudolfsheim

Linie L Richtung Praterstern in der Remise Rudolfsheim, 1950er Jahre

Bis 1912/13 kuppelten „L“ und 63 in der Grünbergstraße vor der Wienbrücke. Da die Menschen diese beiden Bezeichnungen kaum kannten, wurde dieser Stelle als „Dreherpark“ bezeichnet.

In der Schönbrunner Str. 297-307 war Anfang des 20. Jhdts. die Brauerei Dreher, die Tanzsäle und einen Biergarten für rund 1000 Personen besaß. Die Menschen kannten „den Dreher“.

Hier befand sich Weigls Dreherpark, Foto 2008
Hier befand sich Weigls Dreherpark, Foto 2008

Als der „L“ ein Stockgleis beim Meidlinger Tor und der 63er eine Schleife vor dem Bhf. Wienzeile erhielt, wurde die Stelle ebenfalls als „Dreherpark“ bezeichnet.

Linke Wienzeile/Ecke Winckelmannstraße befand sich die
Remise Wienzeile – Bild links (wurde 1975 abgerissen), Foto rechts 2008

Das war einmal: Ohne Umsteigen vom 15. in den Prater

Der Vorteil der Linie L war es, ohne Umzusteigen vom 15. Bezirk in den Prater zu gelangen.

Linie L Richtung Praterstern in der Remise Rudolfsheim, 1950er Jahre
Linie L quert den Europaplatz Richtung 15. Bezirk, 1959
Linie L Richtung Schönbrunn Dreherpark überquert den Gürtel Richtung
Bezirk (links hinten Cafe Westend), um 1938 (Die Aufnahme muss unmittelbar nach der Umstellung auf Rechtsverkehr – 19.9.1938 – gemacht worden sein, Anm. von Karl H. – Vielen Dank!

Unglück beim Aufspringen

Die Kleine Volks-Zeitung berichtet im November 1928 von einem folgenschweren Unglück, als der 22-jährige Student Mustafa Schehabbedin „auf einen gegen Mariahilf fahrenden Straßenbahnzug der Linie L aufspringen [wollte]“. Er glitt ab „und kam unter die Schutzvorrichtung zu liegen. Man konnte ihn nicht anders befreien, als dadurch, daß man die Feuerwehr berief, die den Wagen hob. Die Rettungsgesellschaft stellte fest, daß der Student Wunden am linken Auge und an beiden Beinen und eine Quetschung im Sprunggelenk erlitten hat. Er wurde verbunden und in die Unfallstation gebracht.“

Nicht so viel Glück hatte hingegen hatte die 25-jährige Beamtin Therese Kutschera-Lechner, die im 10. Bezirk beim Versuch auf eine Straßenbahn aufzuspringen unter die Schutzvorrichtung geriet und mitgeschleift wurde. „Die Rettungsgesellschaft wurde berufen, doch war die Unglückliche bereits tot. Sie dürfte erstickt sein.“

1928-11-07 Kleine Volks-Zeitung_Linie L, ANNO

Endstation …

Am 11. Oktober 1959 erfuhren die Fahrgäste von entlang der Haltestellen angebrachten Informationstafeln, dass die Straßenbahnlinie L ab 12. Oktober “vorübergehend” eingestellt wird. An diesem Tag begann der Bau der Babenberger-Passage, damit die den Ring überquerenden Fußgänger*innen nicht mehr die Autofahrer*innen „behindern“ konnten.

Nach der Fertigstellung der Babenberger-Passage der Betrieb der Linie L nicht mehr aufgenommen. 

Was noch blieb …

An manchen Hauswänden befinden sich noch Oberleitungsbefestigungen für die Stromkabel der Straßenbahn. Sie sind stumme Zeuginnen für die Existenz der einst hier durchrauschenden Straßenbahn.

Ein OLB (Oberleitungsbefestigung, © Karl Zellhofer) der früher hier
verkehrenden Linie L (und auch 58) in der Winckelmannstraße, Foto 2008

Damit genug für heute:
Gehaben Sie sich wohl!
Ihre Brigitte Neichl

Quellen


Liebe Leserin, lieber Leser!

Ihnen fehlt etwas? Sie haben weiterführende Informationen?
Dann schreiben Sie doch einfach einen Kommentar. Nützliche Inhalte mit Quellenangabe bauen wir – mit Verweis auf Ihren Kommentar – gerne noch in den Text ein. Alternativ können Sie uns auch ein Mail an office@bm15.at schicken!

Oder wie es Anton Ziegler 1828 (*) so schön ausgedrückt hat:

Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

Sie möchten die Arbeit des Bezirksmuseums mit einer Spende unterstützen?

€ 10,- spenden
€ 20,- spenden
€ 50,- spenden

Gefällt Ihnen der Artikel? Dann teilen Sie ihn doch mit Ihren FreundInnen!

Schau mal, ich hab was Interessantes auf WIENfünfzehn gefunden!

Hier unsere neuesten Blogbeiträge zum Reinschmökern 😉

Jeden Montag finden Sie bei uns abwechselnd folgende Rubriken:

„Bild des Monats“
historische Schmankerln aus unserem Sammlungsbestand

„Bezirks(Museums)News & Oldies“
Neuigkeiten aus Gegenwart & Vergangenheit aus dem 15. Bezirk & dem Bezirksmuseum

„History & Crime“
Historische Kriminalfälle auf dem Gebiet des heutigen 15. Bezirks um 1900.

„Zitat des Monats“
Aussagen berühmter Persönlichkeiten (aus dem 15. Bezirk) u.a. zu den Themen „Zeit“, „Geschichte“, „Vergangenheit“, etc.

Jeden Donnerstag erwarten Sie abwechselnd folgende Beiträge:

„FAQ15“ 
„Renovierte“ (refurbde) Beiträge aus der Rubrik „Rubrik „FAQ15“

„Es war einmal“
Spannende Rudolfsheim-Fünfhauser Vorort-Geschichte(n)

Kennen Sie schon unseren Podcast „Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten“?

Seit Februar 2019 berichten wir über interessante Menschen und Themen aus Rudolfsheim-Fünfhaus.

Hören Sie doch mal rein 😉

#040 imgraetzl.at – Unterstützung und Vernetzung Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten

  1. #040 imgraetzl.at – Unterstützung und Vernetzung
  2. #039 Vergangenheit und Zukunft in Rudolfsheim-Fünfhaus
  3. #038 Darf's ein bisserl Crime sein?

Information – Unterstützung – Events

Das Team des Bezirksmuseums Rudolfsheim-Fünfhaus unterstützt Menschen dabei, ihr Wissen über die Geschichte des 15. Bezirks zu erweitern und sich über kulturelle und gesellschaftspolitische Themen zu informieren.

Das Museum nimmt auch seine Aufgabe als Kultur-Drehscheibe des Bezirks wahr und fördert die Begegnung und Vernetzung der BewohnerInnen durch Veranstaltungen und auch durch den Kultur-Podcast „Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten“ .

Der Eintritt ist frei. Alle MitarbeiterInnen sind ehrenamtlich tätig.

Sie möchten regelmäßig über die Aktivitäten des Museums informiert werden? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!

Hier finden Sie unsere aktuellen Veranstaltungen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus
Rosinagasse 4
1150 Wien
Mail: office@bm15.at
Web: www.museum15.at

Öffnungszeiten
Mo: 17.00-19.00
Fr: 15.30-17.30
(an Feiertagen, schulfreien Tagen und im Juli & August geschlossen)

#viellosimmuseum
#WIENfünfzehn
#dasVeranstaltungsmuseum
#mansiehtsichimmuseum

Ein Kommentar zu „#FAQ15/059 Wo fuhr denn die Linie L im 15. Bezirk?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s