Linke Wienzeile 274

Ein kurzer Ausschnitt einer langen Geschichte

Im 15. Wiener Gemeindebezirk Rudolfsheim-Fünfhaus befindet sich an der Linken Wienzeile 274 ein stattliches Haus – die Adresse der früheren Firma

Rechenmaschinen-Werk „Austria“ Herzstark und Co.

Hier wurde die weltberühmte Rechenmaschine CURTA von Curt Herzstark erfunden!

Gastartikel von R.E.D aus St. Gallen in der Schweiz
Betreiber der Seite https://curta.li

Curta Prototyp – Liechtensteinisches Landesmuseum Vaduz

Der Vater Samuel Jakob Herzstark gründete 1905 die Unternehmung Rechenmaschinen-Werk „Austria“ Herzstark und Co. Ab 1912 wurde die linke Hälfte des Gebäudekomplexes an der Linken Wienzeile 274 als Betriebs- und Geschäftsgebäude der Firma genutzt. Hier wurden die verschiedenen „Austria“ Rechenmaschinen entwickelt und hergestellt.

Der junge Curt Herzstark arbeitete nach seiner Ausbildung zum Maschineningenieur ab 1925 im elterlichen Betrieb. In den frühen dreißiger Jahren hatte er die Idee, eine kompakte Rechenmaschine zu entwickeln, die einfach zu bedienen war und überall mitgenommen werden konnte – also eine Art Taschenrechner!

Durch die politische Situation in Österreich änderte sich leider die Möglichkeit, eine solche Erfindung marktreif fertig zu entwickeln und zu produzieren. Es gelang Curt Herzstark jedoch einige Prototypen herzustellen und erste Patente anzumelden, die im April 1939 in Kraft traten.

Samuel Herzstark starb am 26. Oktober 1937, seine Frau Marie Herzstark übernahm die Leitung der Firma. Nach dem Anschluss Österreichs musste die Firma Rechenmaschinen-Werk „Austria“ ab 1938 Werkzeuge für die Wehrmacht herstellen, mehrheitlich präzise Messlehren – dies rettete die Firma vor der Schließung.

Herzstark Wien – Parallelendmass 50 e 7
Anzeige: Wer Baut Maschinen ? Ausgabe 1943 – Gruppe 15 – Büromaschinen

1943 wurde Curt Herzstark von der Gestapo unter falscher Anschuldigung verhaftet und ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert – Grund war die jüdische Herkunft der Familie Herzstark.

Curt Herzstark überlebt das Konzentrationslager Buchenwald, das von den Alliierten 1945 befreit wurde. Er gelangte auf Umwegen zurück nach Wien – zuvor baute er in der Firma Rheinmetall-Büromaschinen in Sömmerda die ersten Prototypen der Curta und konnte die Fabrikationszeichnungen erstellen.

Curta Type 1 – frühe Ausführung Dezember 1949 – Contina AG Mauren, Fürstentum Liechtenstein

Doch die Produktion der Curta Rechenmaschine begann nicht in Wien, da er lokal keine Geldgeber finden konnte. Auf der Suche nach Partnern und Investoren fand er schliesslich die liechtensteinische Fürstenfamilie, die den Aufbau der Firma Contina AG in Mauren (Liechtenstein) ermöglichte. In den folgenden Jahren wurde dieses technische Wunderwerk sehr schnell bekannt und in vielen Wirtschaftsbereichen eingesetzt.

Leider kamen sehr schnell Differenzen über die Geschäftsführung und Finanzierung der Firma Contina AG auf, so dass Curt Herzstark – auch gesundheitlich bedingt – sich aus der Firma 1952 zurückzog.

Curta Type 1 – frühe Ausführung Dezember 1949 – Innenansicht

Die Curta Rechenmaschinen wurden in zwei Ausführungen bis 1971 in einer Auflage von ca. 141.000 Exemplaren hergestellt. Heute sind die Curta Rechenmaschinen begehrte Sammlerobjekte.

Über die Geschichte in der Nachkriegszeit der Firma Herzstark und Co. ist wenig bekannt. Herzstark und Co. war ab 1955 (dokumentiert bis 1970…) Auslandsvertretung der Firma Carl Zeiss Jena – immer noch an der Linken Wienzeile 274.

Linke Wienzeile 274 – Ansicht Ecke Linke Wienzeile / Rauchfangkehrergasse (Juli 2019)

Quellen

https://curta.li
Liechtensteinsches Landesmuseum
Contina AG Mauren
Firma Rheinmetall
Carl Zeiss

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2 Kommentare zu „Linke Wienzeile 274

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