Das Kuckucksei der Adelsfamilie Auersperg 

Diesmal geht es in „History & Crime“ um den Adoptivgrafen Alexander Auersperg, eigentl. Riß, einem gewohnheitsmäßigen Betrüger und Hochstapler, wohnhaft in der Sechshauser Straße 98. Wir verfolgen seine Geschichte von 1930-1942.

Barbara Büchner recherchiert unermüdlich in Archiven, durchforstet dutzende Zeitungsartikel und trägt für Sie die spektakulärsten Fälle zusammen, die sich auf dem Gebiet des heutigen 15. Bezirks zugetragen haben oder von Personen handeln, die im heutigen Rudolfsheim-Fünfhaus wohnhaft oder beruflich (oder sonst wie) tätig waren.

INHALT

Die Millionengeschäfte des Grafen Alexander Auersperg

1930-03-28 „Die Stunde“ ANNO 

Auch heute noch belustigen uns gelegentlich Berichte in der Regenbogenpresse, wenn von – oft zwielichtigen – Personen die Rede ist, die durch Adoption hohe Adelstitel erlangten und dann als Herr oder Frau “von und zu” durchs Leben stolzierten. Den wirklich adeligen Familien ist das meist ungeheuer peinlich – besonders dann, wenn das Kuckucksei auch noch eindeutig schwer kriminell ist. So ging es vermutlich auch der Familie Auersperg, einer der ältesten und berühmtesten Adelsfamilien Österreichs, die einem Krainer Adelsgeschlecht (slowenisch Turjaški) im heutigen Slowenien entstammt  und bereits im Jahr 1220 erstmals erwähnt wurde. Österreichischer Uradel also. Quelle: Wikipedia, abgerufen am 2021-12-19 

Adelstitel waren 1930 in Österreich nach dem Gesetz bereits ungültig,  ja verboten, denn 1919 – nach dem ersten Weltkrieg – war das „Adelsaufhebungsgesetz“ in Kraft getreten. Das änderte in der Praxis allerdings nichts daran, dass ein klingender Titel immer noch Wirkung zeigte (auch wenn die Anrede dann etwas langatmig und kompliziert ausfiel). 

Das Wiener Salonblatt

1930-04-27 Wiener Salonblatt ANNO

Liest man die Fürstenhaus-Postille “Salonblatt” aus demselben Jahr 1930, so stellt man fest: Entweder ignorierte man das Adelsaufhebungsgesetz überhaupt, oder es wurde kurzerhand das “von” weggelassen, die Berichte über die Hoheiten blieben dieselben. Siehe Bild einer Hildegard Freifrau von und zu Goldegg-Goldegg und Lindenburg, geb. Reichsgräfin von Attems-Heiligenkreuz, die eigentlich nur mehr Frau Hildegard Goldegg heißen hätte dürfen. 

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Biete Grafentitel gegen finanzielle Unterstützung

Unglücklicherweise heißt “Titel” nicht automatisch auch “Reichtum”, und so kam es, dass die völlig verarmte 66jährige Gräfin Gabriele von Auersperg dringend nach einem Geldgeber suchte. “Biete Grafentitel gegen finanzielle Unterstützung” – war das nicht ein ausgezeichneter Plan, der ihr ein sorgloses Alter versprach? Allerdings war die Gräfin nicht nur arm, sondern auch ziemlich naiv, sodass sie prompt auf einen 26jährigen Gauner namens Alexander Kiß (auch: Kitz, Kis oder Kisch geschrieben) reinfiel.  

1931-07-24 „Die Stunde“ ANNO

Transkript 

Der Grafentitel zieht noch immer. – Die Hochstapeleien des adoptierten Grafen Kiß-Auersperg. Die 66jährige Witwe (Gräfin) Gabriele Auersperg hatte ihr ganzes Vermögen verloren, es blieb ihr nichts anderes als ihr Name von Klang, ihr Adelstitel, den die Republik zwar nicht anerkennt, der aber immer noch eine gewisse Anziehungskraft besitzt. Das wusste sie und als sie mit banger Hoffnungslosigkeit in die Zukunft blickte und nur das Nichts vor sich sah, da entschloss sie sich, das Letzte, was ihr verblieben war, ihren abgeschafften Grafentitel, in irdische Güter umzusetzen. 

Also gab sie eine Annonce auf, sie suche einen Adoptivsohn. An den richtigen ist sie nicht geraten, das muss man sagen. Herr Alexander Kiß meldete sich auf die Annonce, ein junger, eben abgebauter Bankbeamter, der ebenso wenig wie die alte Gräfin besaß, dafür aber jung war und voller Hoffnungen. Wenn er auch der alten Gräfin momentan nichts zu bieten vermöchte, so könne er ihr doch das eine versprechen, sie zur Mitgenießerin der Karriere zu machen, auf die er nun als frischgebackener Graf in der Republik Aussicht habe. Der abgebaute Bankbeamte Alexander Kiß wurde nun über Nacht Aristokrat. Und er ging daran, einen wirklichen Aristokraten aus sich zu machen. 

Transkript Ende 

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Die naive Gräfin

Als „Anzahlung“ auf den zu erwartenden Reichtum gab er der alten Frau 1000 Schilling. Laut Historischem Währungsumrechner, abgerufen am 2022-01-25, entsprechen tausend Schilling im Jahr 1930 heute einer Kaufkraft von rund 3600 Euro. Ein schönes Sümmchen für die alte Dame, aber dieser Tausender war auch das Einzige, was er ihr jemals gab.  Dafür verstrickte er sie immer mehr in kriminelle Machenschaften, bis die alte Gräfin, die nicht wusste, wie ihr geschah, auf einmal als Mitangeklagte vor Gericht stand, und zwar bei schwerwiegenden Verbrechen.  

Dass sie nicht ins Gefängnis musste, verdankte sie nur der Einschätzung des Gerichts, dass sie nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Machenschaften ihres Adoptivsohnes zu durchschauen. Wie die Zeitung „Die Stunde“ anlässlich eines der häufigen Prozesse gegen ihn berichtet: 

1931-07-24 „Die Stunde“ ANNO

Transkript 

“Gegen die alte Gräfin, die in manchen Fällen durch ihre Anwesenheit und ihr Schweigen, in einigen Fällen sogar durch die Übernahme einer Haftung für ihren Adoptivsohn sich objektiv mitschuldig an den Betrügereien desselben gemacht hatte, unternahm die Staatsanwaltschaft nichts, weil sie durch vorgeschrittene Altersschwäche ihrer Urteilskraft soweit beraubt ist, dass sie, wie die Staatsanwaltschaft meint, sich nicht einmal dessen bewusst ist, einem Hochstapler aufgesessen zu sein.” 

Transkript Ende 

Anmerkung: Das soll einmal heute ein/e Angeklagte/r versuchen, sich im Alter von 66 Jahren auf „vorgeschrittene Altersschwäche“ auszureden … so ändern sich die Zeiten! 

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Betrügereien eines Hochstaplers

Zurück zu Kiß. Dieser, früher Bankbeamter (oder Bürodiener) und dann Angestellter einer Seidenfirma, war arbeitslos. Immerhin hatte er fixe Pläne für die Zukunft: Er wollte als „Alexander Gustav Graf Auersperg“ das große Geld machen, wobei er von vornherein entschlossen war, das auf kriminelle Weise als Hochstapler zu tun. 

1930-12-12 Neues Wiener Journal, ANNO

Transkript 

Betrügereien eines Hochstaplers. – Streiche des Adoptivgrafen Gustav Auersperg. (Originalbericht des “Neuen Wiener Journals”. Am Beginn einer Hochstaplerlaufbahn steht der 26jährige Alexander Gustav Graf Auersperg, Sechshauserstraße 98 wohnhaft, der am 10. d.M. wegen mehrfacher Betrügereien und Betrugsversuche vom Polizeikommissariat Rudolfsheim verhaftet wurde. Kiß war früher Bankbeamter, ist aber abgebaut worden und trat dann bei einer Seidenfirma ein. Den Posten verlor er infolge Erkrankung. Im vorigen Jahr las er ein Inserat in der Zeitung, wonach eine Gräfin Gabriele Auersperg, eine Dame von 66 Jahren, um ihre Lage zu verbessen, jemand adoptieren wollte. Kiß meldete sich, versprach der Dame, wie ein Sohn für sie zu sorgen, und sie adoptierte ihn tatsächlich. Seither nannte er sich “Alexander Gustav Graf Auersperg”. Tun konnte er für die Adoptivmutter, da er seine Stellung verloren hatte, nichts, aber der Adelstitel war ihm zu Kopf gestiegen  und er nutzte ihn zu einer Reihe von Betrügereien aus. 

Transkript Ende 

Wohnort des hochstaplerischen Adoptivgrafen, Sechshauser Straße 98, Plan: wien.gv.at

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„von oben herab“

Wie das Blatt weiter berichtet, erschien er in einem vornehmen Wiener Stadthotel in einem Auto mit Chauffeur, Sekretär und Kammerdiener, wobei er “sehr von oben herab sprach”. Allerdings war das Auto geliehen, und als er es nach den vereinbarten drei Tagen Probefahrt weder zurückgab noch bezahlte und der zornige Autoverleiher ihn suchte, verschwand er aus dem Hotel – selbstverständlich, ohne die Rechnung zu begleichen. Der “Kammerdiener” war übrigens ein Automechaniker, dem er hundert Schilling monatlich für seine Rolle versprochen hatte. 

Es war der Anfang der Laufbahn eines Berufsverbrechers. Der falsche Graf begnügte sich nicht mit kleinen Fischen; bei seinen Betrügereien ging es um gewaltige Summen. Offenbar hatte er das nötige überzeugende Auftreten, auch reiche Leute und die Direktoren großer Konzerne aufs Eis zu führen. Allerdings wurde er allmählich derartig größenwahnsinnig, dass immer mehr ausgewählte Opfer Verdacht schöpften.  Es wäre ermüdend, alle seine kriminellen Taten einzeln aufzuzählen, wir beschränken uns auf einen Absatz in der “Arbeiter-Zeitung”: 

Präsident der exotischen Handelskammer

1930-12-12 „Arbeiter-Zeitung“ ANNO 

Transkript 

Kiß scheint aber die Gaunereien ganz großzügig geplant zu haben, was aus den Beziehungen, die er anknüpfte, und aus großen Bestellungen hervorgeht, die er in verschiedenen Geschäften machte. Unter anderem versuchte er, bei einer Kreditgenossenschaft wiederholt Kredite auf seine angeblichen Güter in Berlin und München zu erhalten. Man fand unter des Kiß´ Papieren auch ein Gedächtnisprotokoll, in dem sich “Graf Auersperg” bereit erklärte, einer großen Filmgesellschaft in Berlin ein Darlehen von hunderttausend Reichsmark zu gewähren. In den verschiedensten Gegenden hat er Hotelschulden hinterlassen. Der Gräfin, die ihn adoptiert hat, hat Kiß eingeredet, dass er als Präsident der exotischen Handelskammer einen Vorschuss auf seine Bezüge in Höhe von zehntausend bis dreißigtausend Schilling erhalte. 

Transkript Ende 

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Gefasst wegen Zechprellerei

Zuletzt waren es aber doch die „kleinen Fische“, über die er stolperte: Dass er schließlich verhaftet wurde, geschah nicht wegen seiner phantastischen Schwindeleien, sondern wegen Zechprellerei in der Höhe von einigen hundert Schilling. 

Am 10. November 1931 stand der Adoptivgraf dann, nachdem sein Prozess erst einmal vertagt worden war, vor Gericht, wo er auch den Richter zu beschwatzen suchte: Er hätte nicht die Absicht gehabt, jemand zu schädigen, da er demnächst sehr reich sein würde und alles bezahlen könne … Der Richter, “der nicht wusste, ob man sich aufregen oder lachen sollte”, verurteilte das kriminelle Gräflein zu fünfzehn Monaten schweren Kerkers. 

Und haben gräfliche Hoheit sich durch die Strafe gebessert? Leider nein. In der Folge wurde er nicht weniger als vier Mal wegen Betrügereien verurteilt. 1937 hören wir wieder einmal ausführlicher von ihm, diesmal als (unter anderem) Drahtzieher eines betrügerischen Geschäftes mit steirischem Obst, das er zusammen mit einem alten Häfenkumpel durchzog: 

Kompagnons zum Obsthandel

1937-05-09 Kleine Volkszeitung, ANNO

Transkript

Kompagnons
zum Obsthandel.

Die Polizei hat einem unter Mithilfe des abgestraften Hochstaplers Auersperg-Riß arbeitenden
Betrügerkonsortium auf dem Naschmarkt
das Handwerk gelegt. Man berichtet und hierüber: Der ehemalige Bankbeamte Alexander Auersperg-Riß, Sechshauserstraße 98, der sich seinerzeit von der verarmten Gräfin Gabriele Auersperg adoptieren ließ und dann den Namen dazu benützte, Betrügereien zu verüben, stand in der letzten Zeit mit Betrügern in Verbind, (…)

Transkript Ende

Am 30. Oktober 1937 ist der Unverbesserliche der Zeitung “Die Stunde” nur mehr eine Randnotiz wert: 

1937-10-30 Die Stunde, ANNO

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Das Ende der Karriere

Im Jahr 1942 allerdings endete die unrühmliche Karriere des Adoptivgrafen. Als er mit der Fälschung von Raucherkarten reich zu werden versuchte, wurde er wieder verhaftet, und diesmal kam es knüppeldick. Was er nicht bedacht (oder in seinem Dünkel ignoriert hatte) war die Tatsache, dass er als Gewohnheitsverbrecher im Dritten Reich mit weitaus härterer Strafe rechnen musste als ein paar Monaten Stein. Den Begriff „Gewohnheitsverbrecher“ bzw. „Berufsverbrecher“ führten Kriminalisten in den 1920er Jahren für Wiederholungstäter ein. Ihm lag die These zugrunde, dass Wiederholungstäter das Verbrechen als Beruf ausübten, dass sie dabei ein „professionelles und „perseverantes (Anm.: hartnäckiges) Vorgehen“ an den Tag legten und die Begehung von Verbrechen aus „reiner Gewinnsucht“ erfolgte – lauter Punkte, die auf den Adoptivgrafen zutrafen. 


Zitat Wikipedia (gekürzt), abgerufen am 2022-01-26 

Am 24. November 1933 erging das Gesetz gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher und über Maßregeln der Sicherung und Besserung (RGBl. I 995). Darin war eine zeitlich unbefristete Sicherungsverwahrung vorgesehen, die durch ein Gericht ausgesprochen und in regulären Strafanstalten vollzogen werden konnte.[2] 

Zur Kriminalprävention diente ein „Vorbeugungshafterlass“ vom 13. November 1933. Definiert war darin als Berufsverbrecher, wer innerhalb von fünf Jahren mindestens drei Mal wegen eines aus Gewinnsucht begangenen Delikts jeweils zu mindestens sechsmonatiger Freiheitsstrafe verurteilt worden war.[3] 

Bis Februar 1934 waren 525 Vorbeugehäftlinge im KZ Lichtenburg eingesperrt, später wurden „Berufsverbrecher“ dann ins KZ Esterwegen und ins KZ Sachsenhausen eingewiesen.[4] Heinrich Himmler ordnete im Februar 1937 an, zweitausend nicht in festen Arbeitsverhältnissen beschäftigte „Berufs- und Gewohnheitsverbrecher“ festzunehmen. Diese Aktion wurde im März 1937 durchgeführt.[5] 

Zitat Ende 

Die amtierenden Sondergerichte wurden vor allem als Teil der NS-Justizverbrechen bekannt, bei denen sie durch die massenhafte Verhängung von Todesstrafen bzw. langjährigen Zuchthausstrafen oder Inhaftierung in Konzentrationslagern wegen meist geringfügiger Delikte berüchtigt waren. Den Adoptivgrafen freilich kann man wohl mit gutem Recht als „professionellen und perseveranten Gewohnheitsverbrecher“ bezeichnen : 

1942-12-09 Das kleine Volksblatt, ANNO

Zitat Wikipedia: 

“Das Verfahren vor den Sondergerichten stand unter der Maxime äußerster Schnelligkeit. Dem dienten die Abschaffung der in der Strafjustiz aus rechtsstaatlichen Gründen eingeführten Voruntersuchung und des Eröffnungsbeschlusses und die Abkürzung der Ladungsfrist auf 24 Stunden. Später konnte sogar auf der Stelle gegen den Festgenommenen verhandelt werden. Der Vorsitzende des Gerichts konnte selbst gegen den Beschuldigten Haftbefehl erlassen. Später wurde sogar die Beschwerdemöglichkeit gegen diese Entscheidung abgeschafft. Das Sondergericht hatte freies Ermessen, ob und welche Beweise es zum Nachweis des Tatvorwurfs erheben wollte. Der Verurteilte hatte gegen das Urteil keine Rechtsmittelmöglichkeit. Nur die Staatsanwaltschaft konnte die so genannte Nichtigkeitsbeschwerde einlegen, was jedoch fast immer nur zu Ungunsten des Verurteilten erfolgte. ( …) Die Verordnung gegen Volksschädlinge, gemeinhin als Volksschädlingsverordnung (VVO) bezeichnet, wurde vier Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs am 5. September 1939 erlassen und sollte der Justiz des nationalsozialistischen Deutschland ein wirksames Instrument zum Schutz der „inneren Front“ zur Verfügung stellen. Die einzelnen Tatbestände und Strafrahmen waren hierbei bewusst äußerst weit gefasst, so dass auch für sehr geringfügige Taten die Todesstrafe verhängt werden konnte. (…) Maßgeblich für eine Verurteilung aufgrund der Volksschädlingsverordnung war hiernach die richterliche Entscheidung darüber, ob eine Person dem Typus des „Volksschädlings“ entspricht. 

Reichsgesetzblatt: „Verordnung gegen Volksschädlinge. Vom 5. September 1939.“ 

Inhaltsverzeichnis” 

Zitat Ende 

Als unverbesserlicher Gewohnheitsverbrecher fiel der Adoptivgraf natürlich unter die Definition “Volksschädling”, und obwohl wir nichts mehr von ihm hören, ist sehr zu befürchten, dass er ein böses Ende nahm. 

Bundesarchiv, Bild 146-1993-051-07 / Unknown author / CC-BY-SA 3.0, Bundesarchiv Bild 146-1993-051-07, Tafel mit KZ-Kennzeichen (Winkel)CC BY-SA 3.0 DE,Wikipedia , abgerufen am 2022-01-26

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Nachtrag /Ergänzungen von Brigitte M.

Über den oben genannten Prozess 1942 gibt es weitere Zeitungsberichte, die noch ein wenig mehr Auskunft über die Vorgehensweise einerseits, wie der Schwindler seine Opfer täuschte bzw. auch seine „Grafengewohnheiten“, die er pflegte, also die Wohn-Adresse in Schloß Weidlingau, der Einkauf in den besten Häusern, also bei Knize in Wien, bei Bata in Prag und anderen und die Treffen im Hotel Gellert in Budapest.

Der Adoptivgraf konnte sich zwar nicht dem Gefängnis, aber einer KZ-Haft entziehen. Kurz nach Kriegsende wurde er begnadigt, trieb aber schnell wieder sein Unwesen. Warum sich nach 1946 nichts mehr über ihn finden lässt, hat folgende Gründe: Er änderte zweimal seinen Namen. Als Dr. Schneider dürfte er sich selbst als Widerstandskämpfer inszeniert haben, als Hugo Grossmann dürfte er weitere Delikte, wieder mit Geldveruntreuung begangen haben.

Vielen Dank an unsere aufmerksame Leserin Brigitte M. für Ihre interessanten und wertvollen Ergänzungen!

meine meinung

Man ist geneigt, über die einfältige alte Gräfin zu lachen, aber wie vielen alten Menschen drückt auch heute noch die Angst das Herz ab: Wer wird für mich sorgen, wenn ich selber nicht mehr kann? Wer wird “wie ein Sohn”, wie eine Tochter“ für mich da sein? Wer wird mich noch liebhaben, wenn ich klapprig und tollpatschig und vielleicht auch ein bisschen schrullig geworden bin? Und das ist eine Angst, die einem auch eine gut funktionierende Sozialfürsorge nicht nehmen kann. Kein Wunder, dass immer noch alte Menschen auf kriminelle “Ersatzkinder” hineinfallen – auch wenn es keinen Grafentitel, sondern nur ein Schrebergartenhäusl und ein Sparbuch zu erschwindeln gibt. 

Quellen 

  • ANNO 
  • “Die Stunde” 1930-03-28 
  • “Die Stunde” 1931-07-24 
  • “Neues Wiener Journal” 1930-03-28 
  • “Arbeiter-Zeitung” 1930-12-12 
  • “Kleine Volkszeitung”, 1935-05-09 
  • “Die Stunde” 1937-10-30 
  • “Das kleine Volksblatt” 1942-12-09 
  • Wikipedia 

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(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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