Barbara Bosch (Badhaus-Besitzerin): „Prompte Bedienung und billige Preise“

Wie gewohnt finden Sie hier am 4. Montag des Monats das „Zitat des Monats“. Diesmal geht es um die Bewerbung eines neu eröffneten Badhauses – dem ersten im heutige Rudolfsheim-Fünfhaus – durch dessen Betreiberin Barbara Bosch im Jahr 1820.

Unser Zitat des Monats stammt diesmal von Barbara Bosch, die in einem Inserat ihr neues Badhaus in Sechshaus Nr. 1 bewirbt.

Zitat des Monats März 2022_Barbara Bosch, Badhausbesitzerin

Da schon die Lage dieses Bades für die zahlreichen Bewohner der dießfälligen Umgebungen sehr einladend ist, und sie sich befleißen wird, durch prompte Bedienung und billige Preise allgemeine Zufriedenheit zu erwerben. (Barbara Bosch, Badhaus-Besitzerin)

INHALT

1. Bad im heutigen Rudolfsheim-Fünfhaus

Im April 1820 eröffnete Barbara Bosch in Sechshaus Nr. 1 ein „Reinigungs=Bad“.

1820-04-22 Wiener Zeitung S. 11_Sechshauser Bad, ANNO

Transkript
Neu eröffnetes Reinigungs=Bad in Sechshaus
Unterfertigte wird mit obrigkeitlicher Bewilligung in dem Hause Nr. 1 in Sechshaus nächst der kleinen oder sogenannten neuen Linie, ihr mit aller Bequemlichkeit hergestelltes Reinigungsbad am 1. May d. J. eröffnen. Da schon die Lage dieses Bades für die zahlreichen Bewohner der dießfälligen Umgebung sehr einladend ist, und sie sich befleißigen wird, durch prompte Bedienung und billige Preise allgemeine Zufriedenheit zu erwerben; so schmeichelt sie sich eines zahlreichen Zuspruches.
Barbara Bosch
Inhaberin des Sechshauser=Bades.
Transkript Ende

„Für Dürftige werden (…) werden täglich bis 6 Bäder unentgeltlich bereitet.“

Am 5. April 1822 inseriert Barbara Bosch die Wieder-Eröffnung ihres Sechshauser Bades. Bemerkenswert ist die Information, dass „(…) Dürftige, die sich mit Krankheits= und Armutszeugnissen gehörig auszuweisen vermögen, (…) täglich bis 6 Bäder unentgeltlich bereitet (werden).“ Also gab es bereits 1822 „Kontingentplätze“ für sozial schwache Personen.

Auch Wohnungen für Badegäste wurden „über Sommer“ oder „monathweise“ angeboten.

1822-04-05 Wiener Zeitung, S. 6_Sechshauser Bad, ANNO

Chemisch untersuchtes Heil= oder Gesundheits=Bad

Ebenfalls 1822 ließ Barbara Bosch das Wasser ihres Sechshauser=Bades „an der Gumpendorfer=, oder sogenannten kleinen Linie Nr. 1 zu Sechshaus“ von „Doctor der Medizin und Philosophie Baltasar Leschak“ chemisch untersuchen.

1823-04-28 Wiener Zeitung_Sechshauser Bad, ANNO

Transkript (Auszug)
Die Unterzeichnete schmeichelte sich demnach dieses ihr chemisch untersuchtes Heil= oder Gesundheitsbad, werde das gütige Vertrauen eines hohen Adels und geehrten Publicums durch seine heilsame Wirkung auf den Gesundheitszustand sattsam rechtfertigen. Da dieses Bad auch übrigens bisher sowohl seiner geringen Entfernung von Wien wegen, als seiner angenehmen Lage wegen sich empfahl, so verspricht sich die Unterzeichnete in diesem Jahre um so mehr einen geneigten zahlreichen Zuspruch, als sie keine Kosten scheuend, das Badhaus auch in Bauhinsicht vielfältig verschönerte, um auch in dieser Hinsicht volle Zufriedenheit der P.T. (1) Badgäste zu verdienen. Ueber schnelle Bedienung, Reinlichkeit der Zimmer und Wäsche, wird die Unterzeichnete bestens machen.  
Preise: 1 Bad 45 kr. (2) (umgerechnet etwa € 10.-), ein Bad sammt Wäsche 1 fl. (3) (umgerechnet etwa € 21.-), 1 Extrazimmer 1 fl. 30 kr. (umgerechnet etwa € 28.-). 
Barbara Bosch 
Transkript Ende

(1) Pleno titulo: bei der Ansprache von Personen mit unbekanntem Titel die Nennung des Titels ersetzend 
(2) kr. = Kreuzer 
(3) fl. = [(Florentiner) Gulden, lat. florenus aureus] 

Barbara Bosch im Haus Numero 1 in Sechshaus (1828)

1828 Wien’s nächste Umgebungen. An den Linien / herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez. Wien : Haykul, Sechshaus, Barbara Bosch, Wienbibliothek

Das Sechshauser=Bad nächst der Gumpendorfer Linie (1828)

1828 Wien’s nächste Umgebungen. An den Linien / herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez. Wien : Haykul, Plan, Wienbibliothek

Johann Bosch (Sohn von Barbara Bosch?)

Über Barbara Bosch konnten wir bis jetzt noch nicht sehr viel herausfinden. 1837 scheint jedenfalls ein Johann Bosch in Anton Zieglers „Wegweiser in den Ortschafften“ auf. Man kann annehmen, dass sich Barbara Bosch um 1837 aus dem Betrieb zurückgezogen hat oder verstorben ist. Johann Bosch ist möglicherweise ihr Sohn.

1837 Ziegler Wegweiser in den Ortschaften, S. 25, Sechshaus, Johann Bosch_Wienbibliothek

Auch 1837 ist das „Badhaus“ noch im Plan von Anton Ziegler verzeichnet.

Wegweiser, in den Ortschaften 1837, Häuser-Schema der kaiserl. königl. Haupt- und Residenzstadt Wien, Wienbibliothek

Wenn Sie weitere Informationen zur Badhaus-Besitzerin Barbara Bosch haben, freuen wir uns über Ihre Rückmeldung unter office@bm15.at

Georg Wolf

Ab 1839 scheint als Besitzer des „Mineralbades an der Gumpendorfer=Linie“ ein Georg Wolf auf. Er hatte die Konzession am 18.12.1838 von Johann Bosch übernommen.

Joseph Gfrorner

Ab 1847 führte Joseph Gfrorner (1808-1887) das Sechshauser Bad, das er (etwa ab 1851) in Marien-Bad umbenannte. Im Volksmund wurde es auch Gfrorner-Bad genannt.

1881 wurde das Wasserbezugsrecht „eingelöst“ – Gfrorner war zu diesem Zeitpunkt 73 Jahre alt. Ob er das Marien-Bad zu diesem Zeitpunkt noch selbst geführt hat, ist dzt. nicht bekannt. Bis jetzt haben wir zwei Söhne recherchiert. Einer davon, Anton Gfrorner, war mindestens seit 1874 in Amerika als Journalist tätig. Der andere – der Name ist leider nicht bekannt – hat 1875 einen Jagdunfall erlitten, bei dem er sich an beiden Händen verletzte.

1887 stirbt Joseph Gfrorner, 1892 wurde die Vororte nach Wien eingemeindet, 1894 wurde mit der Abtragung des Linienwalles begonnen, ein Jahr später begann der Bau der Stadtbahn.

Das Marien-Bad wird Geschichte …

Etwa um diese Zeit wurde auch das Haus Nr. 1 in Sechshaus (heutige Sechshauser Straße) abgetragen (die folgenden Häuser wurden daraufhin neu nummeriert). Würde das Bad heute noch bestehen, stünde es mitten auf der Gürtelfahrbahn.

Plan 2022: Hier etwa würde sich heute das Sechshauser-Bad / Marien-Bad / Gfrorner-Bad befinden, wien.gv.at

Mehr zur Geschichte des 1. Bades in Sechshaus (und dem heutigen Rudolfsheim-Fünfhaus) folgt demnächst.

Hier noch eine kurze Zusammenfassung der Geschichte des Sechshauser Bades / Marien-Bades / Gfrornerbades:

1803 Elisabeth Göpplin / Hausbesitzerin
1820 Barbara Bosch / Reinigungs=Bad, ab 1822 Sechshauser Bad
1837 Johann Bosch
1839 Georg Wolf / Mineralbad in Sechshaus an der Gumpendorfer=Linie, ab 18.12.1838, Eröffnung: 1.5.1839
1847 Joseph Gforner (20.12.1808-27.9.1887) seit 1.5.1847 / ab 1851: Marien=Bad
1881 „Einlösung“ des Wasserbezugsrechtes für die Badeanstalt Marienbad
1887 Joseph Gfrorner stirbt
1892 Eingemeindung der Vororte
1894 Beginn der Abtragung des Linienwalles
1895 Beginn des Baues der Stadtbahn
1901 Der letzte Rest vom Linienwall wird bei der ehemalige Lerchenfelder Linie abgetragen

Verstand, Herz und gute Laune

Der Untertitel unseres Blogs lautet „DER KulturBlog aus Wien Rudolfsheim-Fünfhaus für Verstand, Herz und gute Laune, bei dem es um Menschen & Themen aus dem 15. Wiener Gemeindebezirk in Vergangenheit und Gegenwart geht.“

Den Zusatz „für Verstand, Herz und gute Laune“ gibt es seit 27.6.2021. Er ist eine Hommage an die Zeitschrift „Oesterreichisches Bürgerblatt für Verstand, Herz und gute Laune“, die von 1819-1857 (vom 6.1.1819-1819-29.7.1835 unter diesem Titel, dann in Variationen) im Verlag Friedrich Eurich erschien.

Wir identifizieren uns nicht mit der Ausrichtung dieser Zeitschrift. Diese drei Worte haben uns aber angesprochen, weil sie sehr anschaulich das ausdrücken, wofür wir stehen und weil die Kombination einfach genial ist 😉

Wir sind ständig bestrebt, unser Wissen über die Geschichte des 15. Bezirks zu erweitern und möchten diese Erkenntnisse auch an Sie als Leserinnen und Leser dieses Blogs weitergeben (Verstand) und wir berichten hauptsächlich über jene Menschen, die sonst keine Stimme hatten, wir möchten sie und ihr Leben sichtbar machen (Herz). Aber selbstverständlich soll auch der Humor nicht kurz kommen, denn er erleichtert das Leben und auf diesem Wege lässt sich auch sehr viel an Wissen transportieren (gute Laune).

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ihnen fehlt etwas? Sie haben weiterführende Informationen?
Dann schreiben Sie doch einfach einen Kommentar. Nützliche Inhalte mit Quellenangabe bauen wir – mit Verweis auf Ihren Kommentar – gerne noch in den Text ein. Alternativ können Sie uns auch ein Mail an office@bm15.at schicken!

Oder wie es Anton Ziegler 1828 (*) so schön ausgedrückt hat:

Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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Schau mal, ich hab was Interessantes auf WIENfünfzehn gefunden!

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