Polizeirevier 101 am Friedrichsplatz 1

Das „Bild des Monats“ zeigt diesmal eine Polizei-Wachstube, die sich von 1942 bis (etwa) in die 1970er-Jahre am Friedrichsplatz 1 im Amtshaus des 15. Bezirks befand.

Von der Gasgasse auf den Friedrichsplatz

Während der NS-Zeit wurde das „101. Polizeirevier“ 1941 von der Gasgasse 8 auf den Friedrichsplatz 1 verlegt (beide Adressen befinden sich im Amtshaus).

1941-01-05 Illustrirte Kronenzeitung, ANNO
1942 Lehmann allgemeiner Wohnungs-Anzeiger, Wienbibliothek

Dort bestand die Polizei-Wachstube – wie unser Bild des Monats zeigt – bis in die 1970er-Jahre.

„Polizeirevier 101“ Friedrichsplatz 1, Ecke Staglgasse – 1970er Jahre (Sammlung BM 15)
Friedrichsplatz 1 – Hier befand sich von 1942 bis in die 1970er-Jahre eine Polizei-Wachstube, Foto_ BM 15_Brigitte Neichl, 2022
Friedrichsplatz 1 – Hier befand sich von 1942 bis in die 1970er-Jahre eine Polizei-Wachstube, Plan: wien.gv.at
„Polizeirevier 101“ Friedrichsplatz 1 – 1970er Jahre (Sammlung BM 15) und 2022 (BM 15_Brigitte Neichl, 2022)

VW-Käfer – DER Streifenwagen der Polizei

Zum Straßenbild der frühen 1950er Jahre gehörten neben den Marken Steyr 380 und Opel Blitz der VW-Käfer mit Planendach und vier Türen. Der dunkelgrüne VW-Käfer der Polizei war über viele Jahre „der Streifenwagen“. Das Ende der Käfer begann Mitte der 1970er Jahre, als diese nach und nach von weißen VW Golfs abgelöst wurden. (Mehr zur Motorisierung der Polizei finden Sie hier: Öffentliche Sicherheit 7-8/10)

Wissen Sie mehr über die Geschichte des VW-Käfers als Polizeiauto?

Dann freuen wir uns über Ihre Rückmeldung unter office@bm15.at

In eine Straßenbahn gelaufen

Die Kleine Volkszeitung berichtet am 29.8.1941 von einem Straßenbahnunfall auf der Mariahilfer Straße mit der Linie 58. Der Verletzte wurde nach „ärztlicher Hilfeleistung“ auf das „101. Polizei-Revier“ gebracht.

1941-08-29 Kleine Volkszeitung, ANNO

Transkript

In eine Straßenbahn gelaufen
Auf der Mariahilfer Straße in Rudolfsheim ist gestern morgen aus eigenem Verschulden der 56jährige Konservenmeister Rudolf Dworak, Denglergasse 14, beim Uebersetzen der Fahrbahn gegen einen herankommenden Straßenbahnzug der Linie 58 geraten, wurde erfaßt und zu Boden geschleudert. Der Verletzte wurde nach ärztlicher Hilfeleistung mit einer Verletzung auf der Stirn und des rechten Ellbogens auf das 101. Polizeirevier gebracht.

Transkript Ende

Polizeikommissariate im heutigen 15. Bezirk

Bis 1848 war die die Polizei-Bezirksdirektion in Mariahilf, Schiffgasse Nr. 153 für den Vorort Fünfhaus zuständig.

Fünfhaus 87 / Herklotzgasse 25: Vom Gemeindekotter zum Wohnhaus

Poilzeikommissariate waren oft in den sogenannten Gemeindehäusern untergebracht. Das Gemeindehaus von Fünfhaus befand sich in Fünfhaus Nr. 87, in der Schulgasse (heute Herklotzgasse 25).

1828 Ziegler

Ab den 1860er-Jahren bis zum Abbruch des Hauses, befanden sich in dem kleinen Häuschen u.a. ein Gasthaus (1894-Cäcilie Merksbauer, Magdalena Riegel; und ein Lebzelter (1900-Leopold Pascul). (Quelle: Amtsblatt der Stadt Wien, Lehmanns Wohnungs-Anzeiger, Wienbibliothek)

1904 wurde das ehemalige Gemeindehaus von Fünfhaus – erbaut 1795 – abgerissen. Da das Gebäude bereits bei Ziegler 1828 als Gemeindehaus geführt wird, nehme ich an, dass es auch schon im Besitz der Gemeinde war und nicht erst – wie im Zeitungsausschnitt unten erwähnt – 1838 erworben wurde. Möglicherweise ein Schreibfehler – sowas soll vorkommen …

1904-05-15 Neues Wiener Journal, ANNO

Der Häuserkataster von 1905 verrät, dass bereits an einem Neubau gearbeitet wird.

1905 Häuserkataster Lenobel S. 363, Fußnote 6, Wienbibliothek

Dieser Neubau von 1905 besteht auch heute noch.

Herklotzgasse 25, Neubau von 1906 vor der Renovierung 2002. An der Fassade sind noch die Schriftzüge „Lebensmittel“ und „Milch“ zu erkennen, Foto: Sammlung BM 15
Herklotzgasse 25 nach der Renovierung. Nichts erinnert mehr an das einstige Lebensmittelgeschäft, Foto: BM 15_Brigitte Neichl, 2020

Neues Gemeindehaus für Fünfhaus – Fünfhaus 238 / Viktoriagasse 2

Ab den 1860er-Jahren befand sich das Gemeindehaus von Fünfhaus in der Viktoriagasse 2 Ecke Rosinagasse (schräg gegenüber vom heutigen Amtshaus).

1862 Hackl Gemeindeschema, Gemeindehaus Fünfhaus, Ge.G. = Gemeindegasse (seit 1864 Rosinagasse); Q. G. = Quergasse (seit 1864 Viktoriagasse)

Das Gebäude wurde 1853 errichtet und beherbergte neben den Amtsräumen auch eine Volksschule. Mehr zur Schule Viktoriagasse hier.

Plan 1862, BM 15

Ziegelofengasse = Lichtgasse
Gemeindegasse = Rosinagasse
Quergasse = Viktoriagasse
Feldgasse = Sperrgasse

Übersiedlung ins neu errichtete Fünfhauser Rathaus (heute Amtshaus von Rudolfsheim-Fünfhaus)

1882-1884 wurde unter Bürgermeister Adolf Friedrich für die Vorortgemeinde Fünfhaus ein neues Rathaus erbaut.

Für die Planung waren zwei Architekten zuständig: Gustav Matthies und Alois Schumacher, Matthies ist insofern interessant, als er vor allem für Schulbauten bekannt ist. Es mag uns also nicht überraschen, da er gleichzeitig auch die Schule am Friedrichsplatz erbaute, dass er gegenüber ein Rathaus erbaute, dass in mancher Hinsicht als Gegenstück zur Schule gesehen werden kann.

Es handelt sich um eine Anlage mit mehreren Innenhöfen. Vorbilder waren Barock und Renaissance. Die Fassade ist eine Mischung aus beiden Zeitstilen.

1882-01-12 Die Presse, ANNO
Plan 1885, BM 15

1 Braugasse = seit 1894 Staglgasse
2 Bräuhausgasse = seit 1864/69 Zwölfergasse
3 Westbahnstraße = seit 1883 Teil der Zwölfergasse
4 Fünfhauser Rathaus = seit 1892 Amtshaus für Fünfhaus, seit 1938 auch für Rudolfsheim
5 Schönbrunner Straße, Fünfhauser Hauptstraße = seit 1897 Mariahilfer Straße
6 Volksschule Friedrichsplatz
7 Glückgasse = seit 1894 Grangasse
8 Gaswerk (bestand von 1839-1911)

So sah die Gegend zwischen Gasgasse, Zwölfergasse, Rosinagasse und Lichtgasse bis 1862 aus (grün die zwischen 1882 und 1884 hinzugekommenen Örtlichkeiten)

Plan 1862, heutiges Amtshaus und Umgebung

ROT
1 Bräuhausgasse = seit 1864/69 Zwölfergasse
2 Bräuhaus-Garten = heutige Mariahilferstraße 150-152
3 Gemeindegasse = Rosinagasse
4 Quergasse = Viktoriagasse
5 Ziegelofengasse = Lichtgasse

GELB
1 Amtshaus Rudolfsheim-Fünfhaus
2 Friedrichsplatz
3 Volksschule Friedrichsplatz
4 Staglgasse = 1877 als Braugasse errichtet – siehe Plan oben – seit 1894 Staglgasse

Vom Rathaus zum Amtshaus

Nach der Eingemeindung der Vororte 1892 wurde das Fünfhauser Rathaus zum Amtshaus „degradiert“. Mehr zum „Rathaus, das kein Rathaus blieb“, finden Sie hier.

1891-12-29 Wiener Zeitung, ANNO
1893-06-23 Wiener Zeitung, ANNO

Exkurs: Das k. k. Polizei=Bezirkscommissariat Sechshaus im Gemeindehaus Sechshaus

Bereits 1843 (Häuserschema Wien) ist das Haus Sechshaus 20 (heute Sechshauser Straße 45) als Gemeindehaus von Sechshaus ausgewiesen Polizei-Bezirksdirektion in Mariahilf, Schiffgasse Nr. 153, Grundgericht: Hauptstraße 58.

J. Franz-Ferron schreibt dazu 1892 in seiner Publikation „Neu-Wien“: „1847 – sah sich die k. k. Polizei-Direction veranlasst, „um den der Polizei in der Ortschaften Reindorf mit 7. August 1845 übertragenen Wirkungskreis mit größerem Nachdrucke behaupten zu können“, in Sechshaus ein von der „k. k. Polizei-Bezirks-Direction zu Mariahilf depentierendes und derselben subordiniertes Polizei-Commissariat zu exponieren.“ Dasselbe trat am 22. März 1847 in Wirksamkeit und bestand aus 1 Polizei-Unter-Commissär, 1 Concepts-Beamten, 1 Kanzlei-Diener, mehreren Amtsdienern und Wachleuten.“

(J. Franz-Ferron: Neu-Wien. Ein Rückblick auf die Geschichte der am 21. December 1891 zur Kommune Wien einverleibten Vororte-Gemeinden. Verlag von Julius Kühkopf’s Buchhandlung in Korneuburg 1892).

1849-05-25 Der Wanderer, ANNO

Das Gemeindehaus in Sechshaus 20

Bis etwa 1890 (bis zur Eingemeindung der Vororte) befand sich in der Sechshauser Straße 45 (Sechshaus 20) das Gemeindehaus Sechshaus samt Polizei-Kommissariat.

Sechshauser Straße 45 (Sechshaus 20), bis etwa 1890 Gemeindehaus Sechshaus mit Polizei-Kommissariat, Foto: Sammlung BM 15

Heute befindet sich in der Sechshauser Straße 45 ein Neubau.

Sechshauser Straße 45 – an dieser Stelle befand sich das bis etwa 1890 genutzte Gemeindehaus von Sechshaus, Foto: Sammlung BM 15

Damit genug für heute:
Gehaben Sie sich wohl!
Ihre Brigitte Neichl

Verstand, Herz und gute Laune

Der Untertitel unseres Blogs lautet „DER KulturBlog aus Wien Rudolfsheim-Fünfhaus für Verstand, Herz und gute Laune, bei dem es um Menschen & Themen aus dem 15. Wiener Gemeindebezirk in Vergangenheit und Gegenwart geht.“

Den Zusatz „für Verstand, Herz und gute Laune“ gibt es seit 27.6.2021. Er ist eine Hommage an die Zeitschrift „Oesterreichisches Bürgerblatt für Verstand, Herz und gute Laune“, die von 1819-1857 (vom 6.1.1819-1819-29.7.1835 unter diesem Titel, dann in Variationen) im Verlag Friedrich Eurich erschien.

Wir identifizieren uns nicht mit der Ausrichtung dieser Zeitschrift. Diese drei Worte haben uns aber angesprochen, weil sie sehr anschaulich das ausdrücken, wofür wir stehen und weil die Kombination einfach genial ist 😉

Wir sind ständig bestrebt, unser Wissen über die Geschichte des 15. Bezirks zu erweitern und möchten diese Erkenntnisse auch an Sie als Leserinnen und Leser dieses Blogs weitergeben (Verstand) und wir berichten hauptsächlich über jene Menschen, die sonst keine Stimme hatten, wir möchten sie und ihr Leben sichtbar machen (Herz). Aber selbstverständlich soll auch der Humor nicht kurz kommen, denn er erleichtert das Leben und auf diesem Wege lässt sich auch sehr viel an Wissen transportieren (gute Laune).

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ihnen fehlt etwas? Sie haben weiterführende Informationen?
Dann schreiben Sie doch einfach einen Kommentar. Nützliche Inhalte mit Quellenangabe bauen wir – mit Verweis auf Ihren Kommentar – gerne noch in den Text ein. Alternativ können Sie uns auch ein Mail an office@bm15.at schicken!

Oder wie es Anton Ziegler 1828 (*) so schön ausgedrückt hat:

Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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Schau mal, ich hab was Interessantes auf WIENfünfzehn gefunden!

Ein Kommentar zu „Polizeirevier 101 am Friedrichsplatz 1

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