Ein Ehrengrab für Familie Schwender

In diesem Blogartikel geht es um die Bemühungen des Bezirksmuseums, das Grab der Familie Schwender am evangelischen Friedhof als Ehrengrab der Stadt Wien zu widmen.

Grab Nr. 194

Vor etwa einem Jahr im September 2020 erreichte uns ein Brief von Herrn B., der uns darauf aufmerksam machte, dass das Grab der Familie Schwender – eine Familiengruft – am Evangelischen Friedhof in einem sehr schlechten Zustand sei. Außerdem wäre die Grabnutzung bereits 2005 abgelaufen. Er bat uns, uns für die Erhaltung der Grabstätte einzusetzen.

Familiengruft von Familie Schwender am evangelischen Friedhof Matzleinsdorf, Foto: Walter Pois 2021

Familie Schwender – Karl sen, Karl jun., Anna

In der Familiengruft der Familie Schwender am evangelischen Friedhof Matzleinsdorf sind folgende Personen bestattet:

  • Karl Schwender (der Ältere) – hier bestattet seit 5. Dezember 1866
  • Karl Schwender (der Jüngere) – hier bestattet seit 26. Jänner 1877
  • Anna Silberbauer – hier bestattet seit 1. März 1906

Karl Schwender der Ältere betrieb ab 1835 in einem Nebengebäude des Arnsteinschen Gartenpalais eine Kaffeeausschank, die er sukzessive erweiterte und bald unter dem Namen Schwenders Colosseum, als größtes Vergnügungsetablissement Wiens galt.

Karl Schwender sen., Sammlung BM 15
1906-03-02 Illustrirte Kronen Zeitung, ANNO

Es war Schauplatz diverser Ballveranstaltungen – etwa die legendären Lumpenbälle –, außerdem richtete Schwender in seinen Räumlichkeiten das Rudolfsheimer Volkstheater ein, in welchem etwa Karl Kraus als Schauspieler debütierte und Max Reinhardt sein erstes festes Engagement erhielt.

bild-17.jpg
Volkstheater Rudolfsheim innen, Aquarell von Gustav Zafaurek, um 1880 (Wien Museum)

Schwenders Colosseum war auch Schauplatz bedeutender politischer Versammlungen. So fand hier am 15. Dezember 1867 das Gründungstreffen des Arbeiter-Bildungsvereins Gumpendorf statt, am 24. Dezember 1893 begann der erste österreichische Gewerkschaftskongress hier zu tagen.

Nach dem Tod Karl Schwenders des Älteren, führte sein Sohn Karl Schwender der Jüngere den Betrieb weiter, nach dessen Tod seine Witwe Anna Schwender (später verheiratete Silberberger).

Karl Schwender jun., Sammlung BM 15
Anna Schwender

1897 schloss die Einrichtung für immer seine Pforten, im darauffolgenden Jahr wurden die Gebäude demoliert und durch Mietshäuser ersetzt.

Antrag an die MA 7

Wir erkundigten uns, welche Möglichkeiten es gibt, um das Grab der Familie Schwender als Einnerungsstätte zu erhalten und stellten schließlich Ende 2020 einen Antrag an die Kulturabteilung der Stadt Wien, die Magistratsabteilung (MA) 7 mit dem Ersuchen um Übernahme der Familiengruft der Familie Schwender als Ehrengrab der Stadt Wien.

Vielen Dank an dieser Stelle an meinen Museumskollegen Mag. Thomas Reithmayer, der die Infos für den Antrag zusammengestellt hat. Und auch Walter P., den Verwalter des Evangelischer Matzleinsdorf, gilt unser Dank. Er war so freundlich, uns Fotos des Grabes zu senden, die wir für den Antrag an die MA 7 benötigten.

Erfreuliche Nachrichten

Unsere Bemühungen waren schließlich von Erfolg gekrönt! Am 5. August 2021 wurde die Grabanlage der Familie Schwender „mit Genehmigung des Herrn Bürgermeisters Dr. Michael Ludwig als Historische Grabanlage der Stadt Wien auf Friedhofsdauer mit Inobhutnahme gewidmet“.

Am 20. Oktober 2021 erhielten wir schließlich die offizielle Mitteilung per Brief.

Ort der Erinnerung

Mittlerweile ist diese Information auf schon auf WienWiki zu finden.

Das Bezirksmuseum freut sich sehr, dass es gelungen ist, das Grab der Familie als „Ort der Erinnerung“ zu erhalten.

Mitarbeit: Mag. Thomas Reithmayer


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