Das Café Riedmüller in der Sechshauser Straße 4 und die Kaffeehaus-Tradition seit 1828

Das Bild des Monats zeigt diesmal ein Kaffeehaus in der Sechshauser Straße 4, Ecke Turnergasse, das zwischen 1939 und Mitte der 1960er Jahre bestand: Das Café Riedmüller. Die Kaffeehaus-Tradition an diesem Standort besteht aber bereits seit 1828.

Bild des Monats

Café Riedmüller in der Sechshauser Straße 4

Café Riedmüller in der Sechshauser Straße 4. Im Bild noch zu sehen sind die Gleise der ehemaligen Straßenbahnlinie 57 (bestand bis 13.5.1966), Foto: Sammlung BM 15

Josef Riedmüller scheint erstmals 1939 mit seinem Kaffeehaus an der Adresse Sechshauser Straße 4 auf.

1939 Josef Riedmüller, Adressbuch Lehmann Online

1941 wurde ein „Ober mit Inkasso“ für das Café Riedmüller gesucht.

1941-08-31 Neues Wiener Tagblatt, ANNO

Zumindest bis in die 1960er Jahre (siehe Foto) bestand das Café Riedmüller in der Sechshauser Straße 4.


Sollten Sie genauere Infos darüber haben, wie lange es das Café Riedmüller an diesem Standort gab bzw. ob es danach weitere Kaffeehäuser an dieser Adresse gab, ersuchen wir um Infos unter office@bm15.at


So sah es im Juli 2021 an dieser Ecke Sechshauserstraße, Turnergasse aus. Der Eckeingang ist verschwunden. An Geschäften befinden sich hier ein Nachtclub (Imperio) und ein Friseurgeschäft (Haarland Daniela).

Sechshauser Straße 4, Foto Brigitte Neichl, 2021

Kaffeehaus-Tradition seit 1828

Christoph Huber: Traiteurie und Kaffeehaus

Am Standort Sechshauser Straße 4 befand sich bereits 1828 an der damaligen Adresse Fünfhaus 1 „Herrn Huber’s Kaffeyhaus“.

Plan Ziegler/Vasquez 1828

Christoph Huber scheint auch noch im 1837 erschienen „Wegweiser in den Ortschaften: Fünfhaus, Sechshaus, Braunhirschen, Reindorf und Rustendorf“, herausgegeben von Anton Ziegler auf. Das Gebäude wird als Traiteurie und Kaffeehaus geführt.

Der Begriff Traiteurie stammt aus dem französischen und bezeichnete ab dem Vormärz einen Gastwirt in gehobener Umgebung. Die Traiteur war meist auch mit qualitätvollen Musikdarbietungen verbunden (Quelle: WienGeschichteWiki).

Im selben Haus gibt es 1837 auch einen Schneidermeister namens Wilhelm Günze und einen Hutfabrikanten mit Namen Franz Kraft.

Plan Ziegler 1837

Die Familie Huber scheint übrigens bis 1936 im Bereich Sechshauserstraße 2 bzw. 4 / Mariahilfergürtel 1 bzw. 3, Herklotzgasse 1 bzw. 3 und Turnergasse 2 bzw. 2a auf.

1843 wird eine Josepha Huber genannt, ebenfalls mit Kaffeehaus, 1862 führt Josef Huber dort eine Gastwirtschaft. Anna Huber wird 1880 als Besitzerin von Fünfhaus Nr. 1, aber auch vom danebenliegenden neu gebauten Haus Fünfhaus Nr. 493 (=Sechshauser Straße 2) genannt.

1888 scheint ein Josef Huber auf, allerdings nur mehr als Besitzer des Neubaus. Das ursprüngliche Gebäude Fünfhaus Nr. 1 (Sechshauser Straße 4) gehört nun Heinrich und Josefa Mache (oder Macho).

1901 wurde das heute noch bestehende Haus (Sechshauser Straße 4) erbaut und gehörte Thomas und Felixa Kozich.

Josef Huber ist noch bis 1936 im Adressbuch Lehman als Hausbesitzer an der Adresse Mariahilfer Gürtel 3 zu finden.

Café Adria 1906-1912

Von 1906-1912 führte ein gewisser Johann Skopezynski – schon im derzeitigen Gebäude – das Café Adria.

1906 Johann Skopezynski, Café Adria in der Sechshauser Straße 4, Adressbuch Lehmann

Café Adria 1914-1920

Von 1914 bis 1920 scheint Rudolf Schöbel als Besitzer eines Kaffeehauses in der Sechshauser Straße 4 auf (1914 vorerst nur als Kaffeesieder auf Nummer 4, ab 1915 als Kaffeehausbesitzer). Der Name „Café Adria“ blieb erhalten.

1914 Rudolf Schöbel, Sechshauser Straße 4; Adressbuch Lehmann

Interessant ist, dass der vorige Besitzer Johann Skopezynski sein Lokal an einem neuen Standort (Margaretenstraße 7) ebenfalls wieder „Adria“ nennt.

1915Rudolf Schöbel_Johann und Skopezynski_Adria_Sechshauser Straße 4, Adressbuch Lehmann

Café Schmidt 1921-1938

Von 1921 bis 1938 führte eine Hermine Schmidt das Kaffeehaus an der Adresse Sechshauser Straße 4. Anfangs scheint dieses noch als Café „Adria“ auf. Haus- und Lokalnamen halten sich eben sehr lange, oft länger als jene der Besitzer*innen.

1921 Hermine Schmidt, Sechshauser Straße 4, Café „Adria“, Adressbuch Lehmann

Damit genug für heute:
Gehaben Sie sich wohl!
Ihre Brigitte Neichl

Verstand, Herz und gute Laune

Der Untertitel unseres Blogs lautet „DER KulturBlog aus Wien Rudolfsheim-Fünfhaus für Verstand, Herz und gute Laune, bei dem es um Menschen & Themen aus dem 15. Wiener Gemeindebezirk in Vergangenheit und Gegenwart geht.“

Den Zusatz „für Verstand, Herz und gute Laune“ gibt es seit 27.6.2021. Er ist eine Hommage an die Zeitschrift „Oesterreichisches Bürgerblatt für Verstand, Herz und gute Laune“, die von 1819-1857 (vom 6.1.1819-1819-29.7.1835 unter diesem Titel, dann in Variationen) im Verlag Friedrich Eurich erschien.

Wir identifizieren uns nicht mit der Ausrichtung dieser Zeitschrift. Diese drei Worte haben uns aber angesprochen, weil sie sehr anschaulich das ausdrücken, wofür wir stehen und weil die Kombination einfach genial ist 😉

Wir sind ständig bestrebt, unser Wissen über die Geschichte des 15. Bezirks zu erweitern und möchten diese Erkenntnisse auch an Sie als Leserinnen und Leser dieses Blogs weitergeben (Verstand) und wir berichten hauptsächlich über jene Menschen, die sonst keine Stimme hatten, wir möchten sie und ihr Leben sichtbar machen (Herz). Aber selbstverständlich soll auch der Humor nicht kurz kommen, denn er erleichtert das Leben und auf diesem Wege lässt sich auch sehr viel an Wissen transportieren (gute Laune).

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ihnen fehlt etwas? Sie haben weiterführende Informationen?
Dann schreiben Sie doch einfach einen Kommentar. Nützliche Inhalte mit Quellenangabe bauen wir – mit Verweis auf Ihren Kommentar – gerne noch in den Text ein. Alternativ können Sie uns auch ein Mail an office@bm15.at schicken!

Oder wie es Anton Ziegler 1828 (*) so schön ausgedrückt hat:

Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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