#FAQ15/097 Wer war Jakob Bösel?

Was Sie schon immer über Rudolfsheim-Fünfhaus wissen wollten …

Jakob Bösel wurde 1788 geboren und war seit 1808 Lehrer in Fünfhaus. 1825 wurde er Oberlehrer und war 13 Jahre lang auch ehrenamtlich als „Armenvater“ tätig.

Sie interessieren sich für interessante Details aus Vergangenheit & Gegenwart von Rudolfsheim-Fünfhaus, dem 15. Wiener Gemeindebezirk? Dann sind Sie hier richtig beim Blog WIENfünfzehn!

Haben Sie auch eine Frage? Dann schreiben Sie uns unter faq15@bm15.at

FAQ=Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)

Fünf Dörfer bei Wien – unendliche Weiten …

Wir schreiben das 21. Jahrhundert. Dies sind die abenteuerlichen Erkenntnisse des Bezirksmuseums Rudolfsheim-Fünfhaus, das mit seiner 20 Personen starken Besatzung seit 1972 unterwegs ist, um vergangene Ereignisse zu erforschen, das Leben unserer Vorfahren zu ergründen und einen Beitrag zu Gegenwart und Zukunft der Stadt zu leisten. Mitten im 15. bringt das Museumsteam Erkenntnisse ans Licht, die Sie so vielleicht noch nie zuvor gehört haben.

Fünf Dörfer bei Wien, unendliche Weiten …

Lehrer & Armenvater Jakob Bösel

1828 erschien der 4. von insgesamt sieben Bänden der Reihe „Wien’s nächste Umgebungen. An den Linien“. Auf 72 Seiten beschreiben darin Anton Ziegler und Graf Carl Vasquez die fünf Ortschaften Fünfhaus, Sechshaus, Braunhirschen, Reindorf und Rustendorf, aus denen später der 15. Bezirk entstehen sollte.

Darin ist u.a. Folgendes zu lesen:

Ortsgericht: Dieses besteht aus einem Richter und mehreren Geschworenen, welche aus den Ortsangesessenen mit dem Einverständnis des Richters von der Gemeinde selbst gewählt werden, und das Oeconomische des Ortes besorgen.

Es gibt einen Ortsrichter (Johann Hübel), einen Gerichtsschreiber und Rechnungsführer (Franz Glimpfinger), drei Geschworene oder Beisitzer (Cornelius Pague, Franz Göttler, Johann Schmidt) sowie vier Wachtmeister, zwei Feuerkommissäre und zwei Armenväter (Anm.: ehrenamtliche Unterstützung der Armenbetreuung).

Ortsschule, in Fünfhaus in der Schulgasse neben Nro. 88 (Anm. damals noch ohne Nummer, dann Fünfhaus Nr. 126 = Herklotzgasse 21).
Schullehrer. Herr Jakob Bösel

Uns interessieren an dieser Beschreibung die Armenväter und der Schullehrer. Und Jakob Bösel war beides.

Die Aufgaben eines Armenvaters

In der Österreichischen Zeitschrift für Verwaltung vom 25.10.1883 werden die Aufgaben eines „Armenvaters“ beschrieben – zwar für Graz, aber in Wien bzw. „Wiens Umgebungen“ dürfte es ähnlich gewesen sein.

1883-10-25 Österreichische Zeitschrift für Verwaltung, ANNO

Transkript

Zum Zwecke der Armenverwaltung ist die Stadtgemeinde Graz in zehn Armenbezirke getheilt, welche wieder in Armendistricte zerfallen, deren jedem ein Armenvater vorsteht. Diese im Vereine mit dem Armendirector, dem Vertreter des Pfarramtes und dem Armenarzte bilden die Armendirection jedes Bezirkes, welcher die locale Armenverwaltung obliegt.

Das Amt der Armenväter wird in dem Statute selbst als die Grundlage des Organismus der Armenbehörde und die Ausübung dieses Amtes mit Eifer, Ausdauer und Gewissenhaftigkeit als unumgänglich nothwendige Voraussetzung einer ersprießlichen Armenpflege bezeichnet, und die genaue Bekanntschaft der Armen seines Districts, möglichste Sorgfalt für die Linderung der Noth werden von dem Armenvater verlangt.

Zur Erreichung dieser Aufgabe werden genaue und gewissenhafte Erhebungen der Verhältnisse aller ihm von der Armendirection zugewiesenen Armen, fleißige Theilnahme an den monatlichen Directionsitzungen, sorgsame Ueberwachung der Armenbetheilten seines Districts und Anzeige von die Betheilung aufhebenden Umständen als Obliegenheiten des armenväterlichen Amtes bezeichnet.

Die Anforderungen, welche auf diese Weise an den Armenvater gestellt werden, sind keine geringen, und einen hohen Grad öffentlichen Vertrauens setzt die Wahl zu einem Amt mit so hohen und strengen Qualificationen voraus.


Transkript Ende

„Jubelgreis“ Jakob Bösel wird geehrt

Josef Bösel wird 1788 geboren. Aus dem „Österreichischen Pädagogischen Wochenblatt zur Beförderung des Erziehungs- und Volksschulwesens“ vom 19.5.1858 erfahren wir, dass Jakob Bösel 1808 seine Tätigkeit als Lehrer in Fünfhaus begann, 1825 Oberlehrer wurde und 13 Jahre ehrenamtlich als „Armenvater“ tätig war.

Aus diesem Anlass fand 1858 eine Feier für den siebzigjährigen „Jubelgreis“ statt, zu der viel Prominenz erschien, so der Pfarrer, der Bürgermeister von Fünfhaus, die Lehrkräfte der Fünfhauser Schulen und der Schulbezirks-Vorsteher. Letzterer hielt eine „gediegene und ergreifende Ansprache, die alle Anwesenden zu Thränen rührte“.

1858-05-19 Österreichisches Pädagogisches Wochenblatt zur Beförderung des Erziehungs- und Volksschulwesens, ANNO

Transkript

P(farre). Reindorf. am 10. d. M. fand in der Pfarre Reindorf bei Wien eine einfache, aber rührende Feier statt. Der Gefeierte war Herr Jakob Bösel, Oberlehrer zu Fünfhaus, welcher an eben diesem Tage des Jahres 1808 seine pädagogische Laufbahn in Wien begann und seit dem Jahre 1825 als Oberlehrer und zugleich durch 13 Jahre als Armenvater seine Dienste der Gemeinde Fünfhaus widmete. Um 10 Uhr wohnte der siebzigjährige Jubilar mit den Schülern der höheren zwei Klassen in der Pfarrkirche der h. Messe bei, wozu sich auch der hochwürdigster Herr geistliche Rath und Schulbezirksaufseher, Director Martin Neuwirth, der hochw. Herr Pfarrer, die Herren Katecheten, der Herr Bürgermeister, die zwei Herren Schulaufseher und übrigen Repräsentanten der Gemeinde Fünfhaus, so wie das Lehrpersonale der zur Pfarre Reindorf gehörigen Schulen einfangen. Von da ging man in das Schulhaus und dort hielt zuerst der Herr Schulbezirks=Aufseher mit seltener Rednergabe an den Jubelgreis eine gediegene und ergreifende Ansprache, die alle Anwesenden zu Thränen rührte.


Transkript Ende

Lehrer Bösel wohnt bei Franz Göttler

Doch kommen wir zurück ins Jahr 1828: Franz Göttler, einer der drei Geschworenen 1828 wohnt in Fünfhaus Nummer 7 (=Sechshauser Straße 16). Die Wiener Zeitung berichtet am 20.9.1831, dass dieser die unentgeltlichen Unterbringung des Schullehrers von Fünfhaus, Jakob Bösel, übernommen hat.

Das heutige Gebäude in der Sechshauser Straße 16, Foto: Brigitte Neichl, 2021

Mehr zum Haus Fünfhaus 7 erfahren Sie hier.

Die Schule von Fünfhaus

Der ehemalige Standort der Schule war in Fünfhaus 126 in der Schulgasse – heute Herklotzgasse 21. Weit hatte es Lehrer Bösel also nicht von Fünfhaus 7 bis Fünfhaus 126.

Fünfhaus 126 ist hier noch nicht eingezeichnet, die Adresse wird mit „neben Fünfhaus 88“ angegeben, Plan Ziegler/Vasquez 1828 (Krongasse = Kranzgasse, Johannesgasse ist der obere Teil der Herklotzgasse)
Aktueller Plan 2021 – Der „Schulweg“ von Jakon Bösel führt von der Sechshauser Straße in die Herklotzgasse, Plan, wien.gv.at

Herklotzgasse 21

Das derzeitige Gebäude Herklotzgasse 21 wurde 1869 errichtet. An der Fassade erkennt man eine Lehrerin und ein Kind.

1906 wurde das Gebäude von Regine Landeis gekauft. Sie war Präsidentin des jüdischen Ausspeisungsvereines für die Bezirke XII–XV und stellte das Haus dem „Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder“ zur Verfügung.

In den Jahren von 1906 bis 1940 war die Herklotzgasse 21 ein Knotenpunkt innerhalb eines relativ dicht von Jud*innen bewohnten Wiener Stadtviertels.

Mehr zu diesem geschichtsträchtigen Haus finden Sie hier.

Herklotzgasse 21, Foto: Brigitte Neichl, 2021
Herklotzgasse 21, Foto: Brigitte Neichl, 2021

Oberlehrer Bösel

Auf Fünfhaus 126 befand sich seit 1827 ein einstöckiges Schulgebäude, in dem Jakob Bösel als Oberlehrer tätig war.

Daneben Fünfhaus Nr. 88 in der Schulgasse, jetzt Herklotzgasse 23, war von 1878 bis etwa 1910 die „Feuerlöschgeräthe-Fabrik“ Josef Hekele untergebracht, danach bis in die 1960er Jahre das Magazin und die Werkstätten der Firma „Minimax“Apparate-Baugesellschaft mbH.“ Mehr dazu hier.

„Feuerlöschgeräthe-Fabrik“ Josef Hekele in der Herklotzgasse 23

Silbernes Verdienstkreuz mit der Krone für Jakob Bösel

1861 erhielt Jakob Bösel für „vieljährig belobte Verwendung im Schulfache und sein(..) sonstige(…)s gemeinnützige(…)s Wirken das silberne Verdienstkreuz mit der Krone“.

Österreichisches (hier in gold) Goldenes Verdienstkreuz mit der Krone (1849), Vorderseite, Foto Wikipedia, gemeinfrei
1861-01-20 Wiener Zeitung_Auszeichnung für Jakob Bösel

Transkript

Se. k. k. Apostolische Majestät haben mit der Allerhöchsten Entschließung vom 7. Jänner d. J. dem Oberlehrer zu Fünfhaus bei Wien Jakob Bösel in Anerkennung seiner vierjährigen belobten Verwendung im Schulfache und seine sonstigen gemeinnützigen Wirkens das silberne Verdienstkreuz mit der Krone allergnädigst zu verleihen geruht.


Transkript Ende

Mehr zum Thema Schule & Bildung in Rudolfsheim-Fünfhaus finden Sie hier.

Damit genug für heute:
Gehaben Sie sich wohl!
Ihre Brigitte Neichl

Verstand, Herz und gute Laune

Der Untertitel unseres Blogs lautet „DER KulturBlog aus Wien Rudolfsheim-Fünfhaus für Verstand, Herz und gute Laune, bei dem es um Menschen & Themen aus dem 15. Wiener Gemeindebezirk in Vergangenheit und Gegenwart geht.“

Den Zusatz „für Verstand, Herz und gute Laune“ gibt es seit 27.6.2021. Er ist eine Hommage an die Zeitschrift „Oesterreichisches Bürgerblatt für Verstand, Herz und gute Laune“, die von 1819-1857 (vom 6.1.1819-1819-29.7.1835 unter diesem Titel, dann in Variationen) im Verlag Friedrich Eurich erschien.

Wir identifizieren uns nicht mit der Ausrichtung dieser Zeitschrift. Diese drei Worte haben uns aber angesprochen, weil sie sehr anschaulich das ausdrücken, wofür wir stehen und weil die Kombination einfach genial ist 😉

Wir sind ständig bestrebt, unser Wissen über die Geschichte des 15. Bezirks zu erweitern und möchten diese Erkenntnisse auch an Sie als Leserinnen und Leser dieses Blogs weitergeben (Verstand) und wir berichten hauptsächlich über jene Menschen, die sonst keine Stimme hatten, wir möchten sie und ihr Leben sichtbar machen (Herz). Aber selbstverständlich soll auch der Humor nicht kurz kommen, denn er erleichtert das Leben und auf diesem Wege lässt sich auch sehr viel an Wissen transportieren (gute Laune).


Liebe Leserin, lieber Leser!

Ihnen fehlt etwas? Sie haben weiterführende Informationen?
Dann schreiben Sie doch einfach einen Kommentar. Nützliche Inhalte mit Quellenangabe bauen wir – mit Verweis auf Ihren Kommentar – gerne noch in den Text ein. Alternativ können Sie uns auch ein Mail an office@bm15.at schicken!

Oder wie es Anton Ziegler 1828 (*) so schön ausgedrückt hat:

Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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#040 imgraetzl.at – Unterstützung und Vernetzung Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten

  1. #040 imgraetzl.at – Unterstützung und Vernetzung
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Das Museum nimmt auch seine Aufgabe als Kultur-Drehscheibe des Bezirks wahr und fördert die Begegnung und Vernetzung der BewohnerInnen durch Veranstaltungen und auch durch den Kultur-Podcast „Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten“ .

Der Eintritt ist frei. Alle MitarbeiterInnen sind ehrenamtlich tätig.

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Hier finden Sie unsere aktuellen Veranstaltungen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus
Rosinagasse 4
1150 Wien
Mail: office@bm15.at
Web: www.museum15.at

Öffnungszeiten
Mo: 17.00-19.00
Fr: 15.30-17.30
(an Feiertagen, schulfreien Tagen und im Juli & August geschlossen)

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