Schulkinos

Schulkinos haben eine lange Tradition – auch im 15. Bezirk. Das Wort selber erklärt eigentlich schon, worum es geht: nämlich Kinos in der / für die Schule. Was heute als eine Selbstverständlichkeit gilt, nämlich, dass man sich Filme in der Schule zur Unterrichtszwecken ansieht, war früher ein richtiges Ereignis, das schon den ein oder anderen Zeitungsartikel wert war. Vor allem da im Jahr 1910 Schulkindern der Besuch der Kinos behördlich untersagt war. Ab dem Jahr 1912 wurden Zensurprüfungen zwar erleichtert, aber die Altersbeschränkungen waren dennoch sehr strikt.

1917: Erstes Schulkino in Wien

1917 gab es das erste Schulkino in Wien im neunten Gemeindebezirk. Es sollten einige Jahre vergehen, bis die Schulkinos auch 15. Bezirk Einzug fanden, aber dafür gab es gleich mehrere, nämlich ganze sechs zwischen 1922 und 1936.

Der Ablauf

Der Umgang mit den damaligen Projektoren und den Filmrollen zum Vorführen der Filme musste durchaus gelernt sein. Es war alles, wie man sich das in einem kleinen Kino aus der damaligen Zeit vorstellen kann, außer dass die Sitzgelegenheit oft nicht so komfortabel waren wie in einem echten Kino.

Es war der tatkräftigen Lehrer- und Elternschaft zu verdanken gewesen, dass diese Aufführungen überhaupt durchgeführt werden konnten. Denn die Schulbehörde wollten zu Beginn nichts davon wissen. Die Lehrer- und Elternschaft konnte letztendlich den Stadtschulrat überzeugen, das Projekt zu bewilligen und Förderungen einzuholen und darauf gab auch die Gemeinde Wien eine staatliche Subvention frei.

Es durften aber nur Filme zur Unterrichtszwecken in diesen Schulen gezeigt werden. Es ging dabei teilweise soweit, das die Lehrerschaft sogar die Filme – die oft von Wiener Urania ausgeliehen wurden – selbst umändern musste, damit sie zum Unterrichtsstoff passten. Szenen, die nicht für Jugendliche geeignet waren, wurden herausgeschnitten. Meist ging es dabei um Liebesszenen, die damals als nicht kindgerecht galten.

Die Standorte

Die Schulkinos befanden sich an folgenden Standorten:

  • Gebrüder-Lang-Gasse 6 (1922-1924)
  • Goldschlagstraße 113 (1927)
  • Heinickegasse 5 (1931)
  • Hütteldorferstraße 7 (1924-1933)
  • Meiselstraße 19 (1922-1936)
  • Oelweingasse 7 (1929-1935)

Die Filmvorführungen sollten die Mitarbeit der Schüler*innen anregen. Auch für jüngere Kinder wurden visuelle Unterrichtsformen eingeführt, etwa anhand von Standbilder mit Märchenerzählungen.

Anderwertige Nutzung der Schulkinos

Außerhalb der Schulzeiten wurden die Schulkinos auch für andere Zwecke genützt . Beispielweise wurde das Kino in der Heineckegasse 5 1931 vom sozialdemokratischen Verein Landesverband Wien der Kriegsinvaliden, Ortsgruppe 14 bespielt.

Kino für Kinder

Die Schulkinos, die von den Schulen selbst betrieben wurden, erfreuten sich großer Beliebtheit und gaben auch jenen Kindern die Chance ein Kino zu besuchen, die sonst wahrscheinlich nie die Möglichkeiten dazu gehabt hätten. Allein im Jahr 1933 besuchten etwa 300.000 Kinder und Jugendliche diese speziellen Kinos.

Niedergang der Schulkinos

Ab den 1930er Jahren gab es immer weniger Schulkinos. Der Grund war, dass die Kinobetreiber mutmaßten, dass diese – teilweise sehr gut ausgestatteten Kleinkinos – auch zu Unterhaltungszwecken genützt werden würden und daher anderen Kinos Konkurrenz machen würden.

Auch wurden Bedenken geäußert, die nötigen Sicherheitsmaßnahmen nicht eingehalten würden und kein ausgebildetes Personal für die Bedienung der Apparate zur Verfügung stünde. Zunehmend wurden auch antisemitische Töne laut, da einige Schulkinos nicht von „treuen Österreichern“ geführt wurden. Nach 1938 gab es dann keine Schulkinos mehr im 15. Bezirk.

Heutzutage bieten große Kinos Spezialpreise für Schulklassen an und Filme für Unterrichtszwecke werden nur noch selten zensiert. An den Standorte der ehemaligen Schulkinos befinden sich heute meist Wohnhausanlagen.

In der Goldschlagstraße 113 befindet sich heute eine Berufsschule für Bürokaufleute, in der Hütteldorferstraße 7 eine Berufsschule für Handel und Reisen und auch im früheren Schulkino in der Meiselstraße 19 gibt es ebenfalls eine Berufsschule für Bürokaufleute.

An diesen Orten werden noch Filme zu Unterrichtszwecken gezeigt, zwar nicht mehr so aufwändig wie damals, aber im Kleinen leben die Schulkino weiter.

Quellen

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ihnen fehlt etwas? Sie haben weiterführende Informationen?
Dann schreiben Sie doch einfach einen Kommentar. Nützliche Inhalte mit Quellenangabe bauen wir – mit Verweis auf Ihren Kommentar – gerne noch in den Text ein. Alternativ können Sie uns auch ein Mail an office@bm15.at schicken!

Oder wie es Anton Ziegler 1828 (*) so schön ausgedrückt hat:

Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

Gefällt Ihnen der Artikel? Dann teilen Sie ihn doch mit Ihren FreundInnen!

Schau mal, ich hab was Interessantes auf WIENfünfzehn gefunden!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s