Die Alte Hühnersteige

Das Bild des Monats zeigt diesmal ein Gasthaus, das über 100 Jahre bestanden und das sich neben dem Linienwall an der Mariahilfer Linie befand. Die Langauergasse erinnert noch an dieses traditionsreiche Bauwerk, das schließlich der neuen Zeit weichen musste.

Bild des Monats

Das Gasthaus „zur Alten Hühnersteige“ befand sich nahe der einstigen Mariahilfer Linie beim 1704 errichteten Linienwall. Würde das Haus heute noch bestehen, stünde es quer zum Gürtel mitten auf der Fahrbahn.

Auf dem Plan von 1853 ist das sehr gut zu erkennen

Plan 1853

Fünfhauser Hauptstraße = Mariahilferstraße
Am Haidmannsfeld = Dingelstedtgasse
Josephigasse = Talgasse
Neue Gasse = Turnergasse
Schwanengasse = Clementinengasse
Mittelgasse = Robert-Hamerling-Gasse
Ferdinandsgasse = Gebrüder-Lang-Gasse
Mittelrusten = Viktoriagasse

Bereits im 18. Jahrhundert befand sich an dieser Stelle ein Gasthaus. Laut einem Bericht im Wiener Tagblatt vom 27.2.1883 vor 1818 unter dem Namen „zum Schwarzen Rössl“.

Karl Palm (1801-gest. am 27.1.1861) – die 1864/1869 in Palmgasse benannte Gasse, hat vermutlich nichts mit ihm zu tun – änderte den Namen in „zur Hühnersteige“. Der Name leitete sich offenbar von den Hühnersteigen ab, die hierhergebracht wurden, um Hühner zu verkaufen (vgl. WienGeschichteWiki)

Plan 1755
Plan 1819
Plan 1837 Fünfhaus 118 „Die Alte Hühnersteige“

1839 übernahm Johann Langauer (1808-1881) das Lokal und führte es zum „Gipfelpunkt seiner Popularität“. Am 26. Oktober 1848 (Märzrevolution) wurde das Haus „behufs besserer Vertheidigung der Mariahilfer=Linie gegen den Ansturm des Militärs von der Mobilgarde eingeäschert“. Das Haus wurde neu errichtet und erlangte bald wieder „den früheren Zuspruch“.

Johann Langauer war nicht nur Hausbesitzer und Wirt, sondern auch Gemeinderat, stv. Bürgermeister und Ehrenbürger von Fünfhaus. Außerdem war er der Onkel von Georg Röhrl. Eines der Geschäfte von Röhrl war ebenfalls in dem Gebäude Fünfhaus 118 untergebracht.

1879 wurde die Langauergasse nach Johann Langauer benannt.

Neben der „Alte Hühnersteige“ Georg Röhrls Backstube

Langauer soll sehr speziell und äußerst resolut gegen seine Gäste vorgegangen sein. Wer ihm nicht passte, wurde eigenhändig vor die Tür gesetzt.

1860/61 war Karl Wimberger („Der gute alte Papa Wimberger“) der Besitzer der „Alten Hühnersteige“. 1861 übernahm dieser dann die „Neue Hühnersteige“, in der heutigen Mariahilfer Straße 137. 1866 eröffnete er dann das Gasthaus Wimberger (Neubaugürtel Ecke Märzstraße).

Plan wien.gv.at

Nach Langauers Tod 1881 übernahm dessen Neffe Franz Schlichtinger (1830-1886) das Lokal.

1883-10-15 Morgen-Post, ANNO

„Die wackeren Seelen und Kehlen“ in der „Alten Hühnersteige“

1883-02-27 Neues Wiener Tagblatt, ANNO

Er starb nur fünf Jahre später mit 56 Jahren. Die „alte Hühnersteige“ vererbte er seiner verwitweten Schwester Josefa Schmalhofer (1843-1915). Das Gesamtvermögen Schlichtingers betrug 250.000 fl. (nach heutigem Wert fast 4 Mio Euro). Etwa 1888 heiratete Josefa den Gastwirt Franz Klee, mit dem sie das Lokal dann führte.

1890/92 erfolgte die Eingemeindung der Vororte, der Linienwall wurde am 21. August 1893 der Gemeinde Wien übergeben und ab 5. März 1894 demoliert. Statt dessen wurde der Gürtel mit Grünflächen und Stadtbahn-Linie (heute U6) angelegt.

Die „Alte Hühnersteige“ war nun im Weg. 1896 wurde die Demolierung angeordnet. 1901 erwarb die Gemeinde Wien schließlich den Grund des gesamten Gebäudekomplexes.

Die „Alte Hühnersteige“ ist seitdem (Bezirks)Geschichte …

Damit genug für heute:
Gehaben Sie sich wohl!
Ihre Brigitte Neichl

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(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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