#FAQ15/084 Wo befand sich die Volksschule Viktoriagasse?

Was Sie schon immer über Rudolfsheim-Fünfhaus wissen wollten …

Die Viktoriagasse beherbergte ab 1853 bis mindestens 1942 zwei Volksschulgebäude und zwar auf Nummer 2 (Ecke Rosinagasse) und ab 1906 auf Nummer 6 (Ecke Sperrgasse 8-10). Das Schulgebäude in der Viktoriagasse 6 besteht noch. Aktuell sind dort unterschiedliche Institutionen wie die Naturfreunde oder der Schwerhörigenverband VOX untergebracht. Lesen Sie mehr …

Sie interessieren sich für interessante Details aus Vergangenheit & Gegenwart von Rudolfsheim-Fünfhaus, dem 15. Wiener Gemeindebezirk? Dann sind Sie hier richtig beim Blog WIENfünfzehn!

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FAQ=Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)

Maria Theresia und die Schulpflicht

Die Anfänge des staatlichen Schulwesens in Österreich gehen auf die Schulreform von 1774 unter Maria Theresia zurück. Es wurde eine öffentliche Staatsschule mit sechsjähriger Schulpflicht eingeführt. 1869 wurde die Schulpflicht von sechs auf acht Jahre erhöht. 1927 wurde die Hauptschule eingeführt, die Pflichtschule für die 10- bis 14-jährigen. (vgl. Geschichte des Österreichischen Schulwesens)

Die gesetzliche Schulpflicht wurde anfangs kaum beachtet. Nur wenige Kinder besuchten die Schule. Dabei spielte nicht nur eine Rolle, dass es vielen Eltern schwerfiel, das wöchentliche Schulgeld aufzubringen. Noch wichtiger war wohl, dass die Kinder als Arbeitskräfte benötigt wurden, entweder in der eigenen Landwirtschaft oder als billige Arbeitskräfte in den Fabriken und Handwerksbetrieben mit einer zehn- oder zwölfstündigen täglichen Arbeitszeit.

Die ersten Schulen im heutigen 15. Bezirk

Im letzten Drittel des 18. Jhdts. wurden auf dem Gebiet des heutigen 15. Bezirks die beiden ersten Schulen eröffnet. Eine in Reindorf (heutige Kellinggasse 8), die andere in Fünfhaus (heute Clementinengasse 27).

Für jede Schule wurde in einem Privathaus ein Zimmer gemietet. Es waren die sogenannten Trivialschulen, in denen die Kinder vor allem Religionsunterricht erhielten und außerdem notdürftig Lesen und Schreiben, sowie die vier Grundrechnungsarten erlernten.

Die Eltern, die ihr Kind in eine solche Schule schickten, mussten wöchentlich ein Schulgeld von einem Kreuzer (= etwa 2,00 €) bezahlen. Das entsprach um 1800 etwa dem Preis für sechs Eier oder zwei Liter Milch, was sich viele Familien nicht leisten konnten. Da von diesem Schulgeld auch das Gehalt des Lehrers bezahlt wurde, waren diese genötigt, die paar Kreuzer notfalls einzutreiben. Das war dem Kontakt zwischen Lehrer und Eltern nicht gerade dienlich.

Von der Trivialschule zur Volksschule

Die Schulgesetze von 1867 und 1869 trugen der wirtschaftlichen Realität Rechnung. Aus den primitiven Trivialschulen wurden die Volksschulen, die Pflicht zum Schulbesuch wurde durchgesetzt. Die räumlichen Voraussetzungen blieben allerdings noch unzureichend, mehr als hundert Kinder in einer Klasse waren die Regel. Der Umschwung kam erst nach der Eingemeindung der Vororte nach Wien (1890/92).

Das älteste Schulgebäude unseres Bezirks in der Oelweingasse (an der Stelle des heutigen Gasthauses „Quell“), wurde von 1789 bis 1894 benützt.

In Fünfhaus wurde 1826 in einem Privathaus in der Turnergasse eine Pfarrschule eingerichtet. 1827 konnte der einstöckige Neubau in der Herklotzgasse 21 bezogen werden. 1869 wurden zwei Stockwerke aufgesetzt.

1853: Volksschule Eins in der Viktoriagasse

1853 wurde ein weiteres Schulgebäude in der heutigen Viktoriagasse 2 – damals Feldgasse bzw. Mittelrusten(gasse), später Quergasse – errichtet.

Plan 1853, BM 15

Fünfhauser Hauptstraße = Mariahilferstraße
Badgasse = Würffelgasse
Feldgasse (Richtung Mariahilferstraße) = Sperrgasse
Gasse neben Bräuhaus = Rosinagasse

Plan 1862, BM 15

Ziegelofengasse = Lichtgasse
Gemeindegasse = Rosinagasse
Quergasse = Viktoriagasse
Feldgasse = Sperrgasse

Im Fremden-Blatt vom 5.10.1853 heißt es zur Schule:

1853-10-05 Fremden-Blatt, ANNO

Transkript

* Gestern Vormittag fand die Grundsteinlegung an der neuerbauten Schule zu Rustendorf und Fünfhaus nach vorgegangenem Hochamte in der Pfarrkirche zu Rustendorf statt.

An dieser Stelle – Ecke Rosinagasse Viktoriagasse befand sich von 1853-1906 die Volksschule Viktoriagasse 2
Foto: Brigitte Neichl 2021

1906: Volkschule Zwei in der Viktoriagasse

1906 wurde in der Viktoriagasse 6 / Sperrgasse 8-10 eine neue Volksschule eröffnet. Das Gebäude Viktoriagasse 2 wurde abgerissen.

Fotos Viktoriagasse 6 / Sperrgasse 8-10: Brigitte Neichl 2021

Von der Feldgasse / Mittelrusten zur Viktoriagasse

Die Benennung der Viktoriagasse erfolgte 1864/1871 nach den Viktoriasälen. Diese befanden sich von 1849-in der Gasgasse 4-6, Zwölfergasse 3-15 und beinhalteten einen Biergarten und ein Vergnügungsetablissement und wurden von Franz Zobel geführt. Im täglichen Sprachgebrauch setzte sich die Bezeichnung nicht durch, weil die Wiener*innen stets „beim Zobel“ oder Zobels Bierhalle sagten.

„Beim Zobel fanden neben beliebten und stark frequentierten Bällen und Maskenbällen (vor allem den berühmten, selbst von der Aristokratie besuchten „Fiakerbällen“) auch Konzerte (bei denen oft Johann Strauß Sohn dirigierte), Auftritte von Militärkapellen (beispielsweise Karl Komzak) und Volkssängerveranstaltungen (beispielsweise Kampf und Fanny Hornischer und Antonie Mansfeld) sowie politische und gewerkschaftlische Großveranstaltungen und Kundgebungen (insbesonders der Arbeiterbewegung) statt.“ (WienGeschichteWiki)

An der Stelle von Zobels Bierhalle befinden sich heute Wohnbauten sowie seit 1884 das Amtshaus für den 15. Bezirk (davor Rathaus von Fünfhaus) und auch das Bezirksmuseum.

Von 1850 bis etwa 1900 befand sich in der heutigen Viktoriagasse das Victoriabad (Würffel’sches Bade-Etablissement), das von Carl Würffel (17.2.1824-14.10.1905) betrieben wurde. 1894 wurde die Badgasse (siehe Plan oben) nach ihm in Würffelgasse umbenannt.

Heutige Nutzung des Schulgebäudes

Das Schulgebäude besteht immer noch und wurde jedenfalls bis 1942 als Schule genutzt. Ab wann die Viktoriagasse 6 nicht mehr als Volksschule in Verwendung stand, muss noch recherchiert werden. Falls Sie dazu Informationen (mit Quellenangaben) haben, freuen wir uns über Ihre Nachricht unter office@bm15.at

Aktuell beherbergt das Gebäude unterschiedliche Institutionen wie die Naturfreunde, das Schwerhörigenzentrum VOX, den Österreichischen Seniorenrat oder den Musikverein Symphonia


Vorort-Geschichte(n) #011

In Folge 11 unserer „Vorort-Geschichte(n) aus Wien Rudolfsheim-Fünfhaus“ geht es auch um die Volksschule in der ViktoriagasseHören Sie rein!

Damit genug für heute:
Gehaben Sie sich wohl!
Ihre Brigitte Neichl


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Oder wie es Anton Ziegler 1828 (*) so schön ausgedrückt hat:

Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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2 Kommentare zu „#FAQ15/084 Wo befand sich die Volksschule Viktoriagasse?

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