#FAQ15/078 Wo befand sich die Urania-Zweigstelle in Fünfhaus?

Was Sie schon immer über Rudolfsheim-Fünfhaus wissen wollten …

Die Wiener Urania wurde 1897 gegründet. Ein Jahr später errichtete man anlässlich der Jubiläumsausstellung ein provisorisches Urania-Gebäude im Wiener Prater. 1910 wurde das auch heute noch bestehende Urania-Gebäude am Julius Raab Platz eröffnet. In der Zeit der 1. Republik, eröffnete die Urania insgesamt 60 Zweigstellen in ganz Österreich. Eine davon wurde 1925 in Fünfhaus eröffnet. Lesen Sie mehr …

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FAQ=Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)

Die Wiener Urania

Die Wiener Urania wurde 1897 auf Initiative des deutschen Astronomen Max Wilhelm Meyer nach dem Vorbild der Berliner Urania gegründet. 1898 errichtete man anlässlich der Jubiläumsausstellung zum 50-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. ein provisorisches Urania-Gebäude im Wiener Prater.

Im Dezember musste das Unternehmen geschlossen werden. Danach verlegte die Urania ihre Tätigkeit in angemietete Räume in der Wollzeile 34 im 1. Wiener Gemeindebezirk.

Da der große Besucherandrang mit den vorhandenen provisorischen Räumlichkeiten kaum zu bewältigen war, wurde am 24. Juni 1904 im Gemeinderat beschlossen, der Urania einen Baugrund am bislang unverbauten Aspernplatz (seit 1976: Julius Raab Platz) zu überlassen.

Geplant wurde das Urania- Gebäude vom Otto Wagner– Schüler Max Fabiani (1865-1962).

1909 wurde mit den Bauarbeiten begonnen, die 1910 fertig gestellt wurden. Am 6. Juni 1910 eröffnete Erzherzog Ferdinand Karl (Bruder des Thronfolgers Franz Ferdinand) die Urania am heutigen Standort.

In Vertretung von Kaiser Franz Joseph I. nahm dieser die feierliche Schlusssteinlegung der Wiener Urania vor. Am Abend fand im Theatersaal (heute Kinosaal) ein Festkonzert mit Künstler*innen der Hofoper und des Burgtheaters statt. Bereits drei Wochen früher – am 20. Mai – wurde die Urania-Sternwarte in Betrieb genommen, um den Vorbeiflug des Halleyschen Kometen beobachten zu können.

Das NeuigkeitsWeltBlatt schreibt dazu am 9.6.1910: „Das neue, in einfach vornehmen Stil gehaltene Heim der Urania erhebt sich auf einer zwischen der Aspernbrücke und der Mündung des Wienflusses in den Donaukanal gelegenen Grundfläche im Ausmaß von 1000 Quadratmetern. Das etwa drei Stock hohe, von einem Kuppelbau – der Sternwarte – gekrönte Gebäude hat die Form einer Ellipse, die vorne an der Hauptfassade abgeschnitten ist.“

Bei der Festveranstaltung am Abend traten u.a. Elsa Wohlgemuth vom Burgtheater und Madame Charles Cahier von der Hofoper auf. Gezeigt wurde auch „in seltener Reinheit und natürlicher Farbenpracht zur Projektion gebrachte(…) Autochrombilder“.

Das NeuigkeitsWeltBlatt resümiert schließlich, dass die Wiener Urania „(a)lles in allem eine neue Zier unserer Residenzstadt [ist], die nicht allein die Bewunderung der Einheimischen, sondern auch aller Fremden in der Gegenwart und Zukunft auslösen wird.“

„Das beigegebene Bild ist die Reproduktion einer gelegentlich der Eröffnungsfeier aufgenommenen Momentphotographie. Sie zeigt die Abfahrt des Erzherzogs Ferdinand Karl nach der erfolgten Besichtigung des Hauses.“ NeuigkeitsWeltBlatt 9.6.1910 aus ANNO

Damaliger Direktor war Friedrich Umlauft, der zwischen 1899 und 1922 amtierte. Es wurde ein umfangreicher Vortragsbetrieb mit namhaften Professoren, Künstlern und Intellektuellen wie Albert Einstein, Thomas Mann oder Max Planck geboten.

In den Bildungsprogrammen der Wiener Urania kamen zum ersten Mal in Wien neueste technische Errungenschaften, wie der Projektionsapparat oder der Stumm- und Tonfilm, zum Einsatz. Zudem befand sich in der Wiener Urania die erste Volkssternwarte Österreichs.

In ihrer Blütezeit, in der Zeit der 1. Republik, eröffnete die Urania insgesamt 60 Zweigstellen in ganz Österreich.

Ferdinand Karl Ludwig Joseph Johann Maria (1868-1915) war ein Sohn von Erzherzog Karl Ludwig von Österreich und Prinzessin Maria Annunziata von Neapel-Sizilien und ein Bruder des Thronfolgers Franz Ferdinand. Wikipedia

Madame Charles Cahier (1870-1951), war eine bedeutende Lied- und Opernsängerin des frühen 20. Jahrhunderts in den Stimmlagen Mezzosopran und Alt. Sie wurde von Gustav Mahler an das k.k. Hof-Operntheater in Wien verpflichtet. Wikipedia

Zur Autochromtechnik siehe Wikipedia

Zweigstelle Fünfhaus „auch in die Außenbezirke Bildung tragen“

Eine dieser Zweigstellen der Wiener Urania wurde 1925 in Fünfhaus in der Realschule am Henriettenplatz eröffnet. Dies war die erste Zweigstelle in den äußeren Bezirke.

Die feierliche Eröffnung fand im Festsaal der Schule statt. Zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Politik und (Schul)Verwaltung waren dabei anwesend. Etwa Vizekanzler Dr. Waber, Ministerialrat Ing. Witt (*) vom Bundesministerium für Unterricht, Universitätsprofessor Dr. Storch, Landesschulinspektor Hofrat Doktor Tetsch, sowie Vertreter der Gemeinde des Ortsschulrates, des Bezirksausschusses, die Direktion und der Lehrkörper der Bundesrealschule am Henriettenplatz und anderer Mittel-, Volks- und Bürgerschulen des 12., 13., 14. und 15. Bezirk.

1925-10-08 Wiener Zeitung, ANNO

Transkript

Eröffnung der Urania Zweigstelle Fünfhaus.

im Festsaale der Bundesrealschule auf dem Henriettenplatz in Fünfhaus fand Sonntag vormittags unter außerordentliche reger Beteiligung die feierliche Eröffnung der neuen Zweigstelle Fünfhaus des Volksbildungshaus Wiener Urania statt. Zu der Feier waren erschienen Vizekanzler Dr. Waber, Sektionschef Dr. Pohl und Ministerialrat Ing. Witt (*) vom Bundesministerium für Unterricht, Universitätsprofessor Dr. Storch in Vertretung der Wiener Universität, Landesschulinspektor Hofrat Doktor Tetsch, sowie Vertreter der Gemeinde des Ortsschulrates, des Bezirksausschusses, die Direktion und der Lehrkörper der Bundesrealschule am Henriettenplatz und anderer Mittel-, Volks- und Bürgerschulen des 12., 13., 14. und 15. Bezirk.

Der Präsident der Urania Dr. Ludwig Koeßler wies in seiner Begrüßungsansprache besonders darauf hin, daß die Urania mit den Volkshochschulkursen in dieser neuen Zweigstelle zum ersten Mal in die äußeren Bezirke vordringe und damit der wichtigen Aufgabe der ganzen Bevölkerung zu dienen, wieder um einen Schritt näher zu kommen glaubt.

Vizekanzler Dr. Waber überbrachte die Grüße der Bundesregierung, wobei er erklärte, mit besonderer Freude konstatieren zu können, daß die Eröffnung der Fünfhauser Zweigstelle einen neuen Erfolg der Urania und ihrer volksbildnerischen Bestrebungen darstellt. Die Verdienste, die sich die Urania und ihr Präsident erworben, seien schon geschichtliche Tatsachen. Man müsse es begrüßen, daß eine in jeder Hinsicht freie Organisation ein derart musterhaftes Unternehmen geschaffen hat, wie es die Wiener Urania darstellt. Wir alle, schloß der Vizekanzler, danken der Urania für die von ihr geleistete Arbeit und sprechen den Wunsch aus, daß ihre Bemühungen um die Verbreitung von Wissen und Bildung in der Bevölkerung von Erfolg getragen sein mögen.

Sektionschef Dr. Pohl überbrachte die herzlichsten Wünsche des Bundesministeriums für Unterricht und insbesondere des Bundesministers Dr. Schneider, der es mit besonderer Anerkennung begrüßt, daß eines der hervorragendsten Wiener Bildungsinstitute, die Urania, es unternommen hat, auch in die Außenbezirke Bildung zu tragen. Der Redner schloß mit dem Wunsche, daß an dieser Stätte in den Abendstunden echte, ehrliche Volksbildungsarbeit geleistet werden möge.

Bezirksrat Benus dankte im Namen des von Wien abwesenden Bezirksvorsteher der Urania für die Errichtung der neuen Zweigstelle in Fünfhaus. Der Direktor der Realschule im Henriettenplatz [Hubert] Partisch begrüßte namens ihres Lehrkörpers die Errichtung der neuen Zweigstelle.

Sodann hielt Professor Dr. Alfred Laßmann [1883-1964] einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Volkshochschulkurse, deren Entwicklung und über ihre wichtigsten Aufgaben für die Heranbildung freier Menschen.

Mit mehreren Rezitationen des Direktors K. Jäger, die stürmischen Beifall fanden, einem Violinsolo von F. Kollmann und Vorträgen des Kollmann-Barthlmé-Quartetts schloß die Feier.

(*) Ministerialrat Ing. Gustav Adolf Witt war Leiter der Zentralstelle für Volksbildung

Plakat Volksbildungshaus Urania Volkshochschul-Kurse 1928/29

Auf dem Programm der Zweigstelle Fünfhaus standen u.a. künstlerische Veranstaltungen, Vorträge, Kammermusikabende, Lichtbildvorträge und Lesungen.

Einer der Vortragenden war Karl Jäger (1871-1960), Mundartschriftsteller und künstlerischer Leiter der Urania.

1925-11-21 Reichspost, ANNO

Transkript

Kunstabende in den Uraniazweigstellen. Im Laufe des Winters und Frühjahrs wird in den Uraniazweigstellen Josefstadt und Fünfhaus eine Reihe künstlerischer Veranstaltungen stattfinden. Geplant sind an jedem Sonntag 6 Uhr abends, abwechselnd ernste und heitere Vorlesungen, Kannermusikabende und Lichtbildvorträge. Die Reihe der Kunstabende eröffnet Direktor Karl Jäger am Sonntag, den 22. d., in der Zweigstelle Fünfhaus mit einer Rosegger-Vorlesung.

Karl Jäger, Gemälde, VHS Wiener Urania

Gymnasium Henriettenplatz

Der Henriettenplatz entstand nach der Parzellierung des Arnstein-Schlosses. Auf dem Platz steht eine neugotische Mariensäule, die 1863 geweiht wurde. 1864/1869 wurde der Platz nach der Familie Arnstein – Nathan Adam Freiherr von Arnstein und Fanny von Arnstein benannt. Ursprünglich hieß er Marienplatz. In der NS-Zeit -zwischen 1938-1945 – wurde der Platz in Braunschweigplatz umbenannt.

Henriettenplatz mit Realschule und Mariensäule, um 1900, Foto BM 15

1872 wurde am Henriettenplatz eine Oberrealschule gegründet. Von 1947-2014 befand sich hier auch das Gymnasium für Berufstätige (auch Arbeitermittelschule).

Gymnasium für Berufstätige am Henriettenplatz (1947-2014)

Im Wintersemester 2014/15 übersiedelte die nun Abendgymnasium Wien genannte Einrichtung in den 21. Wiener Gemeindebezirk, in die Brünner Straße 72.


Damit genug für heute:
Gehaben Sie sich wohl!
Ihre Brigitte Neichl


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(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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Fr: 15.30-17.30
(an Feiertagen, schulfreien Tagen und im Juli & August geschlossen)

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