#FAQ15/057 Wer war Anton Brenner und wo befindet sich seine „Wohnmaschine“?

Was Sie schon immer über Rudolfsheim-Fünfhaus wissen wollten …

Anton Brenner (1896-1957) ist ein heute weitgehend vergessener visionäre Architekt. In dem von ihm geplanten Gemeindebau in der Rauchfangkehrergasse war jeder Zentimeter in jedem Raum bis ins Kleinste durchdacht und funktional geplant. Er selbst wohnte ebenfalls in diesem Bau. Seit 2003 ist diese Wohnung als Museum zugänglich.

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FAQ=Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)

Anton Brenner (12.8.1896 -26.11.1957)

In der Rauchfangkehrergasse 26 (Ecke Heinickegasse 1) befindet sich ein Gemeindebau – erbaut 1924/25 nach Plänen des Architekten Anton Brenner.

Es ist ein kubische Eckblock mit Loggien und Balkons. Zum ersten Mal in Wien wurden dabei Saalwohnungen mit flexiblen Zwischenwänden verwirklicht. Die im Haus gelegene Wohnung Brenners ist im Originalzustand erhalten.

Die Wohnhausanlage der Gemeinde Wien inkl. der Wohnung Brenners steht unter Denkmalschutz.

Gemeindebau Rauchfangkehrergasse 26 / Heinickegasse 1, Quelle: Wikipedia

Anton Brenners „Wohnmaschine“

Anton Brenner ist ein heute weitgehend vergessener visionäre Architekt. In dem von ihm geplanten Gemeindebau in der Rauchfangkehrergasse war jeder Zentimeter in jedem Raum bis ins Kleinste durchdacht und funktional geplant.

Vor allem auch in der kleinen Küche der Wohnung waren diese Gedanken bereits angelegt. Die Hülle dieses Wohnetuis bildeten die Nischen und Einbauschränke. Durch eine versetzte Anordnung der die Wohnung abgrenzenden Füllwände entstanden Nischen, also zusätzlicher Raum, der für Möbeleinbauten genutzt wurde.

Das Tragwerk bestand – völlig unüblich für einen Gemeindewohnbau jener Zeit – aus einem Stahlbetonskelett.

Brenner selbst bewohnte mit seiner Familie eine eigentlich für Dienstbot*innen gedachte 38m² Wohnung in selben Haus. Seit ihrer Renovierung 2003 ist diese Wohnung als Museum zugänglich.

In der berühmten „Frankfurter Küche“ der Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897-2000) lassen sich Ansätze von Brenner erkennen. Es ist jedoch heute noch immer umstritten, von wem die ursprüngliche Idee stammt.

Das Gemeindehaus mit den eingebauten Möbeln

Plan für die Wohnungen im Gemeindebau Rauchfangkehrergasse, 1924-03-19 Der Tag, ANNO
1926 Zeitschrift des österreichischen Ingenieursvereins, ANNO

Transkript (Auszug):

(…) Mit dem Versuchsbau nach dem Entwurfe des Architekten Anton Brenner im Gemeindebau Wien XIV Rauchfangkehrergasse – Heinickegasse, wurde eine neue Wohnungsart praktisch durchgeführt, wo durch den Einbau des Mobiliars so viel an Raum gespart wurde, das trotz des geringen Ausmaßes von 38 m2 Wohnungen entstanden, die aus zwei Zimmer (Wohn- und Schlafraum), Küche, Vorraum, W.C., auch Wasch- und Duschraum und Besenkammer, bestehen. Der größte Wert bei dem Entwurf dieser Type wurde auf die Unterbringung und Stellung der Betten gelegt. Eine Anordnung von wechselseitig angeordneten Nischen (nach einem Patent des Planverfassers) durch Auflösung der Mittelmauer in einzelne Pfeiler, durch die Wechselstiege und die im Halbstock zueinander liegenden Wohnungen bedingt, gestattet im Wohnzimmer Klappbetten aufzustellen und im Schlafraum ein Doppelbett mit seinem Kopfende und den beiderseitigen Nachtkästchen einzubauen. Durch diese Stellung des Doppelbettes wurde der Raum beim Fenster erweitert, so daß dieses Zimmer tagsüber als Studier- und Arbeitsraum seine Verwendung finden kann. Im Wohnzimmer wird der Anblick der Nische mit den aufgeklappten Betten durch einen zweiteiligen Paravent verdeckt. Wenn man letzteren abends aufstellt, entsteht noch mittels eines Vorhangs an umklappbarer Stange eine vollkommen abgeschlossene Schlafkabine. (…) Die Küche ist in der Raumbemessung auf das Genaueste berechnet. Sie erspart der Hausfrau jeden unnützen Schritt. Gasherd und darunter vorzuschiebende Kochkiste, eine Warm- und Kaltabwasch, die, mit einem verzinkten Ablaufbrett abgedeckt, auch als Abstelltisch dient und der Ausguss mit Wandbrunnen sind an der einen Seite angeordnet, während die Fensterseite in der ganzen Länge von einem angepassten Küchenschrank, dessen Platte auch als Arbeitstisch dient, eingenommen wird. Alle Gegenstände für die Reinigung der Wohnung (…) sind in die Besenkammer gestellt. Dort ist auch die Einwurföffnung für den Müllschlucker (…)

1926 Zeitschrift des österreichischen Ingenieursvereins, ANNO
Einbaumöbel in der Wohnung Brenner im Gemeindebau Rauchfangkehrergasse 26, Wikipedia
Im Bild ein Ausschnitt der von Anton Brenner entworfenen Küche. Durch die Neukonzeption der Architektin Margarethe Schütte-Lihotzky wurde die minimalistischen und funktionale Küchenkonstruktion weltweit unter dem Namen „Frankfurter Küche“ bekannt.

Wer war Anton Jakob Brenner?

Anton Brenner, Foto: Zeit!Raum

Anton Jakob Brenner war der Sohn des Kunsttischlers und Fabriksarbeiters Anton Brenner und der Lebensmittelhändlerin Antonia Brenner, geb. Bilek.

Er besuchte die Bürgerschule und anschließend die Handelsakademie. Im Herbst 1914 legte die Notmatura ab und meldete sich anschließend freiwillig zum Kriegsdienst.

1916 geriet er russische Kriegsgefangenschaft. Diese verbrachte er in Sibirien, wo er Architekturkurse besuchte, die von Mitgefangenen (u. a. Hans Jaksch) abgehalten wurden.

1919, nach seiner Entlassung hielt er sich ein Jahr in China auf, wo er in Tsingtau 1920 eine Kirche und eine Schule errichtete.

Nachdem er nach Wien zurückgekehrt war, studierte er von 1920-1926 Architektur, u.a. bei Oskar Strnad, Josef Frank, Peter Behrens und Clemens Holzmeister.

Bereits während seines Studiums erhielt er von der Gemeinde Wien den Auftrag zur Errichtung einer Wohnhausanlage in der Rauchfangkehrergasse 26 (1924–25). Die Grundrisse durch die Anlage von Nischen für Einbaumöbel fanden international Beachtung.

Nach dem Studium nahm Brenner 1926 in Frankfurt am Main eine Stelle im Hochbauamt an. Mit dem sogenannten Laubenganghaus „Brennerblock“ (1928), bei dem die Wohnungen über offene Gänge von außen erschlossen wurden macht er sich einen Namen.

1929 wurde er schließlich als Leiter der Architekturabteilung an das Bauhaus Dessau berufen. 1931 erbaute er – auf Einladung von Josef Frank – in Wien 13 (Engelbrechtweg 9 und 11) ein Doppelwohnhaus in der neuen Werkbundsiedlung.

Wie bei der Wohnhausanlage in der Rauchfangkehrergasse legte er dabei auch hier das Hauptgewicht auf optimale Raumausnützung und gleichzeitig hohen Wohnkomfort.

Während des 2. Weltkriegs war anton Brenner 1939 Lazarettbauleiter der Luftwaffe. Nach dem Krieg war 1948 war er für die Britische Botschaft in Wien tätig: gemeinsam mit seinem Sohn Tonio stellte er die bombenbeschädigte Britische Botschaft in Wien 3 (Landstraße) wieder her.

1949/50 errichtete er einen Gemeindebau in Wien 3, Strohgasse 14.

1951 bewarb sich Anton Brenner als Professor am Indian Institute of Technology in Khargarpur, kehrte allerdings – da dort kaum Studierende gewonnen werden konnten – bereits nach zwei Jahren nach Wien zurück. Dort arbeitete er ab 1953 mit seinem Sohn Tonio zusammen.

Anton Brenner starb am 26.11.1957 bei einem Autounfall in der Nähe von Wien und wurde in einem Urnengrab am Zentralfriedhof bestattet.

Ehe (1921) mit Erna Ida geb. Schneider (*1899)
Kinder: Anton (Tonio, *1925), Architekt; Sylvia (1929) vereehl. Müller; Bettina (1940)

(vgl. Österreichisches Biographisches Lexikon)

Gemeindebau-Museum

Anton Brenner lebte selbst in einer dieser Wohnungen. Sie ist bis heute weitgehend erhalten und wird von Zeit!Raum (ein Netzwerk mit vielfältigen sozialen Projekten v.a für Kinder und Jugendliche) verwaltet. In der Wohnung in der Heinickegasse/Ecke Rauchfangkehrergasse ist sehr viel seiner ursprünglichen Form seit dem Bau 1925 erhalten geblieben. Sie wurde renoviert und ist interessierten BesucherInnen zugänglich. Kontakt

Quellen

Damit genug für heute:
Gehaben Sie sich wohl!
Ihre Brigitte Neichl


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(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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3 Kommentare zu „#FAQ15/057 Wer war Anton Brenner und wo befindet sich seine „Wohnmaschine“?

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