#FAQ15/050 Wie war die Wohnsituation im 15. Bezirk? Teil 3: Nach 1945

Was Sie schon immer über Rudolfsheim-Fünfhaus wissen wollten …

Seit 2007 findet jährlich in allen Wiener Bezirksmuseen der Tag der Bezirksmuseen mit wechselnden Themen statt. 2017 ging es um „Wiener Gemeindebauten“. In den folgenden drei Folgen erfahren Sie mehr über die Wohnsituation im Gebiet des heutigen 15. Bezirk in der Zeit von 1900 bis in die Gegenwart. Teil 3 beleuchtet die Wohnsituation nach 1945. Teil 2 befasst sich mit der Zeit von 1934-1945. In Teil 1 geht es um die Zeit von 1900-1930.

Sie interessieren sich für interessante Details aus Vergangenheit & Gegenwart von Rudolfsheim-Fünfhaus, dem 15. Wiener Gemeindebezirk? Dann sind Sie hier richtig beim Blog WIENfünfzehn!

Haben Sie auch eine Frage? Dann schreiben Sie uns unter faq15@bm15.at

FAQ=Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)

WIEDERAUFBAU NACH DEM KRIEG

Nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-1945) mussten zunächst die Kriegsschäden beseitigt werden.  20% aller Wohnungen in Wien, rund 87.000, waren zerstört. 35.000 Menschen waren obdachlos.

In Rudolfsheim-Fünfhaus war etwa jede sechste Wohnung nicht benützbar. Besonders schlimm waren die Zerstörungen im Bereich des Westbahnhofs und beiderseits der Bahngleise, da Bahnanlagen ein bevorzugtes Ziel der Luftangriffe waren.

So sah es nach Kriegsende an vielen Stellen im Bezirk aus. Hier im Bild ein zerstörtes Wohnhaus in der Mariahilferstraße 206.

Die Wohnungsnot in der Nachkriegszeit war besonders drückend. Auch die bewohnbaren Wohnungen hatten meist irgendwelche Schäden, rund 90 Prozent der Fensterscheiben waren kaputt.

Erst in den 1950er Jahren herrschte wieder rege Bautätigkeit, vor allem nachdem 1954 das Wohnbauförderungsgesetz in Kraft getreten war. Es ging der Gemeinde Wien vor allem darum, möglichst viel Wohnraum in möglichst kurzer Zeit zu schaffen.

Im 15. Bezirk entstanden nach dem Krieg 99 neue Gemeindebauten. Die ersten 1950 – es waren dies Nobilegasse 36 und Sturzgasse 29, mit zusammen 29 Wohnungen.

Erst danach kam der Wohnungsbau wirklich in Schwung. 1951 wurde die 100.000 Wohnung seit 1923 fertiggestellt, 1956 die 50.000ste und 1969 die 100.000ste seit dem Ende des Krieges.

Der kommunale Wohnbaustil der Nachkriegszeit zeichnete sich durch schlichte Fassadengestaltung aus.

MODERNER WOHNBAU UND SANIERUNGEN

Vor allem ab den 1960er Jahren entstanden typische Hochhaussiedlungen im Fertigteilbau, bei dem vorgefertigte  Konstruktionselemente vor Ort zusammengefügt wurden.

In  den 1970er Jahren wurde verstärkt Wert auf bewohnerorientierte Stadterneuerung gelegt. Es wurden Gebietsbetreuungen eingerichtet, der automatisierte Mietzinseinzug eingeführt und nachträglich Aufzüge eingebaut.

Bis 1971 wurden im 15. Bezirk 4.815 Wohnungen gebaut, davon 1.891 von der Gemeinde Wien. Die größten Wohnbauten, mit jeweils mehr als 200 Wohnungen waren der Karl-Frey-Hof in der Hütteldorfer Straße 81a (1954), der Heinrich-Hajek-Hof in der Oeverseestraße 13-19 (1956) und  der Willi-Liwanec-Hof in der Minciostraße 35 (1968).

Eröffnung des Heinrich-Hajek-Hofes durch Bürgermeister Felix Slavik

Der Bau Hütteldorferstraße 81a war auch die letzte Wohnadresse von Anna  Boschek (1874-1957). Sie gehörte 1919 zu den ersten acht Frauen im österreichischen Parlament.

Das Mietrechtsgesetz von 1981 brachte die „kleine Mieterinnen-und Mietermitbestimmung“. Im Zuge dessen wurden die Bewohner*innen zu Teilbereichen ihrer Wohnhausanlage befragt. Das Sanierungsprogramm wurde ab 1984 mit Hilfe des Bodenbereitstellungs- und Stadterneuerungsfonds (WBSF) verstärkt durchgeführt.

Waren 1984 noch 39% aller Wohnungen Substandardwohnungen, also Wohnungen ohne eigene Toilette und ohne Fließwasser, verringerte sich deren Anteil bis 2009 auf 5%. 

SOZIALER WOHNBAU HEUTE

Heute lebt etwa jede/r vierte Wiener/in in einem Gemeindebau. Die Stadt Wien besitzt rund 220.000 Gemeindewohnungen und ist somit die mit Abstand größte Hausverwaltung Europas.

Der jüngste Gemeindebau im 15. Bezirk befindet sich in der Goldschlagstraße 108 und wurde 1999 fertig gestellt. An seiner Stelle befand sich ursprünglich ein dreigeschoßiges Wohnhaus mit 15 Wohnungen, zwei Lokalen und einem Kindertagesheim, das 1995 abgetragen wurde.

Dieses Gebäude diente ehemals als Schulgebäude der Stadt Wien. Benannt wurde die Anlage 2002 nach dem Präsidenten des Vereins „Jugend am Werk“ Franz Gawlik.

Franz-Gawlik-Hof in der Goldschlagstraße 108, erbaut 1999

LITERATUR & QUELLEN

Autengruber, Peter / Schwarz, Ursula: Lexikon der Wiener Gemeindebauten, Wien-Graz-Klagenfurt 2013

Exenberger, Herbert / Koß, Johann / Ungar-Klein, Brigitte: Kündigungsgrund Nichtarier. Die Vertreibung jüdischer Mieter aus den Wiener Gemeindebauten in den Jahren 1938-1939, Wien 1996

Klusacek, Christine/ Stimmer, Kurt: Rudolfsheim-Fünfhaus. Zwischen Wienfluß und Schmelz, Wien 1978

Podbrecky, Inge: Rotes Wien. Gehen & Sehen, 5 Routen zu den gebauten Experimenten, Von Karl-Marx-Hof bis Werkbundsiedlung, Falter Citywalks 4, Wien 2013

Der Wiener Gemeindebauten – wienerwohnen.at

Liste der Gemeindebauten in Rudolfsheim-Fünfhaus


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Fr: 15.30-17.30
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