#FAQ15/048 Wie war die Wohnsituation im 15. Bezirk? Teil 1: 1900-1930

Was Sie schon immer über Rudolfsheim-Fünfhaus wissen wollten …

Seit 2007 findet jährlich in allen Wiener Bezirksmuseen der Tag der Bezirksmuseen mit wechselnden Themen statt. 2017 ging es um „Wiener Gemeindebauten“. In den folgenden drei Folgen erfahren Sie mehr über die Wohnsituation im Gebiet des heutigen 15. Bezirk in der Zeit von 1900 bis in die Gegenwart. Teil 1 befasst sich mit der Zeit von 1900-1930.

Sie interessieren sich für interessante Details aus Vergangenheit & Gegenwart von Rudolfsheim-Fünfhaus, dem 15. Wiener Gemeindebezirk? Dann sind Sie hier richtig beim Blog WIENfünfzehn!

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FAQ=Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)

WOHNEN IN WIEN UM 1900

Elendsquartier um 1925

Um 1900 gab es auf dem Gebiet des heutigen 15. Bezirks zu mehr als 80 Prozent Klein- und Kleinstwohnungen mit meist nur einem Wohnraum, einer finsteren Gangküche, ohne eigenes Wasser, stattdessen einer „Bassena“ am Gang und einem gemeinsamen Gangklosett. Die Miete betrug oft die Hälfte eines Arbeiterlohnes.

Viele Arbeiter*innen (ca. 22%) konnten sich aber nicht einmal das leisten und wohnten als Untermieter*innen oder waren sogenannte „Bettgeher*innen“ (ca. 10%), d.h. sie mieteten nur die Benützung eines Bettes. Oft war ein Bett an zwei Schichtarbeiter*nnen vermietet, die einander an der Schlafstelle ablösten.

BEGINN DES KOMMUNALEN WOHNBAUS IN WIEN – DAS ROTE WIEN

Am 4. Mai 1919 gewann die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) die Wiener Gemeinderatswahlen, die ersten freien Wahlen nach dem Sturz der Monarchie. Damit begann die Ära des Roten Wien.

Eines der dringendsten Anliegen der Regierung war es, die akute Wohnungsnot nach Kriegsende zu lindern. Wichtige Gesetze wie der Mieterschutz wurden verabschiedet. Schnell erkannte man jedoch, dass Wohnraum geschaffen werden musste. Dies war die Geburtsstunde des Kommunalen Wohnbaus.

Am 21.09.1923 wurde ein auf fünf Jahre befristetes Wohnbauprogramm beschlossen, das 1927 verlängert wurde. Zwischen 1920 und 1934 entstanden insgesamt 61.175 fortschrittliche Wohnungen, davon 2644 im 15. Bezirk.

Ansicht einer Wohnküche mit Sitznische, 1925

Die neuen Wohnungen waren 38m² oder 48m² groß, mit Wohnküche, Wasserleitung, Zimmer und Kabinett ausgestattet und konnten direkt beleuchtet und belüftet werden. Die Bauten besaßen Grünflächen und viele Wohnungen hatten einen Balkon oder Erker. Die Vergabe erfolgte nach einem Punktesystem, was bis heute der Fall ist.

Die Mieten betrugen 1926 max. vier Prozent eines Arbeiterlohnes und hatten damit eher symbolischen Charakter.

SIEDLUNG SCHMELZ – ERSTER GEMEINDEBAU IM BEZIRK

Siedlung Schmelz um 1930

Der erste Gemeindebau im Bezirk war die – schon 1919 begonnene – Wohnhausanlage Schmelz mit 765 Wohnungen. 1923 wurde der sogenannte Heimhof, das Einküchenhaus, in Form einer gemeinnützigen Bau- und Wohnungsgenossenschaft errichtet.

Aus Kostengründen entstand zunächst nur ein Teil des heutigen Baus (Stiege 1) mit 24 Wohnungen nach den Plänen von Otto Polak-Hellwig. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten der Genossenschaft übernahm die Gemeinde Wien 1925/26 den Ausbau des Heimhofs, der nun Wohnungen für 246 Familien bot.

1924 folgten Rauchfangkehrergasse 26 und der Forstnerhof in der Alliogasse 27-33. 1925 entstand der Bau in der Hütteldorferstraße 3-5, in der Chrobakgasse 3-5 und in der Hütteldorferstraße 16-22.

WEITERE GEMEINDEBAUTEN

1926 entstand einer der schönsten Gemeindebauten jener Zeit, der Vogelweidhof im Bereich Hütteldorfer Straße – Wurzbachgasse – Sorbaitgasse mit 127 Wohnungen.

Gemeindebau Vogelweidhof um 1930

Im gleichen Jahr wurden auch noch die Wohnbauten Giselhergasse 6-12, Reuenthalgasse 2-4 und Neusserplatz 1 errichtet. 1927 folgte die Gemeindebauten Graumanngasse 33, 1928 Geyschlägerstraße 2-10 und Herklotzgasse 16 (1950 nach Paula Mistinger-Mraz benannt), 1930 der 1949 nach Ferdinand Skaret benannte Bau Diefenbachgasse 49-51 und Loeschenkohlgasse 35-37, 1931 der 1950 nach Johann Hartmann benannte Bau Eduard Sueß-Gasse 28.

1932 wurden die Gemeindebauten in der Gablenzgasse 35-37, der Johann-Hartmann-Hof und die Loeschenkohlgasse 30-32 eröffnet. 1933 folgten dann noch der Grassingerhof und der Käthe-Königstätter-Hof, beide in der Tautenhayngasse.

LITERATUR & QUELLEN

Autengruber, Peter / Schwarz, Ursula: Lexikon der Wiener Gemeindebauten, Wien-Graz-Klagenfurt 2013

Klusacek, Christine/ Stimmer, Kurt: Rudolfsheim-Fünfhaus. Zwischen Wienfluß und Schmelz, Wien 1978

Podbrecky, Inge: Rotes Wien. Gehen & Sehen, 5 Routen zu den gebauten Experimenten, Von Karl-Marx-Hof bis Werkbundsiedlung, Falter Citywalks 4, Wien 2013

Der Wiener Gemeindebauten – wienerwohnen.at

Liste der Gemeindebauten in Rudolfsheim-Fünfhaus


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Fr: 15.30-17.30
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4 Kommentare zu „#FAQ15/048 Wie war die Wohnsituation im 15. Bezirk? Teil 1: 1900-1930

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