Arbeitskraft Pferd in Rudolfsheim-Fünfhaus (Bild des Monats)

Unser Bild des Monats zeigt diesmal Eindrücke vom Einsatz von Pferden für die Fortbewegung, den Transport von Lasten, die Unterstützung bei Katastropheneinsätzen (Feuerwehr) und zur reinen Belustigung im Zirkus. Die Tiere wurden bis und über ihre körperlichen Grenzen ausgenutzt und landeten oft beim Fleischhauer, wenn ihre Leistung nachließ … In diesem Blogartikel wollen wir ihrer vielfältigen und unbedankten Tätigkeiten gedenken.

Bild des Monats
Depot der Speisinger Molkerei in der Ullmannstraße 11, um 1900

Pferde beförderten Waren …

Die Linzer Poststraße (heutige Mariahilfer Straße) war die wichtigste Verkehrsader des gesamten Bezirks. Ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert gab es einen steten Zuzug von Handwerker*innen und Industriebetrieben. Die Anhäufung von transportintensivem Gewerbe und landwirtschaft­lichen Betrieben lockte in großer Zahl Fuhrleute an.

Stadtbekannte Fuhrwerkerfamilien des 19. Jahrhunderts waren u.a. Grestenberger, Kuntner, Rückauf, Wimberger, Wurm und Zehetgruber.

… und Menschen

Außerhalb des Linienwalls dominierte während der Biedermeierzeit der Zeiselwagen und später der Stell­wagen die Personenbeförderung. 1853 verkehrten bereits 15 Stellwagen nach Wien und zurück.

Der Arbeiterdichter Alfons Petzold berichtet in seinem autobiographischen Werk „Das rauhe Leben“ von einer solchen Fahrt im Stellwagen:

Nicht geringer war meine Freude, wenn ich mit der Mutter zur Taufpatin fahren durfte, die im dritten Bezirk wohnte. An einem solchen Tage setzten wir uns schon am frühen Morgen in den engen, achtsitzigen Stellwagen, einen direkten Nachkommen des Zeiserlwagens aus der Biedermeierzeit, und fuhren wohl zwei Stunden lang bis an die Mariahilferlinie. Dort stand mitten in buschigen Gärten, an den Linienwall gelehnt, ein Gasthaus, »Zur alten Hühnersteige« genannt, wo wir unsere zerschüttelten Glieder zusammenklaubten und unbeschreibliche Würsteln mit Kren aßen, von denen das Paar fünf Kreuzer kostete. Von dort ging’s zu Fuß durch die Mariahilferstraße und die Stadt, bis wir um die Mittagszeit hungrig und müde bei der Patin anlangten.

Alfons Petzold „Das rauhe Leben“ (1920)

Ein wichtiger Stellplatz war bei Schwenders Colosseum. Innerhalb des Linienwalls besorgte indes der Fiaker – die luxuriösere Art per Pferd unterwegs zu sein – den Transfer.

Die erste Häusergruppe in der Pelzgasse war 1868 von Fiakern bewohnt. Ab den 1860ern bis zum Einsatz der Elektrizität verkehrte die Pferdetramway.

Stellwagen vor dem Westbahnhof um 1865

Letzlich landeten sie oft beim Fleischhauer …

Die Stationen in der Laufbahn eines durchschnittlichen Pferdes waren: erst Privatbesitz, dann Tramway, später Stellwagen, danach Ziegelwagen und letztlich der Fleischhauer. Das Fleisch hatte keinen guten Ruf, war aber billig.

Im Jahre 1914 gab es in Rudolfsheim 1560, in Fünfhaus 610 und in Wien insgesamt 33.027 Pferde.

Zur Erinnerung an die vielen unbedankten Arbeitskräfte im heutigen Rudolfsheim-Fünfhaus

Liebe Leserin, lieber Leser!

Ihnen fehlt etwas? Sie haben weiterführende Informationen?
Dann schreiben Sie doch einfach einen Kommentar. Nützliche Inhalte mit Quellenangabe bauen wir – mit Verweis auf Ihren Kommentar – gerne noch in den Text ein. Alternativ können Sie uns auch ein Mail an office@bm15.at schicken!

Oder wie es Anton Ziegler 1828 (*) so schön ausgedrückt hat:

Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

Sie möchten die Arbeit des Bezirksmuseums mit einer Spende unterstützen?

€ 10,- spenden
€ 20,- spenden
€ 50,- spenden

Gefällt Ihnen der Artikel? Dann teilen Sie ihn doch mit Ihren FreundInnen!

Schau mal, ich hab was Interessantes auf WIENfünfzehn gefunden!

Hier unsere neuesten Blogbeiträge zum Reinschmökern 😉

Jeden Montag finden Sie bei uns abwechselnd folgende Rubriken:

„Bild des Monats“
historische Schmankerln aus unserem Sammlungsbestand

„Bezirks(Museums)News & Oldies“
Neuigkeiten aus Gegenwart & Vergangenheit aus dem 15. Bezirk & dem Bezirksmuseum

„History & Crime“
Historische Kriminalfälle auf dem Gebiet des heutigen 15. Bezirks um 1900.

„Zitat des Monats“
Aussagen berühmter Persönlichkeiten (aus dem 15. Bezirk) u.a. zu den Themen „Zeit“, „Geschichte“, „Vergangenheit“, etc.

Jeden Donnerstag erwarten Sie abwechselnd folgende Beiträge:

„FAQ15“ 
„Renovierte“ (refurbde) Beiträge aus der Rubrik „Rubrik „FAQ15“

„Es war einmal“
Spannende Rudolfsheim-Fünfhauser Vorort-Geschichte(n)

Kennen Sie schon unseren Podcast „Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten“?

Seit Februar 2019 berichten wir über interessante Menschen und Themen aus Rudolfsheim-Fünfhaus.

Hören Sie doch mal rein 😉

#040 imgraetzl.at – Unterstützung und Vernetzung Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten

  1. #040 imgraetzl.at – Unterstützung und Vernetzung
  2. #039 Vergangenheit und Zukunft in Rudolfsheim-Fünfhaus
  3. #038 Darf's ein bisserl Crime sein?

Information – Unterstützung – Events

Das Team des Bezirksmuseums Rudolfsheim-Fünfhaus unterstützt Menschen dabei, ihr Wissen über die Geschichte des 15. Bezirks zu erweitern und sich über kulturelle und gesellschaftspolitische Themen zu informieren.

Das Museum nimmt auch seine Aufgabe als Kultur-Drehscheibe des Bezirks wahr und fördert die Begegnung und Vernetzung der BewohnerInnen durch Veranstaltungen und auch durch den Kultur-Podcast „Fünfzehn Minuten über den Fünfzehnten“ .

Der Eintritt ist frei. Alle MitarbeiterInnen sind ehrenamtlich tätig.

Sie möchten regelmäßig über die Aktivitäten des Museums informiert werden? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!

Hier finden Sie unsere aktuellen Veranstaltungen.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus
Rosinagasse 4
1150 Wien
Mail: office@bm15.at
Web: www.museum15.at

Öffnungszeiten
Mo: 17.00-19.00
Fr: 15.30-17.30
(an Feiertagen, schulfreien Tagen und im Juli & August geschlossen)

#viellosimmuseum
#WIENfünfzehn
#dasVeranstaltungsmuseum
#mansiehtsichimmuseum

Ein Kommentar zu „Arbeitskraft Pferd in Rudolfsheim-Fünfhaus (Bild des Monats)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s