#FAQ15/040 Welche französische Kaiserin fuhr über die Mariahilferstraße Richtung Frankreich?

Was Sie schon immer über Rudolfsheim-Fünfhaus wissen wollten …

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FAQ=Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)

Es war einmal ein Kaiser …

… der hieß Franz Joseph Karl wurde 1768 in Florenz geboren und stammte aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Von 1792 bis 1806 war er als Franz II. der letzte Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Um dem Hegemoniestreben des französischen Kaisers Napoléon Bonaparte in Mitteleuropa zu begegnen und einem Statusverlust vorzubeugen, nahm er 1804 den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich an – als Franz I. – und begründete das Kaisertum Österreich.

… der hatte eine Tochter

Marie-Louise von Österreich wurde 1791 in Wien als erste Tochter des damaligen Thronfolgers und späteren römisch-deutschen bzw. österreichischen Kaisers Franz II./I. und seiner zweiten Ehefrau Maria Theresia von Neapel-Sizilien geboren. Trotz unruhiger Zeiten (ihre Tante – und Tochter Maria Theresias – Marie Antoinette wurde 1793 hingerichtet, ihre Verwandten wurden zwischen 1796-98 aus ihren italienischen Besitztümern vertrieben und Wien wurde 1805 und 1809 von den Franzosen unter Napoleon Bonaparte besetzt) wuchs sie gemeinsam mit ihren Geschwistern „in einer geradezu bürgerlich-beschaulichen Welt auf“ (Monica Kurzel-Runtscheiner: Die Welt der Habsburger)

… auf die ein anderer Kaiser ein Auge geworfen hatte

Napoleon war seit 1796 mit Josephine de Beauharnais verheiratet. Da die Ehe kinderlos blieb, wollte er sich von ihr scheiden lassen und war auf der Suche nach einer neuen Frau.

Clemens von Metternich, Außenminister des besiegten Österreich, fädelte die Ehe mit Marie Louise ein, weil er darin eine Chance sah, „Erleichterungen der harten Friedensbedingungen zu erlangen“ (Monica Kurzel-Runtscheiner: Die Welt der Habsburger).

Die kaum 18jährige Marie Louise musste sich schließlich 1809 der „Staatsraison“ beugen und diese Ehe akzeptieren.

Marie Louise von Österreich (Porträt von François Gérard)
Wikipedia gemeinfrei

Am 11. März 1810 fand die Trauung in der Augustinerkirche (Augustinergasse 3 im 1.Bezirk) statt. Es war eine sogenannte Handschuhehe. Das heißt, Napoleon selbst war bei der Eheschließung nicht anwesend. Er wurde durch Erzherzog Karl, einem Bruder des österreichischen Kaisers, vertreten. Dieser war ihm im Französisch-Österreichischen Krieg von 1809 noch als Gegenspieler gegenüber gestanden.

Reise nach Frankreich über die Linzer Poststraße

Am 13. März 1810 machte sich nunmehrige französische Kaiserin auf der Linzer Poststraße (heutige Mariahilferstraße) auf die Reise zur offiziellen „Übergabe“ an Frankreich.

Franz Echsel schreibt dazu folgendes:

Der Hochzeitszug bestand aus 83 Kutschen, 454 Zug- und 8 Reitpferden; als militärische Bedeckung wurde ihr die ungarische Nobelgarde beigegeben, und die hiesigen Gemeinden mussten bis Purkersdorf die Pferde beistellen. Die Kosten für die Beförderung der französischen Kaiserin sind mit 153 Gulden in die Gemeinderechnung eingestellt.

Franz Echsel 1888, Rudolfsheim, S. 11
Franz Echsel 1888, Rudolfsheim, S. 11

So kam es, dass eine französische Kaiserin durch den heutigen 15. Bezirk gereist war.

Nachsatz

Die (kurze) Ehe von Marie Louise mit Napoleon soll Berichten zufolge, erstaunlich harmonisch gewesen sein. Am 20.3.1811 wurde in Paris der gemeinsame Sohn Napoleon Franz Joseph Karl Bonaparte, „Napoleon II“, geboren.

Der Herzog von Reichstadt in österreichischer Uniform, Aquarell von Moritz Daffinger
Wikipedia gemeinfrei

1812 wurde Napoleon gestürzt und Marie Louise kehrte mit ihrem Kind nach Wien zurück. Von den Siegermächten erhielt sie als Abfindung das Herzogtum Parma mit Piacenza und Guastalla zugesprochen (vgl. Kurzel-Runtscheiner / Wohlfart: Die Welt der Habsburger).

Marie Luise reiste nach Parma, ihr Sohn blieb in Wien.

1816 wurde für diesen der Titel „Herzog von Reichstadt“ geschaffen. Reichstadt, Hauptort der Besitzungen pfalz-bayerischer Güter in Böhmen, wurde dafür zum Herzogtum erhoben (vgl. Webseite Kapuzinergruft). Besucht hat er die Stadt allerdings nie.

Der Herzog hatte schon früh Probleme mit der Lunge, er erkrankte schließlich an Tuberkulose und starb im Alter von 21 Jahren am 22. Juli 1832 im Schloss Schönbrunn in Wien (vgl. Wikipedia).

Marie Louise schloss noch zwei weitere Ehen, bekam weitere Kinder und starb schließlich 1834 mit 43 Jahren an einer Brustfellentzündung. Sie wurde nach Wien überführt und in der Kapuzinergruft beigesetzt. (vgl. Wikipedia).

Napoleon wurde 1812 auf die Insel Elba verbannt, kehrte 1815 für hundert Tage an die Macht zurück, wurde in der Schlacht bei Waterloo endgültig besiegt und schließlich auf die Insel St. Helena verbannt, wo er 1821 starb (vgl. Wikipedia).

Franz I., der Vater von Marie Louise starb 1835 in Wien. Ihm folgte sein Sohn als Ferdinand I. („Der Gütige“) nach. Dieser dankte im Revolutionsjahr 1848 ab. Sein Nachfolger war Franz Josef I.

Der Rest ist Geschichte …

Quellen:


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2 Kommentare zu „#FAQ15/040 Welche französische Kaiserin fuhr über die Mariahilferstraße Richtung Frankreich?

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