Ein Volkstheater in Rudolfsheim (Bild des Monats)

Unser Bild des Monats zeigt diesmal die Bühne und den Zuschauerraum des Rudolfsheimer Volkstheaters, das sich von 1849-1897 in Schwenders Colosseum befand.

Bild des Monats

Das Rudolfsheimer Volkstheater wurde 1867 in Schwenders Colosseum eröffnet und bestand bis 1897. Das Theater fasste 500 Personen und bot hauptsächlich „Volksstücke“. Ebenso wurden aber auch andere Theatergenres inszeniert.

Zum Spielplan zählten beispielsweise Stücke von Johann Nestroy und Ferdinand Raimund ebenso wie die Werke Ludwig Anzengrubers. Eine Vielzahl heute kaum mehr bekannter Autor*innen wie Leo Stein, Alois Berla, O. F. Berg, Friedrich Kaiser und Charlotte Birch-Pfeiffer prägten zudem das vielseitige künstlerische Bild des Rudolfsheimer Volkstheaters.

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Volkstheater Rudolfsheim innen, Aquarell von Gustav Zafaurek, um 1880 (Wien Museum)

Das Theater wurde häufig als Versuchsbühne benutzt. Viele hervorragende KünstlerInnen (auch Karl Kraus trat dort als Franz Moor in Schillers „Räuber“ auf) haben dort gespielt. Am 26. April 1897 schloss das Theater seine Pforten.

Es war in Blau und Silber gehalten und zeigte an den Seitenwänden vier prächtige Bilder: Krones als Jugend, Ferdinand Raimund als Aschenmann, Nestroy als Sansquartier und Scholz als Eulenspiegel. Es hatte eine Galerie und vier Logen (siehe WienGeschichteWiki)

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Schwenders Colosseum bestand von 1835-1898

Mit dem Ausbau eines Kuhstalls zum Kaffeehaus im Wiener Vorort Braunhirschengrund fing alles an. Der aus Württemberg stammende Gastronom Carl Schwender legte damit den Grundstein zu seiner berühmten Vergnügungsstätte „Schwenders Colosseum“. Zu den Attraktionen zählte ab 1866 auch ein eigenes Theater, das mit Possen, Tragödien, Operetten und Sozialdramen ein buntes Publikum begeisterte.

Exkurs: Dichtergruppe Jung-Wien

1890 wurde die Dichtergruppe Jung-Wien auf das Volkstheater beim Schwender aufmerksam. Der Essayist und selbsternannte Gründer des Jungen Wien, Hermann Bahr, der als Wunderkind gehandelte Lyriker und Dramatiker Hugo von Hofmannsthal, der Dandy-Poet Richard Beer-Hofmann, der Journalist und Schriftsteller Felix Salten sowie der Literat und Arzt Arthur Schnitzler wollten jenseits des Wiener Linienwalls eine neue Kunst erproben.

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Von links nach rechts: Richard Beer-Hofmann und Hermann Bahr (stehend), Hugo von Hofmannsthal und Arthur Schnitzler (sitzend). Ferrotypie, 1. April 1894 (ÖNB/Wien)

Freie Bühne in Rudolfsheim

Um der Theaterzensur zu entgehen, beteiligte sich das Junge Wien an der Gründung einer Freien Bühne. Die progressiven Theaterabende sollten in Rudolfsheim stattfinden, doch der Verein verstrickte sich in dramenästhetische Grabenkämpfe. Hinzu kamen staatliche Kontrollmaßnahmen, hohe Ausgaben und die Konkurrenz der größeren Theaterhäuser. Die Freie Bühne konnte sich letztlich nicht durchsetzen.

Debüt von Karl Kraus und erstes festes Engagement von Max Reinhardt am Rudolfsheimer Volkstheater

Seit 1892 war Pauline Czerniawski-Loewe Direktorin am Rudolfsheimer Volkstheater. Sie nahm bauliche Veränderungen vor, gab dem Theater den Zusatz Freie Bühne, blieb dem Repertoire der VorgängerInnen aber weitestgehend treu.

Unter ihrer künstlerischen Leitung schnupperte Karl Kraus erstmals Bühnenluft und Max Reinhardt erhielt sein erstes festes Engagement.

Karl Kraus
Max Reinhardt
die räuber
Theaterzettel Die Räuber mit Kraus in der Rolle des Franz Moor und Max Reinhardt als Spiegelberg (Theatermuseum Wien)

Das Rudolfsheimer Volkstheater musste 1897 seine Pforten schließen. Kurz darauf wurde Schwenders Colosseum vollständig abgetragen.

Abschiedsvorstellung „Der Pfarrer von Kirchfeld“

Das Rudolfsheimer Volkstheater musste 1897 seine Pforten schließen. Kurz darauf
wurde Schwenders Colosseum vollständig abgetragen. Die letzte Vorstellung war Ludwig Anzengrubers „Der Pfarrer von Kirchfeld“.

abschiedsvorstellung rudolfsheimer volkstheater
Theaterzettel der „Abschieds-Festvorstellung“ des Rudolfsheimer Volkstheaters am 20. April 1897

Quellen

CORNELIUS MITTERER: Das Rudolfsheimer Volkstheater im Spiegel ästhetischer, sozialgeschichtlicher und städtebaulicher Transformationsprozesse im Wien des ausgehenden 19. Jahrhunderts

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12 Kommentare zu „Ein Volkstheater in Rudolfsheim (Bild des Monats)

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