Kronprinz Rudolf und die Bezirksmuseen

Am 12. Dezember 2019 lud der Präsident der Wiener Bezirksmuseen, ML Mag. Heinrich Spitznagl, alle ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen der 23 Bezirksmuseen und sechs Sondermuseen zum Heurigen Rudolfshof nach Grinzing ein. Themen waren Erfahrungsaustausch, der Tag der Bezirksmuseen 2020, eine geplante Kooperation mit dem Filmarchiv Austria und der Stand der Änderungen für die Bezirksmuseen durch das Projekt „Bezirksmuseen reloaded“, einer Initiative von Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hasler.

In jedem der 23 Wiener Bezirke gibt es je ein Bezirksmuseen:

  • Innere Stadt(1.)
  • Leopoldstadt(2.),
  • Landstraße (3.)
  • Wieden (4.),
  • Margareten (5.)
  • Mariahilf (6.)
  • Neubau (7.)
  • Josefstadt (8.)
  • Alsergrund (9.)
  • Favoriten (10.)
  • Simmering(11.)
  • Meidling (12.)
  • Hietzing (13.)
  • Penzing (14.)
  • Rudolfsheim-Fünfhaus (15.)
  • Ottakring (16.)
  • Hernals (17.)
  • Währing (18.)
  • Döbling (19.
  • Brigittenau (20.)
  • Floridsdorf (21.)
  • Donaustadt (22.) und
  • Liesing (23.)

Hier leisten über 300 ehrenamtliche Mitarbeiter*innen freudig Vermittlungsarbeit, um die Geschichte ihres Bezirks zu bewahren und in die Öffentlichkeit zu bringen.

Ebenso gehören sechs Sondermuseen zu den Wiener Bezirksmuseum:

  • Aspern-Essling (1220)
  • Circus- und Clownmuseum(1020)
  • Phonomuseum(1060)
  • Rauchfangkehrermuseum (1040)
  • Ziegel- und Baukeramikmuseum (1140) und das
  • Gold- und Silberschmiedemuseum (1090)

Infos zu den genannten Museen finden Sie auf der Webseite der Wiener Bezirksmuseen.

Kennen Sie die Bezirksmuseen?

Das erste Wiener Bezirksmuseum wurde übrigens 1923 von Hans Pemmer und Karl Hilscher in Meidling gegründet.

Auf den ersten Blick scheinen das recht viele Museen zu sein, aber Wien hat 1.897.491 Einwohner*innen (Stand: 2019) und über 200 Museen.

Tourist*innen kennen Schönbrunn, die Hofburg, die Albertina, das Kunsthistorische Museum und den Stephansdom, aber kennen sie auch die Bezirksmuseen?

Heurigen-Time at Christmas

Am 12. Dezember 2019 war es soweit. Heurigen-Time at Christmas.

Aus dem Bezirksmuseum Rudolfsheim- Fünfhaus wollten vier Personen dem Geschehen beiwohnen: Museumsleiterin Brigitte Neichl, Maurizio Giorgi, Katrin Leutgeb und Erika Trdy.

Treffpunkt Westbahnhof

Treffpunkt war am Westbahnhof bei der bronzenen Skulptur des kleinen Buben, der auf diesem großen Koffer sitzt, und nicht weiß, was ihm die Zukunft bringt. Dieses Mahnmal „Denkmal für das Kind“ erinnert uns an die „Kindertransporte“, die vielen Kindern während des Nationalsozialismus das Leben retteten, indem sie nach England verschickt wurden. Die Skulptur entstand 2008, die Bildhauerin heißt Flor Kent.

Denkmal für das Kind von Flor Kent

Wir sollten uns um 17 Uhr treffen. Aber es wurde 17 Uhr und Maurizio kam nicht. Wir warteten und warteten und warteten.

In der oberen Halle des Westbahnhofs steht eine Statue von Kaiserin Elisabeth, genannt Sisi. Sie war die Gemahlin von Kaiser Franz Joseph und irgendwie stößt man in Wien immer auf die Spuren der Habsburger, die Österreich sechs Jahrhunderte lang regiert haben, bis 1918 die Erste Republik ausgerufen wurde.

Diese Statue stammt aus dem Jahr 1860. Der Bildhauer heißt Hans Gasser. Wir sehen hier eine junge Sisi, in der Blüte ihrer Schönheit, mit ihrer berühmten langen und geflochtenen Haarpracht.

Die Sisi-Statue befindet sich seit dem letzten Umbau in der oberen Halle des Westbahnhofs.

Also wir warteten, bis uns die Eingebung kam: “Vielleicht steht er bei der“Sisi“? Ein kurzer Anruf bestätigte die Vermutung.

Glücklich vereint betraten wir dann die U-Bahn-Linie U6 und fuhren in der vollbesetzten Bahn bis Haltestelle Nußdorfer Straße.

Dort stiegen wir in die Straßenbahn-Linie 38 um und fuhren zum Heurigen Rudolfshof in der Cobenzlgasse Nr. 8.

Es erwartete uns ein wunderschöner Innenhof mit Beethovenbrunnen, Siegmund Freud-Terrasse, Kronprinz- Rudolf-Saal und einem Naturgarten.

Der Beethovenbrunen im Innenhof des Heurigen Rudolfshof

Wir saßen im Saal, der voll war mit fröhlichen Leuten, die ich leider alle bis dato nicht kannte, weil ich erst seit kurzem im Museum arbeite.

Es herrschte eine gemütliche Atmosphäre, der Saal war brechend voll und alle unterhielten sich bestens.

Der Besitzer des Heurigen, Kommerzialrat Hans Scheikl – gleichzeitig auch Museumsleiter des Bezirksmuseums Döbling – begrüßte uns herzlich.

Er erzählte, dass der Namensgeber des Heurigen, Kronprinz Rudolf (gestorben 1889 unter rätselhaften Umständen) mit dem Heurigen nicht direkt etwas zu tun hatte.

Aber in den Sommermonaten um das 19/.20.Jahrhundert herum, war Grinzing die Sommerfrische der Oberschicht und Adeliger, und berühmte Persönlichkeiten flanierten durch Grinzing.

Kommerzialrat Scheikl erzählte uns von Alma Mahler-Werfel, Oskar Kokoschka, dem Lieblingsgetränk von Kronprinz Rudolf – Morphium und Champagner mit Cognac gemischt, Sigmund Freud und seiner Frau Martha Bernays.

Sigmund Freud war ein passionierter Schwammerlsucher, aber er aß die Pilze (Schwammerl) nicht.

In der Himmelsstraße, in der sich die Berühmtheiten vergangener Tage die Hand reichten, findet man auf Nr. 115 eine Gedenktafel, die an Siegmund Freud erinnert.

In diesem Bereich befand sich einst das Schloss Bellevue, später (Abbruch 1983/1984) das gleichnamige Ausflugsrestaurant. Vor diesem wurde am 6. Mai 1977 eine Gedenktafel für Sigmund Freud enthüllt („Hier enthüllte sich am 24. Juli 1895 dem Dr. Sigmund Freud das Geheimnis des Traumes“ [Zitat aus einem Brief Freuds vom 12. Juni 1900 an Wilhelm Fließ]).

Ich wusste nicht, dass Salvador Dali Siegmund Freud porträtiert hatte – zwar nicht in Grinzing, sondern 1938 in London. Auch das erzählte uns der Museumsleiter und Heurigenbesitzer Scheikl.

Sigmund Freud porträtiert von Salvador Dali; Bild

Wer sich fragt, wann die erste Straßenbahn ihren Weg nach Grinzing fand: das war 1902 und die ehemalige Besitzerin dieses Hauses, Frau Adler, servierte in kalten Wintermonaten, den Schaffnern heißen Tee.

Die Haltestelle befand sich nämlich vorm Haus, welches damals als „Meierei“ bezeichnet wurde, obwohl es keine Kühe gab.

Es spricht … der Präsident

Nach dieses humorvollen Betrachtungen über das alte Grinzing, kam der Präsident der Bezirksmuseen, ML Mag. Heinrich Spitznagl, zu Wort.

Mag. Spitznagel schlug vor, diese Einladung zu einer Institution zu machen. Er bedankte sich bei allen Anwesenden für die ehrenamtliche Arbeit in den Museen und sprach dann über zwei wichtige Punkte.

Die Kooperation mit dem WienMuseum – wobei er von der „Profitruppe“ und den „Ehrenamtlichen“ sprach. Die Bezirksmuseen bleiben als ARGE bestehen.

Der Verein „Arbeitsgemeinschaft der Wiener Bezirksmuseen“ (ARGE) wurde 1964 als Dachorganisation und Rechtsträger von den Bezirksmuseen gegründet. Mag. Spitznagel hofft auf eine gute Zusammenarbeit mit dem WienMuseum.

Zweiter Punkt: Tag der Wiener Bezirksmuseen

Der Tag der Wiener Bezirksmuseen findet seit 2007 jährlich statt und präsentiert ein stadtgeschichtliches Thema aus dem jeweiligen Bezirk.

Dazu gibt es jeweils auch eine Begleitpublikation, die von Prof. Dr. Hans Werner Bousska, Mitarbeiter des Bezirksmuseums Meidling, erstellt wird.

Bisherige Themen waren u.a. Klingendes Wien. Von Schrammeln und Salonorchestern, Sport in Wien: Ballesterer, Tennisspieler und Athleten in historischen Fotografien, Sakrale Bauten in Wien, Wiener Gemeindebauten, Gasthäuser, Wiener Märkte und die Wiener Feuerwehr zum Thema gemacht.

Tag der Bezirksmuseen 2020

2020 ist dieser besondere Tag für die Wiener Bezirksmuseen am Sonntag, dem 15. März.

Und es ist ein sehr spannendes Thema: Kino.Theater und Varietè

Und damit sind wir wieder beim Heurigen, wo uns schon der nächste Redner und Gast begrüßt: Mag. Ernst Kieninger, Direktor des Filmarchiv Austria

Kooperation mit dem Filmarchiv Austria

Ernst Kieninger berichtete, dass das Filmarchiv Austria vom 5. März 2020 bis 10. Jänner 2021 eine erste große kulturgeschichtliche Ausstellung zur Geschichte der Kinos in Wien plant.

Er erinnert an die berühmte erste Wiener Kinoausstellung von 1911, die im Gartenbaukino stattfand.

Das Filmarchiv Austria, 1955 offiziell gegründet, ist das größtem audiovisuelle Archiv Österreichs.

An sechs Standorten in Wien und Laxenburg wird Filmgeschichte bewahrt. Vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart werden nach dem Prinzip “to preserve and to show“ 200.000 Filme, 2 Millionen Fotos, 48.000 Filmprogramme, rund 16.000 Plakate und über 40.000 Bücher und Zeitschriften gesammelt.

Es gibt drei Hauptstandorte

  • das Filmdepot Laxenburg
  • das Audiovisuelle Zentrum Augarten und
  • das Metro Kinokulturhaus.

Mag. Kieninger meinte, dass eine Zusammenarbeit mit den Wiener Bezirksmuseen sinnvoll sei.

Filmgeschichte wäre etwas auch Lebendiges, das Kino hatte seinen Höhepunkt in den 1950, 1960er Jahren. Heute leben noch viele Leute, die in dieser Zeit ins Kino gegangen sind. Es wäre sehr interessant, diese auch zu befragen, also lebendige Kinogeschichte zu sammeln.

Und da bieten sich die Bezirksmuseen an, die ebenso diesen „Kino, Theater und Varieté“- Schwerpunkt an ihrem Aktionstag am 15. März und im ganzen Jahr 2020 haben.

Wir lauschten ergriffen und wurden nur zeitweise von den anregenden Düften des Büfetts abgelenkt.

Das Büfett ist eröffnet!

Dann wurden die goldenen Worte gesprochen: “Das Büfett ist eröffnet“, und wir konnten uns alle an den Schnitzerln, Gebratenen, Sauerkraut, Knödeln, diversen Salaten nicht nur optisch erfreuen, sondern auch herzhaft zugreifen und dem Kronprinzen Rudolf, der uns majestätisch vom Bildnis direkt über dem Büfett entgegenblickte, mit edlem Wein aus Grinzing zuprosten.

Erika Trdy, Brigitte Neichl, Maurizio Giorgi, Katrin Leutgeb (v.l.n.r.) neben dem Bildnis von Kronprinz Rudolf im Heurigenlokal „Rudolfshof“

Mitteilung in eigener Sache

Unser Bezirksmuseum Rudolfsheim-Fünfhaus hat sich natürlich auch schon ausführlich mit dem Schwerpunkt Kino,Theater und Varieté auseinandergesetzt.

Und unsere Museumsleiterin Brigitte Neichl lässt uns forschen, was das Herz begehrt. Wir haben schon vieles entdeckt, und freuen uns unsere Ergebnisse beim Aktionstag am Sonntag, dem 15. März in alter und neuer Frische zu präsentieren!

Hoffentlich finden viele Leute den Weg in die Rosinagasse Nr. 4 im 15. Bezirk.

Auf ein weiteres schönes neues Jahr mit den Wiener Bezirksmuseen!

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Oder wie es Anton Ziegler 1828 (*) so schön ausgedrückt hat:

Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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#viellosimmuseum
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Ein Kommentar zu „Kronprinz Rudolf und die Bezirksmuseen

  1. Die Mischung aus Champagner, Cognac und Morphiumfür das kronprinzliche Lieblingsgetränk muss ziemlich süffig gewesen sein, da schleckt sich jeder Junkie die Finger ab…

    Gratulation an Erika, ein so umfangreiches Ereignis so prägnant zu schildern ist nicht einfach!

    Lgbb

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