Als die Pummerin in Rudolfsheim-Fünfhaus war … (Bild des Monats)

Unser Bild des Monats zeigt diesmal den Transport der Pummerin in der Mariahilferstraße.

Bild des Monats

Der Steffl brennt!

Am 11. April 1945 standen die Rote Armee und die Wehrmacht einander an der Donau gegenüber. Während vor allem der Übergang über den Donaukanal umkämpft war, blieb die Innenstadt vorübergehend ohne Kontrolle.

Diese Situation nützten Diebe aus, sie drangen in Geschäfte ein, legten ein Feuer, das sich rasch zu einem gewaltigen Feuersturm ausweitete, der in der Nacht auch auf den Dom übergriff.

Da die Wasserleitungen zerstört waren und die abziehende SS alle Löschgeräte mitgenommen hatte, blieben die Bemühungen, die Stephanskirche zu retten, erfolglos.

Die Pummerin stürzt in die Tiefe

Am 12. April 1945 stürzte die 2 Tonnen schwere Glocke – die Pummerin – in die Tiefe und zerbarst in der Turmhalle. Dabei wurde das Türkenbefreiungsdenkmal, das sich am südlichen Querschiff an der Westmauer befand, großteils zerstört.

Errichtet war diese Denkmal zur Erinnerung an die Befreiung Wiens von der zweiten Türkenbelagerung (1683) worden. Die Enthüllung im Dom fand am 13. September 1894 statt. Geplant wurde es vom Bildhauer Edmund Hellmer (1850-1935).

Das Türkenbefreiungsdenkmal zeigte zuoberst die Muttergottes zwischen Papst Innozenz XI. und Leopold I., in der Zone darunter Herzog Karl von Lothringen, Kurfürst Johann Georg von Sachsen, Kurfürst Max Emanuel von Bayern und König Jan Sobieski:

Im Hauptfeld des Türkenbefreiungsdenkmals war
Ernst Rüdiger Graf Starhemberg zu Pferde, umgeben von Wiener Bürgern, zu sehen, in der untersten Zone standen Bischof Leopold Graf Kollonitsch und Bürgermeister Johann Andreas von Liebenberg.

Die Hauptinschrift lautete „Gloria Victoribus“ (Ruhm den Siegern).

Erhalten blieben die drei obersten Figuren (Muttergottes, Kaiser, Papst), die man 1947 wieder anbrachte (Reste anderer Figuren befinden sich in den „Katakomben“).

Aufbau des Stephansdomes mithilfe des „Stephansgroschens“

Möglich wurde der schnelle Wiederaufbau des Doms vor allem durch die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung, die bei der „Dachziegelaktion“ und dem „Stephansgroschen“ reichlich spendete.

Stephansgroschen

Der Stephansgroschen wurde ab dem 1. März 1950 vom Österreichischen Münzamt als Spendenmünze im Rahmen der Aktion „Jeder Österreicher spendet einen Schilling für den Steffl“ zur Finanzierung des Wiederaufbaus des Wiener Stephansdoms ausgegeben.

Für die Durchführung des Aufbaus fehlten nach damaligen Schätzungen etwa zehn Millionen Schilling. Ziel der Aktion war es, sechs Millionen Stephansgroschen zum Preis von 1 Schilling zu verkaufen.

Die Spendenmünze wurde 1950 von Oskar Thiede entworfen. Sie hatte einen Durchmesser von 27 Millimeter und aus 2 Millimeter starkem Aluminium gefertigt.

Es gab auch eine Ausführung aus Silber, die man zum Preis von 20 Schilling kaufen konnte.

Die Vorderseite zeigt die Ziffer 1 und die Bezeichnung „Stephansgroschen“. Im Hintergrund hinter der „1“ befindet sich eine Ähre.

Auf der Rückseite ist der Wiener Stephansdom abgebildet. Daneben steht die Jahreszahl 1950 und darunter „O. THIEDE“. Es gab insgesamt 10 Versionen, eine ohne Wappen und dann jeweils eine der Wappen der Bundesländer Österreichs. Diese wurden neben Aluminium auch in Silber geprägt.

Am 22.3.1951 bewilligte Bürgermeister Theodor Körner (1873-1957), dass die vom Münzamt geprägten Stephansgroschen, deren Erlös für den weiteren Ausbau des Domes bestimmt war, in den Straßen Wiens zum Preise von 1 Schilling umgetauscht werden können.

Im Juni 1951 begann die Aktion “Stephansgroschen”.

Die „neue“ Pummerin kommt nach Wien

„Die Stimme Österreichs“, wie die Pummerin auch genannt wird, wurde in St. Florian (OÖ) neu gegossen.

Am 26.4.1952 wurde sie in einer umjubelten Prozession mit einem Tieflader über Enns, St. Valentin und St. Pölten über mehrere Besatzungszonen nach Wien gebracht.

Vor dem Schloss Schönbrunn wurde die Glocke offiziell in Wien begrüßt.

Über die Mariahilfer Straße, Ring, Kai, Ring und Kärntner Straße erreichte die Glocke den Stephansdom, der von Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955) gesegnet und erstmals nach dem Krieg benutzt wurde.

Die Pummerin in Rudolfsheim-Fünfhaus

Auf ihrem Weg zur Stephanskirche kam die Pummerin auch in Rudolfsheim-Fünfhaus vorbei.

Das folgende Bild zeigt ihren Weg durch die Mariahilferstraße auf Höhe des Schwendermarktes begleitet von zahlreichen Schaulustigen.

26.4.1952: Die Pummerin in Rudolfsheim-Fünfhaus
Zeitzeug*innen berichten

Ich war damals 11 Jahre alt und stand mit meiner Oma zwischen Dadlergasse und Braunhirschengasse auf der Mariahilferstraße. Es waren viele Menschen da. Endlich kam die Pummerin auf dem mit Blumen geschmückten Tieflader an. Es war eine fröhliche Stimmung und alle waren froh, dass die Pummerin wieder in Wien war.

Zeitzeuge Franz M.

Ich stand mit meinen Eltern in der Gegend des Technischen Museums. Es war ein total tolles Gefühl, ein Zeichen des Wiederaufbaus nach dem Krieg und den Zerstörungen, auch als Auferstehung Österreichs als selbstständiges Land. Die Pummerin war ein Symbol für Österreich und nicht nur für Wien. Ich war damals ein kleiner Bub, aber ich habe die Freude meiner Eltern in Erinnerung. Zu Hause haben wir dann einen Bericht im Radio gehört über den Weg der Pummerin nach Wien.

Zeitzeuge Helmut R.

Quellen

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2 Kommentare zu „Als die Pummerin in Rudolfsheim-Fünfhaus war … (Bild des Monats)

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