#FAQ15/010 Woher hat der Märzpark seinen Namen?

Was Sie schon immer über Rudolfsheim-Fünfhaus wissen wollten …

Hier erfahren Sie regelmäßig interessante Details aus Vergangenheit & Gegenwart von Rudolfsheim-Fünfhaus, dem 15. Wiener Gemeindebezirk.

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FAQ 15

FAQ=Frequently Asked Questions (häufig gestellte Fragen)


Mit rund 74.000 Quadratmetern war der Schmelzer Friedhof der größte unter den „kommunalen“ Friedhöfen.

Es war einmal ein Friedhof

Der Schmelzer Friedhof war einer der fünf Kommunalfriedhöfe (Mehr dazu finden Sie u.a. hier), die 1784 von Josef II. vor dem Linienwall als Ersatz für die geschlossenen Vorstadt-Friedhöfe von Wien außerhalb des Linienwalls angelegt wurden. Mit rund 74.000 Quadratmetern war der Schmelzer Friedhof der größte unter den „kommunalen“ Friedhöfen.

Man bestattete dort neben den BewohnerInnen der Vororte des heutigen 15. Bezirks auch jene der angrenzenden Vorstädte. Das erklärt, warum hier reiche Seidenfabrikanten des Brillantengrundes (*) mit prunkvollen Grabmälern vertreten waren.

(*) Als die von Joseph II. aus Süddeutschland und Görz berufenen und hier ansässig gewordenen Einwanderer, die Seide und Samt, später auch Bänder und Tuch erzeugten, zu großem Reichtum gelangten, bürgerte sich volkstümlich die Bezeichnung Brillantengrund ein.

Am Schmelzer Kommunalfriedhof wurden zahlreiche berühmte Persönlichkeiten bestattet, darunter die Historiker Joseph Feil und Josef Chmel sowie die Maler Carl Russ und Franz Josef Dobiaschofsky.

Die Revolution von 1848 war eine politische Bewegung, die ab Februar/März 1848 große Teile Europas erfasste und 1849 ausklang.

Revolution 1848

Die Revolution von 1848 war eine politische Bewegung, die ab Februar/März 1848 große Teile Europas erfasste und 1849 ausklang. Politische Ziele waren unter anderem gewählte Volksvertretungen und verantwortliche Ministerien anstelle monarchisch-absolutistischer Regierungen, die Beseitigung feudaler Strukturen und die Garantie der Pressefreiheit. Mehr dazu hier.

Am 1. März 1848 wurden bei der Demonstration beim Niederösterreichischen Landtag (Herrengasse, Wien) 35 Männer und Frauen (die „Märzgefallenen“) getötet, teils von Kugeln getroffen, teils von der Menge erdrückt.

In der Nacht vom 13. auf 14. März 1848 kam es durch die aufgebrachte Menge in den Wiener Vororten zu Zerstörungen (Brandstiftung), Plünderungen und Verwüstungen.

Der Schmelzer Friedhof, auf dem sich die Mobilgardisten verschanzt hielten, war hart umkämpft.

Das Linienamt an der Mariahilfer Linie wurde geplündert und in Brand gesteckt, ein Finanzwächter ermordet, das Amtshaus in Braunhirschen und die Fabrik Granichstätten in Sechshaus zerstört, Bäckereien, Geschäfte, weitere Fabriken, Privatwohnungen geplündert.

Brand der Fabrik Granichstätten

Vor der Reindorfkirche konnte die Menge gestoppt werden.

Am 17. März 1848 erfolgte die Beisetzung der „Märzgefallenen“ auf dem Schmelzer Friedhof – als Zeichen gemeinsamer Trauer in einer mehrkonfessionellen Begräbnisfeier, begleitet von 40.000 Menschen.

Am 17. März 1848 erfolgte die Beisetzung der „Märzgefallenen“ auf dem Schmelzer Friedhof – als Zeichen gemeinsamer Trauer in einer mehrkonfessionellen Begräbnisfeier, begleitet von 40.000 Menschen. Katholische, evangelische und jüdische Geistliche hielten die Trauerfeier ab. Der Beitrag der jüdischen Opfer wurde mehrfach hervorgehoben und die Gleichstellung der Juden gefordert.

Beisetzung der Märzgefallenen am Schmelzer Friedhof am 17.3.1848
Die Opfer der Revolution – 1848 Die vergessene Revolution

1864 wurde auf dem Schmelzer Friedhof ein Mahnmal für die Märzgefallenen errichtet.

Ein Denkmal für die Märzgefallenen

1864 wurde auf dem Schmelzer Friedhof ein Mahnmal für die Märzgefallenen errichtet.

Schmelzer Friedhof mit Monument der Märzgefallenen

1874 wurde der Schmelzer Friedhof für weitere Bestattungen gesperrt. Die Gemeinde Baumgarten räumte den Vororten des heutigen 15. Bezirks ein Mitbenützungsrecht auf ihrem Bestattungsplatz ein.

Der Schmelzer Friedhof verwilderte und diente als beliebtes Malermotiv.

Nach Auflassung der Kommunalfriedhöfe 1888 wurde das Mahnmal auf den Zentralfriedhof transferiert.

Die 23 Märzgefallenen wurden am 6. September 1888 exhumiert und kamen ebenfalls auf den Zentralfriedhof.

Ein Obelisk aus Mauthausener Granit, flankiert von zwei mächtigen Kandelabern, weist den Weg zur Gedenkstätte.

1864 am Schmelzer Friedhof errichtetes Denkmal für die Opfer der Märzrevolution 1848. 11. Bezirk, Zentralfriedhof, Grab 26, Foto

Vor dem Ersten Weltkrieg strömten die Wiener ArbeiterInnen im März zu Tausenden zu Gedenkkundgebungen an diese Stätte.

Zwischen 1911 und 1914 kam es zur oberirdischen Räumung des Schmelzer Friedhofs, wobei die Gräber kostenpflichtig auf den Zentralfriedhof überstellt werden konnten.

Berühmte Persönlichkeiten kamen zu den dortigen Ehrengräbern.

Die Benennung des Märzparks erfolgte 1928 in Erinnerung daran, dass auf dem Friedhof die 35 Gefallenen des 13. März 1848 bestattet gewesen waren.

Der Friedhof wird zum Park

Märzpark

Nach kirchlicher Auflage wurde der Friedhofsgrund 1925 in einen Park umgewandelt – den 16.000 m² großen Märzpark.

Die Benennung erfolgte 1928 in Erinnerung daran, dass auf dem Friedhof die 35 Gefallenen des 13. März 1848, die so genannten „Märzgefallenen“, bestattet gewesen waren.

Von den Grabdenkmälern wurden einige auf den Zentralfriedhof übertragen (nächst der Luegerkirche aufgestellt), andere stehen bei der nahegelegenen Christkönigskirche (Seipel-Dollfuß-Gedächtniskirche).

Auf einem Teil des ehemaligen Schmelzer Friedhofs steht heute die ab 1954 erbaute (und 1958 eröffnete) Stadthalle.

Auch die Märzstraße erhielt ihren Namen zur Erinnerung an die Märzgefallenen.

Dass nicht viele WienerInnen 1911-1914 von der Überstellung ihrer Angehörigen Gebrauch gemacht hatten, verraten archäologische Ausgrabungen des Jahres 2002:

Dem Bau einer Tiefgarage im Märzpark ging die Bergung der Bestattungsüberreste voraus. Die Skelette in den zahlreichen Schachtgräbern waren ungewöhnlich dicht übereinander geschlichtet. Die gehobenen, sechs Tonnen wiegenden, Gebeine kamen in ein weiteres Sammelgrab am Zentralfriedhof.

Ein grabsteinartiger Gedenkstein erinnert an die Gefallenen, die 1888 auf den Zentralfriedhof verlegt wurden.

Gedenkstein für die Märzgefallenen

1998: 150-Jahr-Jubiläum der Märzrevolution

1998 enthüllte der damalige Bürgermeister Michael Häupl anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums der Revolution von 1848 einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Opfer der Revolution im März 1848.

Der damalige Bürgermeister Michael Häupl spricht zur Gedenksteinenthüllung im Märzpark

Anwesend waren auch der damaligen Bezirksvorsteher Rolf Huber (im Bild links vorne) und der Superintendent der Evangelischen Kirche Peter Karner. Bei der Gedenkfeier war auch zahlreiche politische Prominenz aus Bund und Land anwesend.

Beide Gedenksteine stehen nun nebeneinander

Quellen

wien.at
Archivmeldung wien.at
Wien Geschichte Wiki


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(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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