Alfons Petzold – 🔎 Suche nach Schönheit

Wie gewohnt finden Sie hier am 4. Montag des Monats das „Zitat des Monats“ .
Es geht um Liebe, Schönheit und Güte.


Zitat des Monats

Unser Zitat des Monats stammt diesmal von Alfons Petzold (1882-1923).

Zitat des Monats von Alfons Petzold

„Suche in jedem noch so häßlichen Dinge die Liebe, die Schönheit und die GĂĽte“ (Alfons Petzold).

Alfons Maria Petzold

Pseudonym De Profundis

(* 24. September 1882 in Fünfhaus; † 25. Jänner 1923 in Kitzbühel)

Alfons Petzold, geboren in Rudolfsheim-FĂĽnfhaus

Alfons (Alphons) Petzold war der bedeutendste österreichische Arbeiterdichter.

Alfons Petzold – geboren in Fünfhaus

Alfons Petzold wurde am 24.9.1882 in Wien-FĂĽnfhaus – in der Stadiongasse, jetzt Robert-Hamerling-Gasse 28 – geboren. Seine Eltern waren die Köchin Friederike Sophie Karoline Grundbach (geb. 1836 in Freiburg an der Unstrut) und der Arbeiter Friedrich Hermann Petzold (geb. 1836 in Borna im damaligen Herzogtum Sachsen-Altenburg).

Trotz gesundheitlicher Schäden musste er schon früh schwere Arbeit verrichten. Er begann eine Lehre in einer Metallschleiferei, wurde mit 15 Jahren Bauhilfsarbeiter, später Fabrikarbeiter, Laufbursche, Kellner, Fensterputzer u.a.

Wohnen im Kanal

Nachdem er wegen des Verteilens von Flugblättern fĂĽr die Wahl Franz Schuhmeiers verhaftet worden war, musste Petzold sich mit Gelegenheitsarbeiten durchschlagen.

Da er sich nach dem Tod seiner Mutter keine eigene Wohnung leisten konnte, schlief er in Obdachlosenasylen und fallweise sogar in Kanälen, und ernährte sich nicht selten von den Abfallhaufen der Märkte.

Psychischen Halt fand Petzold in dieser schwierigen Zeit im Lesen; bald begann er auch selbst, Couplets und kleinere dramatische Arbeiten für Volkssänger und Theatervereine zu verfassen.

Erste Erfolge als Dichter

Nach der Eröffnung des Volksheimes Ottakring im Jahr 1905 fand Petzold hier eine neue Heimat. Er besuchte zahlreiche Vorlesungen, hielt selbst Vorträge und wurde mit seinen Dichterlesungen bald populär.

Tuberkulose & erste Ehe mit Johanna Kraml

Als Petzold 1908 an Tuberkulose erkrankte, ermöglichten ihm prominente Schriftstellerkollegen wie Josef Luitpold SternPeter Altenberg und Stefan Zweig einen Kuraufenthalt; Stern war es auch, der 1910 die Herausgabe seines ersten Gedichtbandes â€žTrotz alledem!“ durchsetzte, der Petzold mit einem Schlag als â€žDichter des Proletariats“ etablierte.

In der Heilanstalt Alland bei Baden lernte Alfons Petzold seine erste Frau Johanna Kraml (geb. 1886) kennen, die allerdings bereits 1914, nur drei Jahre nach der Hochzeit, starb.

Petzold schrieb u.a. das folgendes Gedicht fĂĽr sie.

Johanna

I.
Ich bin vom Lied das erste Wort,
wer kennt den Ton und seinen Schall?

Du singst die ganze Strophe fort
und gibst mir guten Widerhall.

II.
Du bist die Sehnsucht
und ihre ErfĂĽllung,
Tiefe der Inbrunst
und ihre EnthĂĽllung.

Du gabst den Wurzeln
Erde zu greifen.
Nun kann ich blĂĽhen
und herbstzu reifen.

Aus: Alfons Petzold Pfad aus der Dämmerung
Gedichte und Erinnerungen Wiener Verlag 1947 (S. 106)

Erster Roman & Literaturpreis

Nach den ersten Gedichtbänden folgte 1913 der Roman „Erde“, in dem Petzold seine Krankenhausaufenthalte verarbeitet. 1914 erhielt er den Eduard-Bauernfeld-Preis  und 1917 eine Ehrenpension der Stadt Wien.

Zweite Heirat mit Hedwig Gamillscheg & Ăśbersiedlung nach KitzbĂĽhel

1915 heiratete er Hedwig Seraphine Gamillscheg (geb. Gamillscheg, 1890-1968), 1916 kamen Tochter Christiane (verh. Esders, gest. 1984), 1920 Tochter Verena (verh. Hopfensperger, gest. 2007) und 1922 Sohn Wolfgang (gest. 1944) zur Welt.

1917 ĂĽbersiedelte die Familie nach KitzbĂĽhel, wo er ab 1918 sozialdemokratischer Gemeinderat war und ab 1919 die Buchhandlung Moser leitete und als freier Mitarbeiter bei der Wiener Zeitung tätig war.

1920: Das rauhe Leben

Sein erfolgreichstes Buch, eine stilisierte Schilderung seiner schweren Kindheit und Jugend, erschien 1920 unter dem Titel â€žDas rauhe Leben“.

Hier können Sie das Buch online lesen.

Im Buch schildert Petzold u.a. das „Dorado“ seiner Kindheit auf der Schmelz bzw. dem Schmelzer Friedhof.

„Er (der Schmelzer Friedhof, Anm. BN) bildete mit seiner Dschungelvegetation das Dorado aller abenteuersĂĽchtigen und vom Jagdfieber befallenen Knaben der umliegenden Vororte.

Da gab es Eidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern, verwilderte Kaninchen, viele Arten von Schmetterlingen und Käfern, manchmal eine pfeifende Ratte und dann den Jaguar dieser Wildnis, eine fauchende, verwilderte Katze; zermorschte, halb umgestürzte Grabkreuze, verwitterte Monumente ragten phantastisch aus der Schlingpflanzenwirrnis.

Da und dort bildete das wuchernde Laub interessante Höhlen, die im Verein mit leeren Grüften prächtige Verstecke für verfolgte Räuber- oder Indianerhäuptlinge abgaben. Und rätselhafte, von der Zeit halb verwischte Inschriften ließen die junge Seele seltsame, fremde Schicksale ahnen.“

Alfons Petzold in „Das rauhe Leben“
schmelzer-friedhof-2.jpg
Der Schmelzer Friedhof
Bild: Ă–sterreichische Nationalbibliothek

Der Schmelzer Friedhof

Der Schmelzer Friedhof war einer der fĂĽnf Kommunalfriedhöfe (Mehr dazu finden Sie u.a. hier), die 1784 von Josef II. vor dem Linienwall als Ersatz fĂĽr die geschlossenen Vorstadt-Friedhöfe von Wien auĂźerhalb des Linienwalls angelegt wurden.

Am Schmelzer Kommunalfriedhof wurden zahlreiche berühmte Persönlichkeiten bestattet, darunter die Historiker Joseph Feil und Josef Chmel sowie die Maler Carl Russ und Franz Josef Dobiaschofsky.

1874 wurde er fĂĽr weitere Bestattungen gesperrt. Seit 1892 befand er sich, da die linksufrigen Vororte der Stadt eingemeindet wurden, im Stadtgebiet Wiens.

Der Schmelzer Friedhof wurde nach dem Ersten Weltkrieg aufgelassen und in den „Märzpark“ umgewandelt. Die Benennung erfolgte 1928 in Erinnerung daran, dass auf dem Friedhof die 35 Gefallenen des 13. März 1848, die so genannten „Märzgefallenen“, bestattet gewesen waren. Sie erhielten nach ihrer Exhumierung am 6. September 1888 ein Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof.

Von den Grabdenkmälern wurden einige auf den Zentralfriedhof übertragen (nächst der Luegerkirche aufgestellt), andere stehen bei der nahegelegenen Seipel-Dollfuß-Gedächtniskirche.

Auf einem Teil des ehemaligen Schmelzer Friedhofs steht heute die Stadthalle (mit dem Stadthallenbad).

Alfons Petzold im Bezirksmuseum

Im Museum finden Sie Infos zum Schmelzer Friedhof, ein Plakat zu Alfons Petzold sowie – die „symbolischen Alfonse“: Alfons Petzold als Kind, das vom Spielen auf der Schmelz erzählt (den Text können Sie sich auch per youtube anhören) und Alfons Petzold als Erwachsener, dessen umgehängtes Schild von der Armut der Menschen berichtet.

Alfonse
Die beiden Schaufensterpuppen im Bezirksmuseum stellen den jungen und den alten Alfons Petzold dar.

Bedeutender Arbeiterdichter

Petzold galt mit seinem Werk, in dem er auf eigenwillige Art soziale Thematik und religiöse Sichtweisen bis hin zu Mystik und Pantheismus verband, zu Lebzeiten als bedeutender Arbeiterdichter.

Tod mit 41 Jahre – Opfer der Grippe

Alfons Petzold starb am 26.1.1923 in KitzbĂĽhel/Tirol mit nur 41 Jahren an Grippe.

Erinnerungen an Alfons Petzold

  • Alfons-Petzold-Gasse (im 23. Wiener Gemeindebezirk; benannt 22. Mai 1925)
  • Alfons-Petzold-Hof (im 11. Wiener Gemeindebezirk; städtische Wohnhausanlage -LorystraĂźe 36-38, Hakelgasse 14-18, Herderplatz 3-4, erbaut 1923/1924 von Adolf Stöckl in Zusammenarbeit mit dem Stadtbauamt)
  • Petzoldgasse (ebenfalls im 11. Wiener Gemeindebezirk; benannt am 22. Oktober 1924)
  • Gedenktafeln im 15. und 16. Wiener Gemeindebezirk
  • PetzoldstraĂźe in Innsbruck und Attnang-Puchheim
  • eine Alfons-Petzold-Gasse sowie dem „Alfons Petzold Heim“ â€“ ein Vereinshaus – in KitzbĂĽhel
„In diesem Haus wurde der
Arbeiterdichter
Alfons Petzold
am 24.September 1882 geboren.
Am 25. Jänner 1923 erlosch sein
rauhes Leben.
Zum 100. Geburtstag – der Kulturverein FĂĽnfhaus“
Gedenktafel in der Robert-Hamerling-Gasse 28 (1150 Wien).

Mehr zu Leben & Werk finden Sie u.a. hier und hier.


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Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf größere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens nächste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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8 Kommentare zu „Alfons Petzold – 🔎 Suche nach Schönheit

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