­čĹž­čĆ╗­čĹŽ­čĆ╗F├╝r das Kind: Denkmal & Ausstellung

Erinnerung an die Rettung j├╝discher und nichtj├╝discher Kinder 1938 – Kindertransporte nach England

In der Kassenhalle des Wiener Westbahnhofs befindet sich seit 2008 das Denkmal „F├╝r das Kind“ von Flor Kent, in der Volkshochschule Wiener Urania ist derzeit die gleichnamige Ausstellung von Rosie Potter und Patricia Ayre zu besichtigen.

Denkmal „F├╝r das Kind“

Am 14. M├Ąrz 2008 wurde vom damaligen Infrastrukturminister Werner Faymann in der Kassenhalle des Wiener Westbahnhofs die Skulptur „F├╝r das Kind“ enth├╝llt.

Das Denkmal der Londoner Bildhauerin Flor Kent soll an die 10.000 mehrheitlich j├╝dischen Kinder erinnern, die 1938 durch die sogenannten Kindertransporte nach England vor der Verfolgung durch das nationalsozialistische Regime gerettet werden konnten.

Die Skulptur ist auch eines der Objekte, dass wir uns im Zuge des Projekts „Zeitreise“ gemeinsam mit Kindern der Volksschule Friedrichsplatz angesehen haben.

Kindertransporte – Weg in die Sicherheit

Als Kindertransport (auch Refugee Children Movement) wird international die Ausreise von ├╝ber 10.000 Kindern, die als ÔÇ×j├╝dischÔÇť im Sinne der N├╝rnberger Gesetze galten, aus dem Deutschen Reich und aus von diesem bedrohten L├Ąndern zwischen Ende November 1938 und dem 1. September 1939 nach Gro├čbritannien bezeichnet.

Auf diesem Wege gelangten vor allem Kinder aus Deutschland, ├ľsterreich, Polen, der Freien Stadt Danzig und der Tschechoslowakei ins Exil. In Z├╝gen und mit Schiffen konnten die Kinder ausreisen; die meisten sahen ihre Eltern nie wieder. Oftmals waren sie die einzigen aus ihren Familien, die den Holocaust ├╝berlebten.

Skulptur „F├╝r das Kind“ von Flor Kent in der Kassenhalle des Wiener Westbahnhofs

Ein Kind sitzt auf einem Koffer – denn mehr als einen Koffer darf es nicht mitnehmen, mitnehmen auf eine Reise in die Sicherheit, aber auch ins Ungewisse.┬á

Mitgegeben werden darf: ein Rucksack oder ein kleiner Handkoffer …

Die Inschrift

„F├╝r das Kind – Wien
von Flor Kent

Gewidmet dem britischen Volk in tiefster
Dankbarkeit.
Sie haben die Leben von 10 000 j├╝dischen und
nicht-j├╝dischen Kindern gerettet, die
zwischen 1930 und 1939 vor der Verfolgung
der Nazis nach Grossbritannien fliehen
konnten, den sogenannten
‚Kindertransporten‘

F├╝r die meisten Kinder begann ihre Reise am
Wiener Westbahnhof

‚Wer ein einzigen Menschenleben rettet,
ist als h├Ątte er die ganze Menschheit
gerettet‘
Talmud Sanhedrin“

Das Modell f├╝r die Skulptur

F├╝r die Bronzeskulptur stand der Bub Sam Morris Modell. Sam Morris ist der Urenkel von Sara Schreiber. Diese war 16 als sie mit dem Kindertransport nach England geschickt wurde. Ihre Eltern sah sie nie wieder.

Wenn das alles vor 70 Jahren [Anm.: die Kindertransporte nach England] nicht passiert w├Ąre, dann w├Ąre ich nie geboren worden.

Sam Morris

Milli Segal – Initiatorin des Denkmals

Die Initiative zu dieser Gedenk-Skulptur geht auf die Wienerin Milli Segal zur├╝ck. Segal hat wiederholt die „Kindertransporte“ thematisiert – hat Ausstellungen und ZeitzeugInnen sowie einen international ausgezeichneten Dokumentarfilm nach Wien gebracht.

Man soll das wissen und man muss das wissen. Und es ist auch wichtig Zeitzeugen hierher zu bringen, solange es sie noch gibt, damit wir alle etwas von ihnen lernen.

Milli Segal auf Radio ├ľsterreich 1

Ausstellung in der Volkshochschule Wiener Urania

In der Volkshochschule Wiener Urania (1010 Wien, Uraniastra├če 1/ Hauptstiege 1.-2. Obergeschoss) ist derzeit die Ausstellung „F├╝r das Kind“ – kuratiert von Rosie Potter und Patricia Ayre zu besichtigen.

Thema sind die Kindertransporte nach England.

In einer Zeitspanne von 9 Monaten wurden fast 100 Zugreisen organisiert. Kinder unter 17 Jahren wurden unter der Schirmherrschaft des Central British Fund, aus ihren Geburtsl├Ąndern in Sicherheit gebracht.

Die Kinder kamen mit dem Zug nach Holland, dann mit der F├Ąhre von Hook/Holland nach Harwich und weiter mit dem Zug nach London Liverpool Station.

Der 1. Kindertransport ging am 10. Dezember 1938 von Wien Westbahnhof nach London, der letzte am 22. August 1939.

Jedes Kind durfte nur einen Koffer mitnehmen. Der Inhalt war streng vorgeschrieben ÔÇô keine Schmuck- oder Wertgegenst├Ąnde, kein Geld, Musikinstrumente oder Kameras.

Meist fuhren die Z├╝ge mitten in der Nacht ab, nur kurz davor erfuhren die Eltern den Termin und es gab keine Zeit f├╝r lange Verabschiedungen.

Diese Gegenst├Ąnde waren oft die letzte Erinnerung, die die Kinder mit ihren Eltern verband.

Mehr als zwei Drittel der geretteten Kinder haben ihre Eltern nie wiedergesehen.

Koffer als Symbole der Erinnerung

Die Ausstellung zeigt Bilder von den Objekten, die die Kinder mit sich auf ihre Reise – in eine unbekannte Zukunft – nahmen. Auf den 23 Kunstdrucken sind K├Âfferchen mit den verschiedenen Besitzt├╝mern zu sehen.

Die kastenf├Ârmigen Holzrahmen erinnern an traditionelle Museumsvitrinen. Die ins Glas eingravierten Zitate sind die heutigen Schriftz├╝ge des jeweiligen ├╝berlebenden ÔÇ×KindesÔÇť.

Sie stammen aus Briefen, pers├Ânlichen Niederschriften, aus Telefongespr├Ąchen und sind Anmerkungen der ÔÇ×KinderÔÇť bei den diversen Treffen mit den Kuratorinnen. Der Text ist willk├╝rlich ├╝ber und um die Objekte gesetzt.

Das Museum zur Erinnerung ÔÇ×F├╝r das KindÔÇť in Wien ist weltweit das Einzige in seiner Art mit dem Fokus auf den Kindertransport, sie wurde kuratiert von Rosie Potter und Patricia Ayre.

Ingrid Joseph Wien, ├ľsterreich, 12 Jahre,
Mutter und Gro├čmutter wurden von der Gestapo auf den Transport ins Ghetto Minsk ermordet.
ÔÇ×da waren ├╝berall Fahnen, ich wusste das ist irgendwie gegen michÔÇť

Besichtigung der Ausstellung

├ľffnungszeiten
Montag bis Freitag 9-20 Uhr

Samstag, Sonntag und Feiertag Besuch nur nach Vereinbarung m├Âglich (info@millisegal.at)

F├╝hrungen nach Vereinbarung

Ausstellungsflyer „F├╝r das Kind“ – Ausstellung in der Volkshochschule Wiener Urania

Unser weiteres Programm finden Sie hier.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Quellen

GeschichteWiki Wien
Wikipedia
Museum zur Erinnerung
ORF-Science
OTS

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2 Kommentare zu „­čĹž­čĆ╗­čĹŽ­čĆ╗F├╝r das Kind: Denkmal & Ausstellung

  1. Meine Nachbarin war eines dieser Kinder, sie erz├Ąhlte mir oft davon, wie verloren und verwirrt sie mit ihrem Koffer dastand. „Immer waren wir Juden gewesen, und jetzt war es pl├Âtzlich etwas B├Âses, wof├╝r man wie Verbrecher bestraft wurde.“ Ich war immer sehr ber├╝hrt, wenn sie davon erz├Ąhlte. Auch sie hat ihre Familie nie wiedergesehen.

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