­čĺí“Es werde Licht!“ – Das ehemalige Gaswerk in F├╝nfhaus

Unser Bild des Monats zeigt diesmal das ehemalige Gaswerk in F├╝nfhaus, das sich zwischen 1839-1911 im Bereich der heutigen Gasgasse befand.

Die zwischen Mariahilfer Stra├če und Westbahnhof gelegenen Verkehrsfl├Ąchen Gasgasse, Kohlenhofgasse und Lichtgasse erinnern heute noch an das Gaswerk.



Kleine Geschichte der Gaserzeugung

Die Gasbeleuchtung ist eine Beleuchtungsform, bei der ein brennbares Gas (fr├╝her Stadtgas, heute Erdgas) als Energiequelle dient. Das Gas wird durch ein Netz von Rohrleitungen zu den VerbraucherInnen geleitet. Wikipedia

Gas, das die Stra├čen erleuchtete

Ab 1818 begann man in Wien mit Experimenten f├╝r die Beleuchtung von Stra├čen mit Gas, welches aus Kohle gewonnen wurde. Bereits im 17. Jahrhundert entdeckte man das Verfahren, wie man aus Kohle brennbare Gase gewinnen konnte. Jedoch dauerte es noch bis 1792, als in England der Erfinder William Murdoch (1754-1839) damit auch eine brauchbare Beleuchtung realisieren konnte.

Graham-Gilbert, John; William Murdoch (1754-1839); Birmingham Museums Trust; http://www.artuk.org/artworks/william-murdoch-17541839-34216

Anf├Ąnglich erfolgte die Beleuchtung mit Stadtgas nur im kleinen Rahmen mit mehreren ├╝ber das Stadtgebiet verstreute Gaswerke, die vorerst von Privaten wie Apothekern und der Technischen Hochschule (heute TU) betrieben wurden. Sie leisteten die eigentliche Pionierarbeit bei der Gasbeleuchtung.

Epoche der Industrialisierung

Als sich das Gas als Stra├čenbeleuchtung einen Namen machte, waren bereits mehrere Firmen wie die ├ľsterreichische Gasbeleuchtungsgesellschaft im Spiel, die durch die vorerst privaten Projekte gegr├╝ndet wurden.

Im Jahre 1842 stieg die englische Inter-Continental-Gas-Association (ICGA) in das Wiener Gasgesch├Ąft ein und kaufte alle einzelnen kleine Gaswerke und wurde somit marktbeherrschend. Das f├╝hrte dazu, dass sie den Preis bestimmte. Damit war die Gemeinde Wien nicht zufrieden.

Bau der Gasometer

1896 erfolgte nach langen Debatten die Genehmigung des Planes durch den Gemeinderat. Franz Kapaun vom Stadtbauamt ├╝bernahm die Leitung des Baus.

In k├╝rzester Zeit wurden 47 Millionen Ziegel und 67 Tonnen Material f├╝r das Rohrnetz angeschafft. Am 28. Dezember 1896 erfolgte der Spatenstich der Gasometer.

Bereits im Juli 1899 waren alle vier Beh├Ąlter einsatzbereit und am 31. Oktober 1899 fand die feierliche Er├Âffnung statt.

Das erste Gas aus Simmering

Am 31. Oktober 1899 str├Âmte zum ersten Mal Gas aus dem Simmeringer Gaswerk in die 700 kilometerlangen Rohrleitungen.

Das Gaswerk war f├╝r eine t├Ągliche Gaserzeugung von 432.000 m3 ausgerichtet.

Der Gasverbrauch der WienerInnen nahm allerdings bald nach Fertigstellung der Beh├Ąlter sprunghaft zu, sodass die Werksanlage stetig erweitert werden musste.

Die Gasometer gehen in Ruhestand

Im Jahre 1985 wurden die Gasometer stillgelegt, nachdem zwischen 1969 und 1978 die Umstellung von Stadtgas auf Erdgas stattfand. Gleichzeitig stellte man die Gasometer unter Denkmalschutz.

Geschichte der Gasversorgung im heutigen 15. Bezirk

Privileg auf Verbesserung des Leuchtgases

Dem aus F├╝nfhaus stammenden Spenglermeister und Lampenerzeuger Karl Demuth (ÔÇá26.3.1853) wurde am 4. November 1836 ein Privileg auf Verbesserung des Leuchtgases verliehen.

Anhang zur Troppauer Zeitung, Nr. 17/1843, 27. Februar 1843, S. 151, Spalte 1

Ab 1837 war Demuth kurzzeitig Besitzer des Tivoli. Das Tivoli war ein ber├╝hmtes Vergn├╝gungsetablissement im ehemaligen Wiener Vorort Obermeidling. Es lag zwischen den heutigen Stra├čenz├╝gen der Hohenbergstra├če, Tivoligasse und Gr├╝nbergstra├če, nunmehr im 12. Bezirk Meidling.

Gesellschaft zur Beleuchtung mit k. k. ausschlie├člich privat verbessertem Gas

Demuth trat das Privileg auf Verbesserung des Leuchtgases in der Folge an die von Theodor Friedrich Hen├ę im Jahr 1839 gegr├╝ndete Gesellschaft zur Beleuchtung mit k. k. ausschlie├člich privat verbessertem Gas ab.

Theodor Friedrich Hen├ę war zuerst Sekret├Ąr der ├ľsterreichischen Gesellschaft zur Beleuchtung mit Gas und baute diese Gesellschaft zusammen mit Dr. Georg Pfendler (Apotheker und Pionier der Gasbeleuchtung) auf.

Jedoch entschied er sich, seine eigene Gesellschaft zur Beleuchtung mit k. k. ausschlie├člich privat verbessertem Gas zu gr├╝nden und dann f├╝r diese ein eigenes Gaswerk zu bauen.

1840 errichtete diese Gesellschaft das Gaswerk F├╝nfhaus und versorgte bereits im Oktober des selben Jahres die Stra├čenbeleuchtung der Sch├Ânbrunner Hofstra├če (heute ├Ąu├čere Mariahilferstra├če) zwischen dem Linienwall (heute G├╝rtel) und dem Beginn des Vororts F├╝nfhaus sowie der Schlo├čallee bis zur Schlo├čbr├╝cke ab 1844, zuerst im Sommer, dann sogar im Winter.

Am 18. October 1840 wurde zwischen der Mariahilferlinie und dem F├╝nfhauser Br├Ąuhause zum erstenmale die G a s b e l e u ch t u n g ausgef├╝hrt, dieselbe im Jahre 1844 auf Kosten des allerh├Âchsten Hofes auf der Sch├Ânbrunnerstra├če bis Sch├Ânbrunn fortgef├╝hrt, und am 26. Mai 1844 das erstemal beleuchtet. Nachdem der allerh├Âchste Hof nur in Sommermonaten die Gasbeleuchtung der Hauptstra├če von der Mariahilferlinie an, bis Sch├Ânbrunn auf eigene Kosten besorgte, so wurde dieselbe auch f├╝r die Wintermonate durch Subskription bei den bemittelteren Hausbesitzern und Gewerbsleuten vom 1. J├Ąnner 1847 an in Ausf├╝hrung gebracht.

Michael Hahn, Der Bezirk Sechshaus, 1853
Der Standort des Gaswerks: 15. Bezirk, Gasgasse 2a
Das Gaswerk F├╝nfhaus mit davor stehendem Westbahnhof
(links im Bild der Gasometer mit spitzem Dach)

Imperial-Continental-Gas-Association

Am 1. Oktober 1842 wurde das Gaswerk F├╝nfhaus vom Pr├Ąsidenten der englischen Imperial-Continental-Gas-Association ICGA, Matthias Wolverley Attwood (1808ÔÇô1865), als deren erstes Gaswerk in Wien erworben und weitergef├╝hrt. Dies im Wege der ├ťbernahme des staatlichen Privilegs der Gesellschaft zur Beleuchtung.

Wiener Zeitung, Beilage Amts-Blatt, Nr. 62/1843, 3. M├Ąrz 1843, S. 254, Spalte 1

1843 wurde die kleine Gas-Anstalt von den neuen Eigent├╝mern vergr├Â├čert.

Wiener Zeitung, Beilage Allgemeines Intelligenzblatt, Nr. 280/1843, 10. Oktober 1843, S. 489

Die Direktion der Imperial=Continental=Gas=Association glaubt die Bewohner Wiens aufmerksam machen zu m├╝ssen, da├č sie vor kurzem die kleine Gas=Anstalt in F├╝nfhaus, in der Absicht k├Ąuflich an sich gebracht habe, um derselben durch eine zweckm├Ą├čige Vergr├Â├čerung eine, dem Bed├╝rfnisse der Haupt= und Residenzstadt entsprechende Ausdehnung zu geben. Diese Vergr├Â├čerungen sind, wie sich Jedermann ├╝berzeugen kann, beynahe vollendet. (…)

Gaswerk F├╝nfhaus, um 1850; Im Vordergrund das heutige Westbahnhofgel├Ąnde

Technik

Das urspr├╝nglich von Theodor Friedrich Hen├ę errichtete Gaswerk nutzte als Ausgangsmaterial zur Gasherstellung Harz├Âl, von dem sich Hen├ę in seinem 1833 noch als Sekret├Ąr der ├ľsterreichischen Gesellschaft zur Beleuchtung mit Gas (Gaswerk Ro├čau) ver├Âffentlichten Buch ÔÇ×Die Gasbeleuchtung in WienÔÇť qualitativ ├╝berzeugt zeigte (Angeblich besa├č dieses Gas eine h├Âhere Leuchtkraft und schw├Ąrzte Silber nicht.).

Das von der Imperial-Continental-Gas-Association (ICGA) neu errichtete Gaswerk wurde f├╝r die Entgasung von Steinkohle ausgelegt und verf├╝gte um 1903 ├╝ber 23 Retorten├Âfen mit insgesamt 169 Retorten und drei Gasbeh├Ąltern.

Der Gasometer des Gaswerks in F├╝nfhaus. Davor ein Sch├Âpfwerk. Um 1890

Das Ende des Gaswerks F├╝nfhaus

Das Gaswerk F├╝nfhaus blieb trotz des Neubaus des Gro├čgaswerk Simmering bestehen, da das Simmeringer Gaswerk zuerst nur die inneren Wiener Gemeindebezirke mit Gas versorgte.

Am 31. Dezember 1911 lief der Beleuchtungsvertrag zwischen der ICGA und der Stadt Wien aus.

Die Gasversorgung des gesamten Stadtgebiets wurde daraufhin durch die st├Ądtischen Gaswerke Simmering und Leopoldau ├╝bernommen.

Das Gaswerk F├╝nfhaus wurde geschlossen und sp├Ąter abgebrochen.

Literatur & Quellen

  • Theodor Friedrich Hen├ę: Die Gasbeleuchtung in Wien, 1833
  • Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts ÔÇô Ein F├╝hrer in technischer und k├╝nstlerischer Richtung, herausgegeben von ├ľsterreichischen Architekten-Verein, Verlag von Gerlach & Wiedling, Wien, 1905, (1. Teil)
  • Robert Medek: 85 Jahre St├Ądtisches Gaswerk Wien-Simmering ÔÇô Kommunale Gasversorgung seit 1899, Wiener Stadtwerke ÔÇô Gaswerke
  • Wikipedia
  • WienWiki
  • WienWiki

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Jede Belehrung und Berichtigung, welche in Beziehung auf gr├Â├čere Vervollkommnung und Gemeinnutzmachung dieser Herausgabe beabsichtigt ist, wird mit dem ausgezeichnetsten Danke empfangen.

(*) Wiens n├Ąchste Umgebungen an den Linien, herausgegeben von Anton Ziegler und Carl Graf Vasquez, Wien 1827-1828

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