⚽Rapid: Lost Ground Rudolfsheimer Sportplatz (Teil 2)

Gastartikel von Christian Bruckner

Freuen Sie sich heute auf den 2. Teil eines Gastartikels von Christian Bruckner, dessen Leidenschaft der Fußballsport und ganz speziell Rapid ist. In seinem Blog „Fußball, Soccer, Calcio & Co“ widmet er sich unter anderem den ehemaligen Fußball-Spielorten, den Lost Grounds. Einer dieser dieser Lost Grounds ist der Rudolfsheimer Sportplatz. Den Originalartikel vom 30.12.2013 finden Sie hier.

Den 1. Teil finden Sie hier. Darin erfahren Sie mehr über die erste Heimstätte von Rapid am Exerzierfeld auf der Schmelz, deren ersten eigenen Sportplatz in Rudolfsheim und wie es jetzt dort aussieht, über die Rolle der Kirchturmuhr der Rudolfsheimer Pfarrkirche und einiges mehr.

In der Podcast-Folge #008 mit dem Titel „Wo stand die Wiege von Rapid?“ (verfügbar ab 15.6.2019, 5.00) können Sie ein Interview mit Laurin Rosenberg, Koordinator des Rapideum, dem Rapidmuseum, hören.

Wussten Sie, dass

Rapid gegen Portsmouth FC- erste Begegnung mit einem Profiverein (1907)

Bild: thomasrenner.th.ohost.de

1906 erkämpfte und erspielte sich die kleine Rapid gegen die damalige Spitzenmannschaft des WAC aus dem Prater ein gefeiertes 3:3. Am eigenen Sportplatz konnte man nun auch Spiele gegen internationale Gegner austragen.

Am 31. März 1907 begrüßte Rapid im Rahmen eines Osterturniers den FC Phönix aus Karlsruhe (1:4) und am 30. Mai 1907 spielte Rapid gegen den Portsmouth FC (0:5), die erste Begegnung der Vereinsgeschichte mit einem Profiverein aus England.

Verein mit „proletarischer Prägung“ gewinnt 3:1 beim Städtespiel gegen Budapest (1907)

Am 5. Mai 1907 kam der Rudolfsheimer Sportplatz zu internationalen Ehren. Damals wurden sogenannte Städtespiele ausgetragen, die später meist als Länderspiele anerkannt wurden.

Da WAC, Cricketer und Wiener Sportclub das Spiel zwischen Wien und Budapest am 5. Mai 1907 boykottierten, wurde dieses hier am Rapidplatz ausgetragen und Rapid stellte mit sieben Spielern den Großteil der Wiener Mannschaft. Sie gewann 3:1.

Die Allgemeine Sport-Zeitung lobte Rapid und das Spiel, aber nannte es „ein Armutszeugnis für die Wiener Sportgäste, dass eine Voreingenommenheit gegen einen Klub das Interesse an einem schönen Wettkampfe überwiegt.“

Dies sagt etwas über den Status Rapids aus. Beim noch überwiegend bürgerlichen Fußballpublikum war der Verein mit proletarischer Prägung nicht beliebt. 900 Zuschauerinnen und Zuschauer werden hier genannt. Auch wenn andere Quellen mehr nennen, dieselbe Begegnung besuchten ein Jahr später im Mai 1908 auf der alten Hohen Warte 4.000 Leute.

Allgemeine Sport-Zeitung 12. Mai 1907 auf ANNO

Eine Anekdote vom Match Wien-Budapest 1907 erzählte der Rapidler Leo Schidrowitz in seinem Buch aus dem Jahr 1951:

„Die humoristische Einlage in diesem Städtespiel bot der ungarische Mannschaftsführer, der sich das Dach der Rapidtribüne als Feldherrenhügel erwählt hatte, auf dem er seinen Spielern durch ein Sprachrohr Weisungen zurufend umhertobte und umso mehr aus dem Gleichgewicht kam, je näher ein Sieg der österreichischen Ersatzmannschaft in den Bereich der Wahrscheinlichkeit rückte. Schließlich verlor er das Gleichgewicht in des Wortes simpelster Bedeutung ganz und stürzte vom Tribünendach auf die Laufbahn. Erfreulicherweise ohne sich Schaden zuzufügen.“

Die Schadenfreude des Wiener Publikums kann man sich vorstellen.

Vom Rudolfsheimer Sportplatz zur Pfarrwiese in Hütteldorf (1911)

Die Kündigung des Pachtvertrags für den Sportplatz kam 1910 für Rapid überraschend. In diesem Jahr stand Rapid vor dem Aus. Nicht nur der Sportplatz ging verloren: Der Klub war nicht zuletzt aufgrund des Platzausbaus 1907 schwer verschuldet, nach einer Krise war die Vereinsleitung zurückgetreten und viele Spieler hatten mit ihr den Verein verlassen.

Das Frühjahr 1910 verlief sportlich katastrophal. Im Herbst 1910 übernahm der erst 22-jährige, als Fußballer unauffällige, Rapidspieler Dionys Schönecker in dieser Existenzkrise die Verantwortung für Rapid. Nach längerer Suche wurde weiter im Westen ein neues passendes Grundstück gefunden und 1911 von der Pfarre Hütteldorf gepachtet. Es wurde die legendäre Pfarrwiese.

Die Holztribüne des Rudolfsheimer Sportplatzes wurde abgebaut und am 1912 eröffneten neuen Rapidplatz in Hütteldorf wiederaufgestellt.

Aus der Rudolfsheimer Rapid wurde die Hütteldorfer Rapid.

Hier ist sie auf einer frühen Ansicht der Pfarrwiese rechts im Bild zu sehen. Sie stand dort bis zum großen Stadionausbau 1920/21.

Die legendäre Pfarrwiese in Hütteldorf. Die Tribüne wurde vom Rudolfsheimer Sportplatz mitgenommen. Bild: photovision.at

Einmal XIV – immer XIV …

Funfacts:

Eine gewisse Kontinutät gibt es, da der Rudolfsheimer Sportplatz ja an der Hütteldorfer Straße lag.

Auch ist Rudolfsheim-Fünfhaus heute zwar der 15. Wiener Gemeindebezirk, der bis 1938 selbständige Bezirk Rudolfsheim war aber damals der 14. Bezirk. So wie es heute der 1938 begründete Bezirk Penzing ist (bis dahin Teil des 13. Bezirks).

Rapid war also auch zu Rudolfsheimer Zeiten in Wien XIV zuhause.

Die Lage des Rudolfsheimer Sportplatzes

Eine schöne Übersichtskarte zu den ersten Heimstätten Rapids gibt es im übrigen im Rapideum zu sehen.

Lage des einstigen Rudolfsheimer Sportplatzes
Der ehemalige Exerzierplatz auf der Schmelz und der Rudolfsheimer Sportplatz

Literatur

  • Franz Fiala, Rapid in Zahlen rapid.iam.at (30.12.2013)
  • Roland Holzinger, Rapid. Die Chronik. 1899 − 1999. Waidhofen/Thaya 1999
  • Matthias Marschik, Vom Herrenspiel zum Männersport. Die ersten Jahre des Wiener Fußballs. Wien 1997
  • Wenzel Müller, Halb Kraut-Laden, halb Rapid-Shop. Die „Kraut-Elfi“ vom Wiener Meiselmarkt. in: Augustin 3/2010
  • Leo Schidrowitz, Geschichte des Fußballsportes in Österreich. Wien 1951
  • Edgar Schütz / Andreas Tröscher, Rudolfsheimer Sportplatz. Wien-Rudolfsheim. in: Andreas Tröscher / Matthias Marschik / Edgar Schütz, Das große Buch der österreichischen Fußballstadien. Göttingen 2007, S. 133f.

Zum Gastautor Christian Bruckner

Mein Name ist Christian Bruckner. Ich interessiere mich für Fußball und blogge über meine Leidenschaft im Blog „Fußball, Soccer, Calcio & Co.“ Bilder und Kurztexte von meinen Spielbesuchen und Rezensionen von Büchern, Filmen, Zeitschriften & Co über Fußball. Ich schaue mir Fußball dort an, wo er gespielt wird: Vor Ort, in den Stadien und auf den Fußballplätzen dieser Welt. Ich besuche die Spiele des SK Rapid und mache daneben ein wenig Groundhopping, quer durch alle Ligen in Österreich und im Ausland.

Rapid ist meine Leidenschaft, denn es ist mehr als nur ein Fußballverein, wie es im 2015 beschlossenen Leitbild schön in Worte gefasst wurde. “Der Sportklub Rapid ist eine Gemeinschaft. Unser legendärer Zusammenhalt wurzelt in der Solidarität unter den Familien, Nachbarn und Arbeitern auf der Schmelz. Seither eint uns das grün und weiße Band.”

Christian Bruckner


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