Die 8-er Jahre & Rudolfsheim-Fünfhaus

>>> Wussten Sie, dass <<<

Wenn Sie unsere Blogartikel schon länger verfolgen, werden Sie vielleicht ein wenig irritiert sein. Sollte nicht heute ein Artikel aus der Rubrik „Bezirks(Museums)News“ erscheinen? Ja, stimmt, Sie haben Recht! Kollegin Waltraud Zuleger hat einen Artikel zur Bedeutung der 8er-Jahre für den 15. Bezirk geschrieben, der in die Rubrik „Wussten Sie, dass“ gehören würde. Die nächsten Termine sind aber für unsere – äußerst beliebte – Serie „Sex & Crime in Rudolfsheim“ reserviert. Da das Thema 8er-Jahre aber unbedingt im Jahr 2018 besprochen werden sollte, haben wir uns entschieden, die für heute vorgesehene Rubrik zu einem weiteren „Wussten Sie dass“-Beitrag umzufunktionieren. (bn)


Die 8er-Jahre bedeuteten für die heutigen Bundesländer der Republik Österreich immer wieder geschichtsträchtige Wendepunkte: so zum Beispiel die Jahre 1948, 1918, 1938 oder 1948. Somit ist das Jahr 2018 auch der ideale Anlass einmal zu sehen, in welchen 8er-Jahren auf dem Areal des 15. Wiener Gemeindebezirks mehr oder weniger wichtige Geschehnisse stattgefunden haben.


Werfen wir einen Blick in die Vergangenheit:

1178 – Erste urkundliche Erwähnung auf dem Areal des 15. Bezirks

Uodalricus de Valchinstein (Ulrich von Falkenstein), ein Ministeriale (1) von Herzog Leopold V. von Österreich (1157-1194) (Haus Babenberg) überlässt sein Gut „meinhardisdorf juxta murlingen“ (Meinhartsdorf bei Meidling) dem Stift Klosterneuburg. Es handelt sich dabei um die erste urkundliche Erwähnung einer Siedlung auf dem Areal des heutigen 15. Bezirks.

WZ,_Lageplan_Meinhardisdorf

zwischen 1708 und 1710 – Entstehung des Vororts Fünfhaus

Das Barnabiten-Kollegium St. Michael erlaubt als Grundherr die Errichtung von fünf Weinhauerhäuschen „in den hangenden Lüssen (2)“ (heute: Clementinengasse 9-17) – aus dieser Ansiedlung wird später der Vorort Fünfhaus entstehen.

1768 – Graf Meraviglia

Das Stift Klosterneuburg verkauft als Grundherr das „Reindorfsamt den angrenzenden Rieden“ an den Grafen Meraviglia, ein entscheidender Schritt im Zusammenhang mit der Entstehung der Vororte Reindorf und Braunhirschen, aus denen 1863/64 gemeinsam mit dem Vorort Rustendorf der Vorort Rudolfsheim entstehen wird.

1838 – Gastwirtschaft „Zum Paradies“

Der Arzt und Sozialpolitiker Dr. Anton Schmit von Tavera (1793-1862) lässt auf den „Juliana Brunnerschen Äckern“ (befanden sich in der heutigen Felberstraße) ein Landhaus erbauen, das später als Gastwirtschaft „Zum Paradies“ Mittelpunkt des legendären Rudolfsheimer Praters wird.

1848 – Jahr der Revolutionen

Das Jahr der Revolutionen bedeutet die Aufhebung der Grundherrschaften, die Errichtung der Ortsgemeinden und den Beginn einer Ära, die als die „große Zeit“ der Wiener Vororte-Gemeinden bezeichnet werden kann.

Auf dem Areal des späteren 15. Bezirks hinterlässt die Märzrevolution ihre Spuren, werden doch die 35 Männer und Frauen, die am 13. März 1848 bei der Demonstration zum Niederösterreichischen Landtag (Herrengasse, Wien) ums Leben kamen (die sogenannten „Märzgefallenen“) am 17. März 1848 auf dem Schmelzer Friedhof in Fünfhaus beigesetzt.

Schmelzer Friedhof 2
Schmelzer Friedhof Bild: Österreichische Nationalbibliothek

In der Nacht vom 13. auf 14. März 1848 kommt es zudem durch den Mob in den Wiener Vororten zu Zerstörungen (durch Brandstiftung), Plünderungen, Verwüstung etc., von denen auch Fünfhaus, Sechshaus und Reindorf betroffen sind. Das Linienamt an der Mariahilfer Linie (an der Grenze zwischen der Vorstadt Mariahilf und dem Vorort Fünfhaus) wird geplündert und in Brand gesteckt und ein Finanzwächter ermordet.

Das Amtshaus in Braunhirschen wird geplündert und zerstört. Die Fabrik Granichstätten in Sechshaus und weitere Fabriken werden verwüstet und zerstört, Bäckereien, Geschäfte, Privatwohnungen etc. geplündert. Erst vor der Reindorfkirche kann die Menge gestoppt werden.

1858 – Eröffnung des Westbahnhofs

Am 15. Dezember 1858 wird in Fünfhaus der Westbahnhof eröffnet.

Westbahnhof_alt

1868 – Erstaufführung „Lied der Arbeit“

Am 29. August 1868 findet im Garten der Fünfhauser Bierhalle (damals als Zobeläum bekannt), die Erstaufführung des legendären „Liedes der Arbeit“ / Text: Josef Zapf (1847–1902), Melodie: Josef Scheu (1841–1904) statt.

BM_15,_Garten_des_Zobeläums
Gastgarten des Zobeläums

1888 – Gründung des humanitären Vereins „Edelsinn“

In diesem Jahr wird der humanitäre Verein „Edelsinn“ (Chewra Sandekos) zur Unterstützung von armen jüdischen Wöchnerinnen und deren Familien gegründet und an den Kindergarten Ecke Schulgasse / Karolinengasse (heute Herklotzgasse 35 / Geibelgasse). Die Barmherzigen Schwestern des Hl. Vinzenz von Paul aus Gumpendorf betreuen den Kindergarten. Später wird eine Kapelle angebaut, die auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

1898 – Gründung des FC Rapid / Kinderbewahranstalt

Auf der Schmelz in Rudolfsheim wird der Fußballclubs (FC) Rapid Wien (seit 1899 Sportclub (SC) Rapid) gegründet – ein Arbeiter-„Fußballclub“, der von 1900 bis 1912 sein Spielfeld auf dem Platz an der Hütteldorfer Straße / Selzergasse hat.

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Der alte Rapid-Sportplatz in Rudolfsheim

Zeitgleich wird im Asylgebäude und Klosterkomplex „zum Hl. Antonius von Padua“ eine Kinderbewahranstalt eröffnet. Heute ist nur mehr die frühere Kirche dieses Komplexes erhalten, die am 21.April 2014 der rumänisch-orthodoxen Kirche geschenkt wurde.

1908 – Erstes Kino / Türme für das „Ida-Kircherl“

In Rudolfsheim wird das Lehner Kino (später auch unter den Namen Lichtspiele Rudolfsheim, dann Schwender Kino), Mariahilfer Straße 196, eröffnet. Es gehört zu den ersten Kinos, die für Rudolfsheim belegt sind. 1969 wird es geschlossen.

Im selben Jahren bekommt die Klosterkirche der Kalasantiner (heute: Pater Schwartz-Gasse 10), das frühere „Ida-Kircherl“, in Fünfhaus ihrer Türme.

1918 – Kriegsende / Kinoeröffnungen

In diesem Jahr endet nicht nur der Erste Weltkrieg, sondern es ist auch das Jahr, in dem im 15. Bezirk mehrere Kinos (Reindorf Lichtspiele, Abbazia Kino, Felber-Lichtspiele, Raimund Lichtspiele) eröffnet werden, von denen sich leider kein einziges bis in die Gegenwart gehalten hat.

1938 – Reichspogromnacht / Gründung des 15. Bezirks

Von den Folgen des „Anschlusses“ bleibt auch der spätere 15. Bezirk nicht verschont. Auch hier kommt es zu Arisierungen, Plünderungen und Vertreibungen. Der Turnertempel wird in der Reichspogromnacht (vom 8. auf den 9. November 1938) zerstört, die Storchschul verwüstet. 1938 ist aber auch das Jahr, in dem der heutige Bezirk durch die Zusammenlegung der bisherigen Bezirks Rudolfsheim und Fünfhaus gegründet wird.

Hier finden Sie weitere Infos zum Turnertempel.

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Plan des Turnertempels von Karl König

1968 – Eröffnung „Altwienerhof“

Das „Jahr des sozialen Wandels“ ist im 15. Bezirk auch das Jahr, in dem ein erfolgreicher Starkoch, Gastwirt und Hotelier namens Rudolf Kellner (1938-2005) aus der Gaststätte „Kellnerhof“ (Ecke Herklotzgasse 6 / Turnergasse 4), die er von seinen Eltern übernommen hat, ein legendäres Speiselokal mit gutbürgerlicher Wiener Küche macht, das bis heute unter dem Namen „Altwienerhof“ bekannt ist.

Quellen:

Waltraud Zuleger: Kultur-Spaziergänge in Rudolfsheim-Fünfhaus. Teil 1: Im Umfeld der Reindorfgasse (= Brigitte Neichl (Hrsg.): Edition Bezirksmuseum 15. Bd. 7). Wien, 2016. ISBN 978-3-9503795-0-1

Waltraud Zuleger: Kultur-Spaziergänge in Rudolfsheim-Fünfhaus. Teil 2: Im Umfeld des Meiselmarktes (= Brigitte Neichl (Hrsg.): Edition Bezirksmuseum 15. Bd. 8). Wien, 2018. ISBN 978-3-9503795-1-8


(1) Ein Ministeriale ist ein im (ursprünglich antiken kaiserlichen) Dienst stehender Beamter.

(2) Luß (Mehrzahl Lüß, Lüssen), im Mittelalter häufig vorkommender Riedname; unter Lüß verstand man einen durch Los zugeteilten Ackeranteil. Lange Lüssen waren schmale, langgestreckte Grundparzellen von Acker- oder Weingartengrundstücken („In den langen Lüssen“, „An den langen Lüssen“), hangende Lüssen erstreckten sich auf abfallendem Gelände („In den hangenden Lüssen“).


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In unserer Rubrik „Bezirks(Museums)News“ berichten wir 1x pro Monat jeweils am zweiten Montag des Monats über Interessantes aus dem Bezirk oder aus dem Museum. Weitere Themen – ebenfalls an Montagen – sind das „Bild des Monats“ (historische Schmankerln aus unserem Sammlungsbestand), „Wussten Sie, dass …“ (Interessantes & Ungewöhnliches aus der Geschichte des 15. Bezirks) und das „Zitat des Monats“ (Aussagen berühmter Persönlichkeiten zu den Themen „Zeit“, „Geschichte“, „Vergangenheit“, etc.).

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