Cholera in Wien – Eine Ausstellung im Stadt- und Landesarchiv

In unserer Rubrik „Bezirks(Museums)News“ berichten wir 1x pro Monat jeweils am zweiten Montag des Monats über Interessantes aus dem Bezirk oder aus dem Museum. Weitere Themen – ebenfalls an Montagen – sind das „Bild des Monats“ (historische Schmankerln aus unserem Sammlungsbestand), „Wussten Sie, dass …“ (Interessantes & Ungewöhnliches aus der Geschichte des 15. Bezirks) und das „Zitat des Monats“ (Aussagen berühmter Persönlichkeiten zu den Themen „Zeit“, „Geschichte“, „Vergangenheit“, etc.).

Wie die Choleraseuche Wien verändert hat. Mit dieser Thematik beschäftigt sich die neue Ausstellung im Wiener Stadt- und Landesarchiv. Unter dem Motto „Cholera. Eine Seuche verändert die Stadt“ können Geschichteinteressierte in der Kleinausstellung, die noch bis 24. August 2018 geöffnet ist, die Zusammenhänge zwischen der Epidemie und der „sanitären Revolution“ in Wien erleben.

Choleraseuche in Wien (1831 bis 1873)

Die ersten Fälle von Choleraerkrankten gab es in Wien im Jahr 1831. Generell muss man aber sagen, dass die Cholera zu einer der schlechter dokumentierten Krankheiten gehört, da anfänglich das Krankheitsbild häufig als Brechdurchfall bezeichnet wurde.

Der Erreger wurde erstmals 1854 von Filippo Pacini als Cholera beschrieben. Den Ursprung der Krankheit findet man im indischen Subkontinent, die ersten Pandemien gab es im 19. Jahrhundert, die über Hamburg dann auch bis in die USA gelangten. Die letzte Pandemie ereignete sich im Jahr 1961, damals hat sich die Cholera erneut von Asien bis nach Westeuropa ausgebreitet.

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Hauptsituations- und Niveauplan | 1831-1832, Wiener Stadt- und Landesarchiv, Signatur 3.2.1.1.P1.168.6

Der Erreger wird durch kontaminiertes Essen oder Wasser übertragen und ist eine klassische Erkrankung der Armen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser haben.

Dieser fehlende Zugang zu sauberem Wasser war auch die Hauptursache für die Choleraseuche in Wien von 1831 bis 1873. Im Spätsommer des Jahres 1831 gab es die erste Choleraepidemie, vor allem der erste und zweite Wiener Gemeindebezirk waren stark betroffen.

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Detailplan von der Ausmündung des Hauptkanales in die Donau | 1831-1832, Wiener Stadt- und Landesarchiv, Signatur 3.2.1.1.P1.168.4

Das regionale Verbreitungsmuster der Cholera in Wien ist höchst interessant; Menschen, die in höher gelegenen Vorstädten oder Vororten lebten, waren von der Cholera kaum betroffen. In Grinzing, zum Beispiel, gibt es keine Aufzeichnungen über auch nur einen Choleratodesfall. Ganz anders sah es in den donaunahen und niedrig gelegenen Vierteln der Stadt aus. In der Inneren Stadt, der Roßau und am Alser Bach, die häufig mit Überschwemmungen zu kämpfen hatten, wurden in nicht weniger als 40 Prozent der Haushalte Cholerafälle gemeldet.

Notspitäler für Choleraerkrankte

Auch über Rudolfsheim-Fünfhaus gibt in der Ausstellung keine näheren Informationen zu Todesopfern der Cholera. J. Franz-Ferron schreibt in seinem Buch jedoch, dass es auch im 15. Bezirk Choleratote gab. Die Zahl der Erkrankten stieg sehr schnell, deshalb beschlossen die Verantwortlichen in den Gemeinden Sechshaus und Rustendorf zwei Notspitäler für Choleraerkrankte, u.a. das Allgemeine öffentliches Bezirkskrankenhaus in Sechshaus in der heutigen Sechshauserstraße 69–71 zu errichten.

Das Krankenhaus wurde 1891 geschlossen, nachdem das ursprünglich als „Kaiser Franz Joseph-Krankenhaus in Rudolfsheim“ bezeichnete neue Krankenhaus auf der Schmelz im – heutigen – 15. Wiener Gemeindebezirk im November 1890 fertiggestellt worden war.

An der Stelle des Krankenhauses – damals Hauptstraße 71 – 75, heute Sechshauser Straße 71 – befindet sich heute die Neue Mittelschule mit Schwerpunkt Informatik – NMSI 15.

Mehr zum Sechshauser Bezirksspitals und dem Elisabethspital finden Sie in der Edition Bezirksmuseum 15 Nr. 7.

>>>Infos und Bestellmöglichkeit Edition BM 15 zum Elisabethspital<<<

Auf der Schmelz wurde eigens ein Friedhof für Choleratote errichtet. Im Heimatbuch von Edgar Weyrich aus dem Jahr 1922 wird weiters erwähnt, dass Menschen im 14. und 15. Bezirk im 19. Jahrhundert neben Cholera, am häufigsten an Masern, Diphterie, Scharlach und Keuchhusten litten.

Anlegen von Cholera-Kanälen

Um dem Sterben der Bevölkerung entgegen zu wirken, begann man mit dem Bau von Cholera-Kanälen entlang des Wienflusses, die in der Donau endeten. Diese verursachten aber vor allem im Sommer Probleme, da sie regelmäßig austrockneten. Auch der Bau der Kaiser-Ferdinands-Wasserleitungen brachte nicht den erhofften Erfolg, da das Wasser aus der Donau nur durch Schotter filtriert wurde und die Wasserqualität darunter litt.

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Kaiser Franz I. besucht die Cholerakanalbaustelle 1831, WienGeschichteWiki CC BY-NC-ND 4.0

Wasserleitungsrohr im Bezirksmuseum

Auch in Rudolfsheim-Fünfhaus verlief die Ferdinandeische Wasserleitung, eines der Wasserleitungsrohre aus der Zeit rund um 1850 wurde beim Bau der U3 beim Westbahnhof im Jahr 1987 entdeckt und kann heute im Bezirksmuseum in Rudolfsheim-Fünfhaus bestaunt werden.

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Wasserleitungsrohr der Frdinandeischen Wasserleitung, Sammlung BM 15

Wiener Hochquellwasserleitung

Die erfolgreichste Maßnahme gegen Cholera war der Bau der Wiener Hochquellwasserleitung von 1866 bis 1873 und die daraus resultierende Versorgung der Stadtbevölkerung mit Alpenquellwasser.

Eduard Suess, Professor der Geologie und Präsident der Akademie der Wissenschaften, war in verschiedenen Gremien als linksliberaler Abgeordneter tätig und maßgeblich am Erbau der Ersten Wiener Hochquellenwasserleitung beteiligt. Der Ursprung der Leitung war am Fuß des Schneebergs, 1872 legte man den Wasserspeicher Schmelz (heute Meiselmarkt) an.

Wie auf der offiziellen Seite der Stadt Wien erwähnt, wurde „der „alte Teil“ des Behälters Schmelz 1870 bis 1873 im Zuge des Baus der I. Wiener Hochquellenleitung errichtet. In der „Alten Schieberkammer“ waren die Sperrorgane (Schieber) und Rohre für das Füllen, den Betrieb und das Entleeren des Behälters Schmelz untergebracht“. Heute finden dort Kulturveranstaltungen statt. Die nach Eduard Suess benannte Gasse endet beim alten Wasserspeicher.

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Eduard Suess (1831-1914), unbekannt, Eduard suess, als gemeinfrei gekennzeichnet

Insgesamt starben während der Choleraseuche rund 19.500 Wienerinnen und Wiener. Für lange Zeit konnte die Wiener Bevölkerung die Choleraepidemie nicht aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängen und auch heute erinnert das bei einem Massengrab von Choleratoten errichte Kreuz im 19. Bezirk an die Seuche, die die Stadt für immer verändert hat.

Quellen

  • Hahn, Michael: Der Bezirk Sechshaus. Wien 1853
  • Franz-Ferron, J. : Neu-Wien. Ein Rückblick auf die Geschichte der am 21. December 1891 zur Kommune Wien einverleibten Vororte-Gemeinden, Wien 1892, Verlag von Julius Kühkopf’s Buchhandlung in Korneuburg.
  • Weyrich, Edgar: Rudolfsheim und Fünfhaus. Ein Heimatbuch. 3. Teil, Wien 1922, Selbstverlag des Heimatausschusses der Lehrerschaft im VI. Wiener Inspektionsbezirke
  • Wiener Archivinformationssystem
  • Wien Geschichte Wiki
  • https://www.wien.gv.at

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4 Kommentare zu „Cholera in Wien – Eine Ausstellung im Stadt- und Landesarchiv

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